Was würde Miles Davis heute machen? Wahrscheinlich genau das, was Erik Truffaz mit Bending New Corners da auf den Markt geworfen hat. Konsequent (und manchmal leider auch etwas zu Miles-anbiedernd) folgt er der Linie "des" Jazz-Trompeters überhaupt und verbindet sehr ordentliche akustische Break-Beats mit seinem warmen, Miles ziemlich nahe kommenden Sound, was zusammen mit einer exzellent zusammengestellten Rhythmusgruppe eine ganz eigene und sehr angenehme Athmosphäre erzeugt. Von groovigen Abtanztunes bis zu schönen, sich für's relaxen geradezu aufdrängenden Stücken ist für jede Stimmung etwas dabei. Auch nach mehrmaligem Hören verlieren die modalen Kompositionen nicht ihren Reiz sondern vermitteln vielmehr die Hoffnung, daß kommerzielle Jazz-Crossover-Produktionen sich nicht darauf beschränken müssen, nur auf Verkaufszahlen und aktuelle Trends zu schielen, sondern sich auch in diesem Bereich hier und da ein kleines Stück wahre Kunst bewahren können. Daß nebenbei auf das ein oder andere Stück auch Liebhaber der elktronischen Tanzmusik abfahren könnten, tut dem ganzen dabei keinen Abbruch, im Gegenteil. Sehr überzeugend ist auch die so jazz-untypische Zurückhaltung aller Musiker, die der ganzen Platte einen fast schon meditativen Charme verleiht. Ein lang andauernder Spaß für viele Stunden und Stimmungslagen!