Der Chemiker Dr. Peter Plichta glaubt, eine Lösung für das CO2-Problem und das Erdölmangelproblem gefunden zu haben: Ein Ersatz von Kohlenwasserstoffen als Energieträger in Formen wie z. B. Benzin durch chemisch hergestellte, langkettige Siliziumwasserstoffe (Silane).
Auch wenn ich persönlich sowohl am CO2-Problem (nach
Hartmut Bachmann eine Erfindung der Wall Street) als auch am Ende des Erdöls (siehe z. B. abiotische Theorie; auch am "knappen" Erdöl verdienen einige anscheinend sehr gut) so meine Zweifel habe, so finden wir hier ein faszinierendes populärwissenschaftliches Buch. Wie könnte man die gigantischen Mengen von Sonnenenergie in Wüstengebieten dieser Erde nutzen, um Treibstoff für Fahrzeuge herzustellen? Leider ist die häufig anderenorts vorgeschlagene Wasserstofftechnologie aus mehreren auch im Buch angedeuteten Gründen keine Lösung.
Sehr kenntnisreich berichtet der Autor über die elementare Bedeutung von Petro- und Stickstoffchemie für praktisch alle Dinge, die den Menschen wichtig sind, einschließlich des "Vaters aller Dinge". Er schildert seine eigenen Entdeckungen relativ langkettiger Silane und geht darauf ein, warum sich dieser Stoff exzellent als Raketentreibstoff eignen würde (ungiftig, keine schweren Drucktanks erforderlich, relativ hohe Dichte=kleinere Tankgröße, Oxidationsmittel muß nicht zusätzlich mitgeführt werden!). Diese Vorteile kämen speziell für die untere Stufe eines Raumtransporters nach dem Sänger-Konzept und eine von Plichta selbst ersonnene, scheibenförmige Flugzeugkonstruktion zum Tragen.
Schließlich kommt der Plichta zum Kern seines Anliegens, der Möglichkeit eines Silizium-Stickstoff-Kreislaufs zur Energieversorgung analog zum Kohlenstoffkreislauf in der Natur. Bei der Verbrennung von Silan kann nach Entdeckungen von Dr. Plichta offenbar nicht nur der Sauerstoffanteil, sondern auch der Stickstoffanteil der Luft verbrannt werden. Dabei können feste Verbrennungsprodukte mechanisch aus den Abgasen gefiltert und noch sinnvoll z. B. zu Stickstoffdünger verarbeitet werden. Hier empfielt der Autor die Herstellung von Silan aus Wüsten-Solarstrom, wobei der Rohstoff Silizium für Solaranlagen und Silan dort praktischerweise in fast unbegrenzten Mengen vor Ort ist. Allerdings ist Silan nicht aus direkter Ersatz für Erdöl oder Benzin geeignet, sondern braucht etwas andere Anlagen für Transport, Lagerung und speziell Verbrauch, sprich, andere Motoren. Hier hat sich der Autor sowohl über ein spezielles Düsentriebwerk als auch über einen verbesserten Wankelmotor, bei dem das Verbrennungsprodukt von Silan gleich als Schmierstoff dient, Gedanken gemacht. Trotzdem erscheint mir das Konzept schwer durchsetzbar, da es von der Herstellung über Transport und Lagerung bis hin zum Verbrauch neue Wege erfordert. Trotzdem begeistert mich die Konsequenz, mit der solch ein Konzept von Plichta über Jahrzehnte entwickelt und durchgeplant wurde.
Über das Buch verteilt finden sich zahlreiche Schilderungen, wo der Autor auf Widerstände, Gegnerschaft, Unverständnis oder sogar Plagiatismus seiner Arbeiten und Ideen durch Leute, von denen er sich Zusammenarbeit erhofft hatte, gestoßen ist und das Funktionieren von Strukturen in Wissenschaft und universitärer Forschung, Wirtschaft und Politik, leider meist gegen echte Innovationen. Dabei ist er sich auch nicht zu schade, Namen zu nennen. in diesem Punkt gibt es Gemeinsamkeiten mit dem Buch
Das Galilei Syndrom. Unterdrückte Entdeckungen und Erfindungen, mit dem Unterschied, daß dieser Autor von persönlichen Erfahrungen berichtet.
Sehr positiv hervorheben möchte ich einen Stil, der auch komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge unaufdringlich und gut lesbar auf den Punkt bringt, manchmal erstaunlich kompakt und gelegentlich mit einem kleinen Augenzwinkern. Er erinnert mich ein wenig an den wunderbaren Joachim Fernau. Leider enthält das Buch einige sachliche Fehler, wo der Autor seine Kernkompetenz verläßt, z. B., wo er auf S. 30 in seiner Begeisterung für Silizium Siliziumgleichrichtern eine historische Schlüsselrolle in der Technik zuschreibt, was nicht korrekt ist.
Diese Rezension bezieht sich auf die 3. Auflage von 2008, die lieferbar, aber aus mir unbekannten Gründen bei Amazon nicht erhältlich ist. Das Buch enthält keine Hinweise darauf, daß das Buch gegenüber der ersten oder zweiten Auflage überarbeitet worden wäre, was etwas schade ist, da man abgesehen von wenigen Fehlern als Leser gerne gewußt hätte, was zum Beispiel aus den 2001 gestarteten Versuchen zur Entwicklung eines Verfahrens zur Massenproduktion von Silan geworden ist.