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Hart ins Gericht geht Posener mit dem Geschichtsverständnis des Papstes, wenn dieser glaubt, die Indianer hätten – ohne es zu wissen – schon immer Jesus Christus gesucht oder die Deutschen seien von den Nazis verführt worden. Zudem brandmarkt der Kirchenkritiker die katholische Sexualmoral, die Verhütung ablehnt, selbst Vergewaltigungsopfern keine Abtreibung zugestehen will und die Homosexuellen und emanzipierten Frauen feindseelig gegenüber stehe.
Christentum wie Islam wirft Posener eine „Kultur der Repression“ vor. Wenn sich Religion selbst als absolut wahr setze, dann sei das „in letzter Konsequenz die Logik des Dschihad“. Der auf die Spitze getriebene Vorwurf lautet, der Pontifex stehe dem Islamismus in grundsätzlichen Glaubensfragen näher als dem westlichen Pluralismus. Und dass dem einst als reaktionär bezeichneten Kardinal Ratzinger nach seiner Wahl zum Papst auf einmal begeistert zugejubelt wird – darüber mag Posener nur den Kopf schütteln.
Wenn man so will, legt sich der deutsch-britische Autor in seiner Streitschrift mit einem Sechstel der Menschheit an. Seine Papst-Anklage kommt stets kritisch, oft angriffslustig, ab und zu polemisch und bisweilen verbissen daher. Letzteres tritt oft zu Tage, wenn sich Kritiker des Katholizismus an der ungeheuer vielschichtigen Institution und ihrer Führung abarbeiten.
Von katholischer Seite wäre es zu einfach, dieses Buch als feindseelig abzutun. Denn bei aller Härte der Vorwürfe argumentiert der Autor nachvollziehbar, liefert fleißig Belege – und hat es deshalb verdient, ernst genommen zu werden. Ein offener Dialog von Kirchenseite würde zudem beweisen, dass die katholische Kirche durchaus bereit ist, den kontroversen demokratischen Wettstreit der Meinungen anzunehmen als auch für gut zu heißen.
– Herwig Slezak
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