Eine ganz neuartige Welt betritt man, liest man diese Geschichte des Waisenjungen Benjamin Pfiff. Zunächst ganz real und ziemlich bedauernswert erfährt man von dem schlimmen Alltag des elternlosen Buben. Umgeben von geradezu schaurig-gemeinen Erwachsenen und auch wenig guten Kameraden beschließt er, an seinem elften Geburtstag – welchen selbstredend – im Waisenhaus niemand für bedeutsam oder beachtenswert hielt – in die Ungewissheit zu fliehen. Einzig der von Benjamin heimlich versorgte und geliebte Hund weiß davon.
Als müsste es immer noch schlimmer kommen, als es schon ist, wird er prompt erwischt, tragischerweise auch noch durch den „Verrat“ seines geliebten Hunds. Als er von der etwas distanziert-steifen Miss Bloom überraschenderweise einen Geburtstagskuchen erhält, freut er sich zwar nur bedingt, nutzt aber für einen kurzen Moment die Gelegenheit, die Kerze auf dem Kuchen verbunden mit einem Wunsch auszublasen. Als dieser Wunsch erfüllt wird, wundert sich der Junge, wünscht erneut und erlebt auch dessen Erfüllung. Offenbar geht da etwas Magisches vor.
Als schließlich Thomas Canlewick, der Präsident der Wunschwirkwerke samt einigen Begleitern bei Benjamin auftaucht und er sich auch da noch an das Schweigegebot für geäußerte Wünsche hält, gerät die Welt der Wunscherfüllung in Bedrängnis. Der Wunsch des Jungen sorgt für größte Probleme, weil er keinerlei Schwäche zeigt und nichts verrät. So muss der Wunsch erfüllt werden, auch wenn das – so erfährt Benjamin von den Wunscherfüllungsspezialisten – das auf Kosten der Wünsche Anderer geht. Der Junge gerät ins Grübeln und Wanken, hat aber doch noch einen sehnlichen Wunsch, nämlich seine tödlich verunglückten Eltern wiederzusehen.
Candlewick nimmt Benjamin mit an den Standort der Wunschwirkwerke, um ihn über die Abläufe dort aufzuklären. In einem magischen Sessel überfliegen sie die Wunschherstellungshallen. Dann wird er auch noch in den Konflikt mit den Fluchwirkwerken hineingezogen …
Die Geschichte um „Benjamin Pfiff“ ist so erfrischend anders, als so manche Internatsgeschichten, einmal, weil sie über eine so unscheinbare Grundlage verfügt, andererseits sich aber daraus eine wirklich phantastische, irgendwie schon märchenhafte Erzählung entwickelt. Der Autor schreibt sehr kindgerecht, vermeidet einen komplexen Schreibstil und glänzt durch gute, phantasievolle Ideen. Jetzt heißt es Warten auf die Fortsetzung. © 2/2008, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.