Natürlich wäre es optimal, die deutsche Erstsynchro von 1951 hätte nicht die Saubermannkorrektur vorgennommen, aus dem Nazikomplott einen Rauschgiftring zu schmieden. Aber letztlich ist es mir wurscht, weil dies nur den Hintergrund liefert für ein atemberaubendes Kammerspiel, bestehend aus den typischen Hitchcock-Zutaten: die dominante Mutter, der zerrissene Sohn, die zwielichtige Blondine und der smarte Draufgänger. Von diesem Punkt aus betrachtet, funktioniert der Film nur in der bei SZ vorliegenden deutschen Erstsynchronisation.
Die hier vorliegende deutsche Fassung von 1969 ist zwar politisch korrekt, aber unsagbar fade. Sie nimmt dem Film jedwedes Charisma mit ihren steifen Dialogen und ihren völlig fehlbesetzten Sprechern. Und damit meine ich nicht nur die deutsche Stimme von Miss Piggy, alias Marianne Wischmann als Ingrid Bergmann sondern auch Niels Clausnitzer als Cary Grant. Beide sind vortrefflich ausgebildete Sprecher, doch im Zusammenspiel wirken sie gespreizt und unnatürlich. Da knistert nichts mehr - weder im aufpolierten Stereoton noch in der Atmosphäre. Das Ganze hat was von einem schockgefrosteten Tiefkühlprodukt. Geschmacklos. Steril. Langweilig.
Dagegen liefert die bei SZ erfreulicherweise veröffentlichte Synchronfassung von 1951 das authentische Filmerlebnis: Ein Beziehungsgeflecht vor dem Hintergrund von Korruption und Ränkespiel. Irrungen und Wirrungen. Ein stetes Sich Annähern und wieder Entzweien. Verbale Verletzungen und gehauchte Versöhnungen. Die Gefühlsklaviatur wird von den Sprechern Tilly Lauenstein und Wolfgang Lukschy perfekt bedient. Wie beide über ihren "Katzenjammer" stöhnen und sich Wortgefechte liefern, die letztendlich nur ihren Schmerz offenbaren, das ist der Leistung Bergmanns und Grants ebenbürtig. Alfred Balthoff spricht den Giftmischer so, dass man letztendlich Mitleid mit ihm empfindet und das ist genau das, was Hitchcock wollte und was die Neusynchro ihm und uns verweigert. Rhett Butler/Shir Khan alias Siegfried Schürenberg als süffisanter Ermittlungsleiter, die Disney-Mäuse Cinderellas alias Walter Bluhm und Erich Fiedler als Ganoven, Werner Peters, Walter Werner, Martin Held - die Sprecher sind bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt.
Die Krone des Ganzen aber gebührt Friedel Schuster. Wie sie das intrigante Biest nur mit Worten rüberbringt, dafür gebührt ihr noch posthum der Synchronsprecher-Oscar. Eine eiskalte Teufelin, die perfekt mit dem Minenspiel der Konstantin harmoniert. Nur in der ersten Synchronfassung ist der Bruch, wenn die bis dahin so biedere, graubezopfte Matriarchin sich auf einmal eine Zigarette anzündet, spürbar. Es bereitet einem nur hier wohlige Schauer, wie die Schuster ihren Mordplan raunt: "Sie kann ja doch krank werden..." und man möchte ihr den Hals umdrehen, wenn sie kurz darauf dem Opfer bemutternd zusäuselt: "Soll ich Dir einen Umschlag machen?" So ein kaltschnäuziges Aas:-)
Fazit: Zwar richtig übersetzt gibt die deutsche Synchro von 1969 dem Film den atmosphärischen Todessstoß. Ich empfehle dringend auf die bei der SZ-Cinemathek veröffentlichte Erstsynchro zurückzugreifen.