Zuverlässiger Auswahltext auf der Basis der klassischen Ausgabe von Friedrich Klaeber, ausgezeichnete literaturwissenschaftliche Einleitung mit Berücksichtigung der stilistischen Seite (Makro- und Mikrostrukturen) und zur Einordnung des altenglischen Dialekts, in dem Beowulf (frühestes Datum der Abfassung um 700, Handschrift von um 1000) geschrieben ist, Glossar mit Etymologien von 50 S., sprachwissenschaftlich durchdachte Anhänge zu Aussprache und Schreibung, Metrik und Formenlehre,
Für den sprachlich UND für den literarisch Interessierten ertragreich!
Das Ziel ist vorgeblich nur eine sprachdidaktisch akzeptable Einführung in das Altenglische für Studenten, wobei der Leser mit Hilfe dieses Buchs tatsächlich Lesefertigkeit im Altenglischen erwerben kann, da dem Originaltext (etwa 1000 Zeilen, ein Drittel des Originals) auf jeder Seite eine wörtliche Papraphrase auf Deutsch beigegeben ist; es entfällt daher weitgehend die Mühsal des Nachschlagens: Der Leser kann sofort in den altenglischen Text eintauchen und hat somit hier endlich einmal eine Einführung ins Altenglische, bei der nicht der Text bloß Vorwand für freischwebende altenglische Grammatikübungen ist.
Leserfreundlich sind die erklärenden Fußnoten zum Text, auf die durch senkrechte kleine Pfeile im deutschen Übersetzungstext hingewiesen ist (man erkennt sofort, zu welchem Punkt der Fußnotenkommentar etwas enthalten wird).
Jedoch hat auch der interessierte Nichtanglist etwas von dem Buch, das Einblick in dies Glanzstück der altenglischen Literatur und der altgemanischen Epik und einen guten Überblick über den Stand der Beowulf-Forschung liefert.
Anhang VI bietet als erheiternden Abschluss die Vorführung eines aufgeblasenen modernistischen literaturwissenschaftlichen Beowulf-Interpretationstexts. Zu diesem steht die nüchterne, informationsreiche und flüssig lesbare Einordnung des Epos in Standops Einleitung (mit kritischer Würdigung Tolkiens und des amerikanischen Beowulf-Films) in erfrischendem Kontrast.