Kurzbeschreibung
'Berühmte Frauen' ist ein biographisches Nachschlagewerk mit Lexikon Charakter und informiert exakt, abwechslungsreich und unterhaltsam über große Frauen aller Epochen und Länder.
Klappentext
Gibt es nicht schon genug Frauenbücher? Wozu denn nun noch ein frauenbiographisches Lexikon? Dazu eine kleine Geschichte: Ende 1998 bekam Luise F. Pusch ein Fax von der Frauenbeauftragten einer norddeutschen Stadt, sie möge ihr umgehend Kurzbiographien von Physikerinnen zurückfaxen. Der Bauausschuß der Stadt wollte nämlich vier neue Straßen nach Physikern nennen, und sie kämpfte nun um Physikerinnen-Benennung. In der Stadt gab es unter 280 Straßen bis dahin keine einzige, die nach einer Frau benannt worden war. Anfang 1999 kam die Erfolgsmeldung: Die Straßen wurden benannt nach Marie Curie, Agnes Pockels, Lise Meitner und Maria Goeppert-Meyer. Bei der nächsten Gelegenheit kann die Frauenbeauftragte das vorliegende Lexikon zu Hilfe nehmen und sich anhand der diversen Register im Anhang informieren. Auch nach 30 Jahren Frauenbewegung haben wir noch immer unter einer Umweltverschmutzung besonderer Art zu leiden: Unsere Umgebung ist patriarchal durchseucht, die Verantwortlichen wie die Betroffenen merken es meist nicht einmal und müssen buchstäblich "mit der Nase darauf gestoßen werden", daß dies für Frauen eine Zumutung ist und daß etwas geändert werden muß. "Es geht nicht darum, daß die Frauen noch mehr Leistungen zu erbringen haben, sondern vielmehr darum, daß die Leistungen der Frauen endlich sichtbar gemacht, wahrgenommen und erinnert werden", sagte Rita Süssmuth im November 1998 anläßlich der Eröffnung der Ausstellung "Politeia" im Bonner Frauen-Museum. Sicher ist, daß die Frauen zur Geschichte und zur Kultur im selben Maße beigetragen haben wie die Männer, aber die männliche Geschichtsschreibung hat den weiblichen Beitrag entweder trivialisiert oder marginalisiert oder "vergessen". Aus einer verzerrten Wahrnehmung der Realität kann nichts Gutes erwachsen. Für unsere psychische Gesundheit ist es wichtig, daß wir wahrgenommen werden. Die Psychologie spricht hier von "Spiegelung". Wenn ein Kind nicht "gespiegelt" wird, keine Aufmerksamkeit für seine Freuden, Leiden und Leistungen bekommt, kann es sich nicht entwickeln. Es erkrankt an Hospitalismus und verkümmert seelisch, selbst wenn für alle körperlichen Bedürfnisse gut gesorgt ist. Unsere Herrenkultur spiegelt normalerweise nur Männer wider; sie erhalten routinemäßig die Botschaft, daß sie bedeutsam und wichtig sind. Die Frauen erhalten die entgegengesetzte Botschaft, daß sie nämlich nicht der Rede wert sind. Das vorliegende Lexikon spiegelt uns, indem es unsere Geschichte und Leistungen würdigt. Und es liefert die notwendige Information wie weitere Spiegelungen aller Art, für Gedenkveranstaltungen, Gedenkmünzen, Sondermarken, Geldscheine, Intercity-Züge. "Frauenemanzipation", sagt Gerda Lerner, "ist ohne genaue Kenntnis der Frauengeschichte nicht möglich." Und: "Die bisher aufgezeichnete und interpretierte Darstellung der Vergangenheit der Menschheit ist partiell und lückenhaft, weil sie die Vergangenheit der Hälfte der Menschheit übergeht, und sie ist verzerrt, weil sie die Geschichte nur aus dem Blickwinkel der männlichen Hälfte der Menschheit wiedergibt." In seiner entschieden frauenbewußten Sprache will unser frauenbiographisches Lexikon einen Beitrag zur "Entzerrung" leisten und den Blick auf die andere (bessere?) Hälfte der Menschheit richten. Luise F. Pusch und Susanne Gretter "Berühmte Frauen" ist ein biographisches Nachschlagewerk mit Lexikoncharakter und informiert exaKt, abwechslungsreich und unterhaltsam über große Frauen aller Epochen und Länder. Mit Porträts von Berenice Abbott, Anne Stuart, Simone de Beauvoir, Ingrid Bergman, Maria Callas, Coco Chanel, Isadora Duncan, Elisabeth von Österreich, Indira Gandhi, Clara Haskil, Billie Holiday, Frida Kahlo, Katharina von Medici, Petra Kelly, Rosa Luxemburg, Mata Hari, Evita Peron, Simone Weil, Virginia Woolf, Unica Zürn und viele anderen.
Über den Autor
Luise F. Pusch, geb. 1944, Professorin für Sprachwissenschaft und freie Publizistin.
Auszug aus Berühmte Frauen. Dreihundert Porträts. von Luise F. Pusch, Susanne Gretter. Copyright © 1999. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Emily Brontë geb. 30. Juli 1818 in Thornton gest. 19. Dezember 1848 in Haworth englische Schriftstellerin Lit. 162, 194, 293, 301, 632 Ermutigt von ihrem verwitweten Vater, der ihnen zu lesen gab, was sie wollten, angeregt von der Lektüre von Byron und Scott, von Geschichts- und Geographiebüchern, betraten die »4 unheimlich begabten, spitzfindigen: spinnfizigen, merkwürdigen« Brontë-Kinder (Arno Schmidt) in einer Juninacht 1826 ihre Traumwelt: Angria und Gondal. Und sie begannen, ihre Geschichten aufzuschreiben. Viele Jahre lang, Abend für Abend. Für die drei Schwestern wurde dieses Spiel zur literarischen Schreibwerkstatt. Der Bruder konnte die in ihn gesetzten Ansprüche nicht einlösen, er starb im September 1848 31jährig, alkohol- und drogensüchtig. Emily war Vaters Liebling. Bereits als Sechsjährige soll sie die Druckfahnen einer Predigt des Vaters korrigiert haben. Die Schule allerdings hat sie nicht lange besucht. Ein dreiviertel Jahr verbrachte sie in einem Pensionat für Pfarrerstöchter, wo ihre beiden älteren Schwestern an Schwindsucht sterben sollten. Eine Schule in Lawhill verließ sie rasch wieder, sie hatte Heimweh. 1837 wird sie hier für kurze Zeit unterrichten, und 1842 besucht sie, zusammen mit der Schwester Charlotte, ein Pensionat in Brüssel, wo ihr der Leiter »einen logischen Kopf und eine Fähigkeit zur Argumentation, ungewöhnlich selbst für einen Mann« attestiert. Den Rest ihres kurzen Lebens, sie stirbt 30jährig an Schwindsucht, verbrachte sie im Haus des Vaters. Sie führte den Haushalt und schrieb, sofern sie Zeit dafür fand. 1846 publizierte sie mit ihren Schwestern Anne und Charlotte einen Gedichtband - zwei Exemplare werden verkauft. Und als 1848 ihr Roman »Wuthering Heights« erscheint, erhält sie vernichtende Kritiken. Heute ist »Die Sturmhöhe« der beliebteste Roman aus dem Werk der Schwestern Brontë und Emily Brontë eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der englischen Romantik. S.G. Maria Callas geb. 2. Dezember 1923 in New York gest. 16. September 1977 in Paris griechisch-amerikanische Sängerin Lit. 34, 507, 956 »Einfach lächerlich, daß solch ein Mädchen Sängerin werden will«, befindet die Gesangslehrerin Elvira de Hidalgo, als ihr die pummelige und brillentragende Maria Callas in Athen zum ersten Mal gegenübersteht. Aber 1940 findet in Athen die erste von vielen hundert Premieren statt, es ist eine Operette. Sie ist 17 Jahre alt. Ihre Karriere wird sie nicht in Amerika, wohin sie 1945 reist, sondern im »Land der Oper«, in Italien, fortsetzen. In Verona ist sie 1947 Ponchiellis Gioconda. Dort trifft sie auch Battista Meneghini, ihren späteren Mann. Er wird sich sehr für ihre Karriere einsetzen. Sie sei sein »chef-d'oeuvre«, hat er einmal gesagt. Mit ihm wird sie zu »La Callas«. Es gibt kaum eine Rolle, in der sie nicht brilliert: Sie ist Tosca, Medea, La Traviata, Lady Macbeth, Madame Butterfly, Norma, Lucia. Sie reist rund um die Welt, erobert die Metropolen und die Menschen, die ihren Aufführungen entgegenfiebern und ergriffen sind. »Die Scala im Delirium« heißt es in einer Schlagzeile 1954 in Mailand. Sie hat den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht. Jetzt läßt ihre Energie nach, sie muß Aufführungen und gar Premieren absagen oder abbrechen. Als sie 1959 Aristoteles Onassis kennenlernt, ein Freund der Liebe, aber kein Freund der Oper, tritt sie immer seltener auf. »Sie haben ja kein einziges Mal geübt«, wundert sich Fürstin Gracia Patricia nach einer dreiwöchigen Kreuzfahrt auf Onassis' »Christina«. Die Beziehung zu Onassis war nicht glücklich. Aber »nur ein glücklicher Vogel kann singen«, sagte sie einmal. 1969 versucht sie sich als Schauspielerin, in Pasolinis Medea. Der Film ist kommerziell ein Reinfall. Sie arbeitet 1970 als Musikpädagogin in New York und plant mit ihrem früheren Partner Giuseppe di Stefano ein Comeback. Ihre Tournee wird zum Desaster. Am 16. September 1977 stirbt sie in Paris an Herzversagen. »Bravo, Callas. Bravo, Maria«, klingt es aus der Menge, als der Sarg aus der Kirche in der Rue Georges Bizet getragen wird. S.G.