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Bergsteigen
 
 
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Bergsteigen [Taschenbuch]

Heiner Geißler
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

«Philosophie» der Passionen

LL. Ob das Prädikat «Kleinheit» mit Passionen kompatibel ist, wie es der Titel einer neuen Reihe des Deutschen Taschenbuchverlages will, steht dahin – für uns, die wir uns der Passionen erfreuen oder auch unter ihnen leiden, sind sie immer gross. Im deutschen Wort «Leidenschaft» klingt das, was uns grosse Lust und Leiden schafft, wie in der lateinischen «passio» und dem griechischen «pathos» noch nach. – Auch, was in der neuen Reihe «Philosophie» heisst, bezeichnet einen eher beliebigen Begriff, der alles «Nachdenken-über-und Erzählen-von-etwas» umfasst.

Trotzdem hat die neue Reihe mit zwei Bändchen über das Bergsteigen und die Friedhöfe konsequent begonnen. Es erübrigt sich, auf den inneren Zusammenhang hinzuweisen: Philosophieren heisst ja seit je: steigen und sterben lernen. In der Politik wie auf seinen Bergfahrten geht der ehemalige deutsche Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit Heiner Geissler gerne auf ungebahnten Wegen. Die Erzählmuster freilich, denen er folgt, halten sich eher an die vertrauten Wege der Hüttenphilosophie. Die Rolle von Sisyphos, dem Helden des Absurden, die Reinhold Messner so spektakulär spielt, ist Geissler denn doch etwas zu strapaziös. – Den Besuch, gar das Sammeln von Friedhöfen wiederum zu einer Passion zu erheben ist nicht so absurd, wie es zunächst scheinen mag – es ist nur «logisch», dass man sich für seinen nächsten Wohnort, und dann noch einen auf Dauer, interessiert. Barbara Bronnen hat manchen schönen Fund gemacht. Die Autorin wohnt selber in der Nähe des alten Münchner nördlichen Friedhofs. Als leidenschaftliche Spaziergängerin auf den Friedhöfen geht und denkt sie den Lebensläufen auch unbekannter Toter nach: der Friedhof als imaginäres Mausoleum. Ein alter Pathologieverdacht wird erfreulicherweise nicht bestätigt: Man kann friedhofsliebend, sozusagen «nekropolophil» sein, ohne nekrophil sein zu müssen.

Analoges gilt für die Bergsteiger: Vielleicht sind einige von ihnen todessüchtig, wenn sie das Risiko der Berge suchen. Sie müssen aber nur in den Bergen sein – und schon sind sie wieder ausserordentlich vital. «Similia similibus curantur», «Gleiches mit Gleichem heilen» – so will es die Homöopathie. In der passionierten bergsteigerischen, friedhofsnahen Übersetzung: Wer die Gefahr nicht sucht, kommt darin um.

Kurzbeschreibung

Ich habe als kleiner Junge ein paar Jahre in Tuttlingen verbracht, einer Stadt am südlichen Rand der schwäbischen Alb und am Anfang des Donautales, in dem sich eine der schönsten Kletterlandschaften Deutschlands befindet. Oberhalb unseres Hauses gab es ein paar kleine Felsen. Ich kann mich erinnern, ein Felsen hatte den Namen Nasenfelsen und war vielleicht vier oder fünf Meter hoch. Es hat mich damals einfach gereizt, die Kante rauf- und runterzuklettern. Es war wahrscheinlich kindliche Neugier genauso wie bei anderen Versuchen, die man in diesem Alter abenteuerlustig unternimmt. Der Sprung vom Garagendach mit einem aufgespannten Regenschirm, um eine neue Variante des Fallschirmspringens zu erfinden, endete kläglich und hätte eigentlich eine Vorwarnung für das spätere Gleitschirmfliegen sein müssen.

Das Klettern lernte ich auf eigene Faust. Ich kraxelte eben, soweit ich kam und soweit ich es mir zutraute. Im Donautal mit seinen wunderschönen weißen, senkrechten Kalkfelsen konnte man vor vierzig Jahren klettern und laufen und wandern, wie und wo man wollte. Heute sind von rund 500 Felsen 490 gesperrt. Eine überzogene behördliche Naturschutzmaßnahme. Zum ersten Mal kam ich in den Allgäuer Alpen in Berührung mit dem Hochgebirge. Wir wanderten und kletterten den Heilbronner Weg. Der erste Zweitausender, den ich bestieg, war das Hohe Licht, dem folgte die Mädelegabel und dann ging es weiter bis zum Hochvogel. Bei dieser ersten Gebirgstour wurde ich auch gleich mit der gefährlichen Seite des Bergsteigens konfrontiert: Beim Aufstieg auf die Rappenseehütte kam uns plötzlich von oben ein Rucksack entgegen. Er machte die tollsten Sprünge, flog über den Weg und verschwand unten im Tal. Der Besitzer kam sich mehrfach überschlagend gleich hinterher und blieb auf dem Weg liegen. Er war beim Alpenrosenpflücken ausgerutscht - es hatte vormittags geregnet - und hatte sich nicht mehr halten können...

Dr. Heiner Geißler ist seit 1965 Mitglied des Bundestages. Er war Sozialminister von Baden-Württemberg, Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit und Generalsekretär der CDU.

Autorenportrait

Heiner Geißler, geboren 1930, ist examinierter Philosoph und promovierter Volljurist. Er war dreizehn Jahre Minister, zuerst in Rheinland-Pfalz, dann im Bund. Er arbeitete zwölf Jahre als Generalsekretär der CDU und prägte die Politik seiner Partei wie kaum ein anderer. Er entdeckte die 'Neue Soziale Frage' und die multikulturelle Gesellschaft und verwandelte die CDU in eine moderne Volks- und Programmpartei mit einem schlagkräftigen Apparat. Geißler gehört zu den rhetorisch besten und originellsten Debattenrednern des Bundestages.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Ich habe als kleiner Junge ein paar Jahre in Tuttlingen verbracht, einer Stadt am südlichen Rand der schwäbischen Alb und am Anfang des Donautales, in dem sich eine der schönsten Kletterlandschaften Deutschlands befindet. Oberhalb unseres Hauses gab es ein paar kleine Felsen. Ich kann mich erinnern, ein Felsen hatte den Namen Nasenfelsen und war vielleicht vier oder fünf Meter hoch. Es hat mich damals einfach gereizt, die Kante rauf- und runterzuklettern. Es war wahrscheinlich kindliche Neugier genauso wie bei anderen Versuchen, die man in diesem Alter abenteuerlustig unternimmt. Der Sprung vom Garagendach mit einem aufgespannten Regenschirm, um eine neue Variante des Fallschirmspringens zu erfinden, endete kläglich und hätte eigentlich eine Vorwarnung für das spätere Gleitschirmfliegen sein müssen.
Das Klettern lernte ich auf eigene Faust. Ich kraxelte eben, soweit ich kam und soweit ich es mir zutraute. Im Donautal mit seinen wunderschönen weißen, senkrechten Kalkfelsen konnt e man vor vierzig Jahren klettern und laufen und wandern, wie und wo man wollte. Heute sind von rund 500 Felsen 490 gesperrt. Eine überzogene behördliche Naturschutzmaßnahme.
Zum ersten Mal kam ich in den Allgäuer Alpen in Berührung mit dem Hochgebirge. Wir wanderten und kletterten den Heilbronner Weg. Der erste Zweitausender, den ich bestieg, war das Hohe Licht, dem folgte die Mädelegabel und dann ging es weiter bis zum Hochvogel. Bei dieser ersten Gebirgstour wurde ich auch gleich mit der gefährlichen Seite des Bergsteigens konfrontiert: Beim Aufstieg auf die Rappenseehütte kam uns plötzlich von oben ein Rucksack entgegen. Er machte die tollsten Sprünge, flog über den Weg und verschwand unten im Tal. Der Besitzer kam sich mehrfach überschlagend gleich hinterher und blieb auf dem Weg liegen. Er war beim Alpenrosenpflücken ausgerutscht - es hatte vormittags geregnet - und hatte sich nicht mehr halten können...
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