Zwei Freunde planen kurzfristig eine Tour in den Schweizer Bergen. Ull, der Tatmensch, blickt auf zum Ziel, dem Gipfel. Der andere, Johann, hat sich zur Begleitung Ulls wohl eher widerstrebend überreden lassen. Er überschattet mit seiner verhaltenen Einstellung das gesamte Unternehmen, zumal ihn auch das Wetter, das nicht die besten Voraussetzungen bietet, in seinen finsteren Empfindungen verstärkt.
Als Johann im Schneetreiben erschöpft und entmutigt ist, halten die beiden an und verbringen in einem Unterschlupf die Nacht. Johann wird aber nicht weitergehen.
Ull ist darüber so erzürnt, dass er in heller Wut alleine aufbricht. Er erreicht über zerklüftete Gletscher erschöpft und verspätet den Gipfel. Rasch wird ihm klar, dass er wegen der objektiven Gefahren in einer Falle sitzt und es nicht mehr möglich ist, auf dem gleichen Weg zurückzukehren. Verzweifelt sucht er - ohne Kenntnis anderer Routen - einen alternativen Abstieg und gerät in die Nacht. Ein Biwak ohne Ausrüstung. Seine Fehler gehen ihm durch den Kopf und die Frage "Warum steigt ihr auf Berge?" Er findet seine Antwort: "Um dem Gefängnis zu entgehen. Das ist es." Ohne Sicherung durch einen Partner kommt er im Weiteren zu Sturz in eine große Randkluft und findet den Tod.
Johann steigt dem Anschein nach erleichtert über unschwieriges Gelände ab. Er fühlt sich innerlich dennoch als Alpinist, der sich von einem kleinen Bäuerlein, das ihn vor einem wohl gefährlichen Abkürzer durch schräg abschüssige Wiesen warnt, nicht belehren zu lassen braucht. Prompt gleitet er aus und kommt tödlich in einen Wildbach zu Fall.
So ist die kleine Geschichte eine Parabel wider den Leichtsinn, ja die Hybris, der beide - Ull allmählich, fast absehbar, Johann jäh und ohne Vorzeichen, erliegen. Gut beobachtet sind die vielen kleinen Qualen, die Überwindungen, mit denen sich der Bergsteiger auf solchen Touren auseinandersetzen muss.
Eine ruhige, bieder erscheinende Erzählung, die in einer etwas schwerfälligen Sprache, wie sie der umgebenden Bergregion entspricht, verfasst ist. Alles ist geprägt durch eine von Anfang an, besonders aus der Sicht Johanns, bedrohlich empfundene melancholische Grundstimmung. Somit nimmt der Sprachstil das düstere Ende schon bald vorweg.
Der Schweizer Autor Ludwig Hohl, (geb. 1904, gest. 1980) beschäftigt sich hier mit der Ambivalenz von Melancholie und Rationalität. Er stellt bei Ull, der seinem inneren "Gefängnis" entgehen will, den Zwang des Triebes zur Tat gegenüber. Johann, der seine Melancholie offen zeigt und ihr Rechnung tragen will, findet sein Ende ebenfalls durch Missachtung der Ratio.
Die Prosa Hohls ist von einer quälenden Unerbittlichkeit, von einer fast gewaltigen Eindringlichkeit und vehementen düsteren Sinnlichkeit. Wie auch andere Arbeiten des Autors rankt sich diese Geschichte um den stets von ihm variierten resignierenden Grundgedanken: "Der Mensch ist nicht universell, er kann nicht alles, nicht vieles tun ... noch kann ich da nur Leiden sehen".
Trotz dieser schweren Grundstimmung ist die Erzählung in ihrer Kürze (96 S.) ein beeindruckendes Stück Literatur - nicht nur für Bergsteiger.