es schwindelt einen, wenn man hinunterschaut!
Diese Worte der Titelfigur Wozzeck sagen eigentlich alles. Hier wird ein Mensch gedemütigt und gequält, als Versuchsobjekt missbraucht und am Schluss ein Mörder an seiner Geliebten und der Mutter seines Kindes.
Die expressionistischen Worte Georg Büchners, die dieser 80 Jahre vor dem eigentlichen Expressionismus in seinem Dramenfragment nach einem authentischen Fall gefunden hat, wurden von Alban Berg kongenial vertont. "Wozzeck" ist eine musikalische Seelenschau, die Musik hat nichts "Unterhaltsames", im Gegenteil: sie verstört, ist gebrochen und zerschunden wie die Menschen, deren Seelenlage und Existenz sie beschreibt und zum Ausdruck bringt.
1994 wurde diese Aufnahme nach einer Produktion der Berliner Staatsoper unter den Linden mit hervorragenden Sängerdarstellern, in der ausdrucksstarken Regie von Patrice Chereau und in der genialen Umsetzung durch den Dirigenten Daniel Barenboim gemacht.
Bild und Ton sind gut (normales 2-Kanal-Stereo, aber durchsichtig und plastisch). Für mich eine Aufnahme, die einem dieses Meisterwerk des Musiktheaters nahebringen und tief bewegen kann.
PS: Es gibt Untertitel, auch in deutsch, aber leider keine Bonustracks! Im Booklet findet sich dafür ein ausführlicher und sehr kluger Aufsatz als Werkeinführung.