Die HipHop-Community und die Wu-Tang Fans harrten vier Jahre auf ein richtiges Lebenszeichen von Gary Grice. In Form eines neuen Albums macht GZA/Genius nun wieder auf sich aufmerksam. Nachdem sein Anteil auf dem Epos "Wu-Tang Forever" eher minimal ausfiel und GZA sonst nur auf Killah Priests "Heavy Mental" ein kleines Gastspiel gab, kehrt der Schwertkämpfer mit "Beneath The Surface" zurück. Neben seiner HipHop-Karriere arbeitet er an seinen Regisseur-Fähigkeiten und kümmert sich intensiv um seine Familie - insbesondere um Sohn Justice Kareem. Mit dem neuesten Werk serviert das lyrische Genie vom Wu-Tang Clan endlich wieder einen klassischen Wu-Banger ab. Die Meßlatte liegt nach GZAs bei Geffen Records veröffentlichten Super-Debüt "Liquid Swords" - das schwache von der Industrie und im speziellen von Cold Chillin' zu fast 95% gesteuerte "Words From The Genius" zählt eigentlich nicht - sehr hoch. Mit "Beneath The Surface" taucht der Chessboxer nun tiefer in die Rap-Materie hinein, als all die anderen Wu-Ableger-Alben vor ihm. Anstatt einer düstere Atmosphäre wie sie auf "Liquid Swords" vorherrschte, zeigen sich die Beats dank der Uptempo-Elemente mit mehr Schub. Keine Angst: Es gibt eindeutig keine Party-Stücke. Die Produktion scheint einfach etwas leichter und mindert nicht die Qualität. Mit Mathematics steht für den Schwertschwinger ein nahezu perfekter Produzenten-Kollaborateur neben RZA zur Seite. GZAs Stimme und und der dichte Sound ergeben eine angenehme Symbiose. Die verschachtelten Reime und der abstrakte Sprechgesang des leidenschaftlichen Schachspielers und Mitbegründer des New Yorker Clans besitzen stets die Dunkelheit des Universums. Neben Mathematics entwickelten The Arabian Knight, Inspectah Deck, John The Baptist und natürlich The RZA die 12 Tracks plus vier gar nicht überflüssiger Skits. Schwächere Momente bleiben Mangelware. Zu den genialen im Durchschnitt knapp drei Minuten langen Stücken gehören der herrliche von Rebel INS produzierte Titelsong (mit einem Gene Plum-Vocalsample) und die mit Ol' Dirty beziehungsweise Meth infizierten "Crash Your Crew" und "Stringplay (Like This, Like That)". Apropos Gäste: Mit Hell Razah, Dreddy Krueger, Prodigal Sunn, LA The Darkman und Trigga steht GZA die nächste Generation zur Seite. Masta Killah und Killah Priest untermauern auf der Platte genauso ihr Können wie Joan Davis und Njeri. "Publicity" zeichnet sich durch sein knochentrockenes Streicher-Sample und einem monströsen Mathematics-Beat aus. Die superben metaphorischen Wortkaskaden des Reimschmiedes übertrumpfen trotzdem alles. Auf "Breaker Breaker" stellt GZA überzeugend fest: "This is not a test, it's difficulty!" Wort drauf, wie es so schön heißt. GZA bleibt stets unheimlich entspannt und überlegen. Brag and Boast in Perfektion. Nebenbei bringt uns Genius seinen Mikrokosmos in gewohnter Leichtigkeit elegant näher. "Beneath The Surface" reiht sich trotz der etwas kurzen Spielzeit von 47 Minuten ohne Bedenken in die Riege der Wu-Klassiker ein. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)