Der BenQ W700 ist ein solider, unproblematischer DLP-Beamer mit sehr guter Bildqualität und nur wenigen, geringfügigen Schwachpunkten.
Auftritt, Aufstellung und Bedienung
Das Gerät wirkt hochwertig, die Verarbeitung ist gut. Das Design würde ich als gelungen bezeichnen. Das Gehäuse ist solide und vor allem unempfindlich gegen Staub und Fingerabdrücke.
Neben einer gedruckten Kurzanleitung und einer CD mit ausführlicheren Anteilungen legt BenQ ausgerechnet ein VGA-Kabel bei. In heutigen Zeiten allgegenwärtiger HDMI-Ausgänge dürfte es bei den meisten Nutzern wieder im Karton landen. Ein HDMI-Kabel sollte man also im Bedarfsfall gleich mitbestellen.
Der Zoombereich des W700 ist recht eng, d.h. der Zoom dient nur der Feinstellung zur perfekten Ausnutzung der Projektionsfläche. Bei festgelegter Projektionsgröße lässt sich der Abstand des Beamers also nur in engen Grenzen variieren. In meinem Fall steht der Beamer in 3,7 m Abstand vor einer 2,2 m breiten Leinwand (Celexon Stativleinwand Economy 219x219 cm).
Durch seine drei einzeln verstellbaren Gummifüße ist die exakte Bildausrichtung einfach. Auch die Fokussierung klappt mit dem geschmeidig laufenden Fokusring sehr leicht.
Die Fernbedienung wirkt robust und liegt gut in der Hand. Ich finde sie zwar wegen der wahllos erscheinenden Verteilung einiger Funktionstasten etwas unübersichtlich. Aber das ist sicherlich Geschmacks- bzw. Gewöhnungssache.
Die Menüs dagegen sind übersichtlich und geben keine Rätsel auf. Auch hier sind es nur kleine Details, die stören könnten. So blendet z.B. die Info-Taste zwar wie erwartet Informationen über den aktuellen Bildmodus ein, eine zweite Betätigung lässt die Infos aber nicht verschwinden. Dafür braucht man dann die Menü-Taste, die an einer völlig anderen Stelle auf der Fernbedienung liegt.
Doch nun zum wichtigsten Teil...
Bildqualität und Geräuschkulisse
Die Farbwiedergabe ist sehr ordentlich, die Kontraste sind hervorragend, der Schwarzwert DLP-typisch ausgezeichnet. Bei korrekt ausgerichteter Leinwand erziele ich zudem über die gesamte Fläche ein 100% scharfes Bild, so dass man das Ergebnis nur als brillant bezeichnen kann.
Der eingebaute Lautsprecher klingt recht ordentlich, kann also für eine Wiedergabe ohne besondere Audio-Anforderungen durchaus nützlich sein. Für Spiele oder gar Heimkino braucht man natürlich eine leistungsfähigere (evtl. mehrkanaltaugliche) Lösung.
Das Lüftergeräusch ist im normalen Lampenmodus mit einem Surren überlagert, das je nach Geräuschempfindlichkeit durchaus stören kann. Wenn man aber per Menü auf Stromspar-Modus schaltet, wird das Bild kaum dunkler, der Lüfter jedoch angenehm leise. Da zudem die Lampe (nach Hersteller-Angaben) damit auch deutlich länger hält, habe ich mich im Dauerbetrieb dafür entschieden. Die Helligkeit des Beamers ist selbst dann noch ausreichend, um bei nicht komplett abgedunkeltem Raum auf meiner 2,2-Meter-Leinwand ein gutes Bild zu erzielen.
Mit meinem PC als Zuspieler sieht übrigens auch Fernsehen klasse aus (DVB-S2, Abspielsoftware: DVBViewer Pro). Bei passender Bildfrequenz von 50 Hz bekommt man insbesondere die HD-Programme von ARD und ZDF (720p50) praktisch perfekt auf die Leinwand. Das Bild ist wirkt sehr flüssig, so dass unter anderem Sportübertragungen großartig aussehen.
3D Vision (nVidia)
Seitdem anno 1999 die Revelator-Brille von ELSA herauskam, bin ich ein großer Fan stereoskopischer Spiele. Ich war also sehr gespannt auf die Ergebnisse mit dem W700.
Kurzum: Im Einsatz mit nVidia 3D Vision kommt hier wirklich Freude auf.
Wie bei einem schnellen DLP-Beamer zu erwarten, sieht man keinerlei Ghosting (Doppelkonturen, weil das Bild beim jeweils anderen Auge "durchschimmert"). Vollständig kompatible Spiele glänzen also mit perfekter 3D-Wiedergabe.
Natürlich ist die native Auflösung von 1280 x 720 Pixeln für Computerspiele nicht gewaltig. Gerade im Stereoskopie-Modus wird aber durch die Überlagerung der beiden Perspektiven eine effektiv größere Auflösung erzielt, d.h. die Bilder wirken in 3D deutlich schärfer. Der enorme Kontrast und die praktisch völlige Abwesenheit von Ghosting kommen dem Spielgenuss ebenfalls sehr zu Gute.
Etwas nervig ist lediglich, dass man bei jedem Moduswechsel (dafür genügt oft schon eine kurze Umschaltung beim Startbildschirm eines Spiels) die 3D-Synchronisierung neu auf 3D Vision einstellen muss. Leider gibt es ausgerechnet dafür keine Taste auf der Fernbedienung - es werden mindestens fünf Tastendrücke fällig, um die Einstellung über Menü vorzunehmen. Zudem funktioniert bei aktivem Infrarot-Sender für die 3D-Vision-Brille die Fernbedienung kaum noch, so dass man sich dafür zum Gerät bemühen muss. Das ist allerdings nur beim Ausprobieren lästig. Später, beim tatsächlichen Spielen, fallen diese Einstellungen ja nur noch selten an.
Fazit
Der W700 von BenQ ist ein sehr guter, schicker Beamer, der auch im 3D-Betrieb überzeugt. Auszusetzen gibt es höchstens Kleinigkeiten in der Bedienung, wesentliche Schwächen oder Probleme konnte ich bisher nicht feststellen.
Insgesamt bin ich mit dem Gerät also sehr zufrieden. Wenn die gebotene Auflösung ausreicht, es also kein Full HD sein muss, macht man mit dem W700 keinen Fehler.
Dementsprechend gebe ich eine klare Kaufempfehlung und fünf Sterne *****.
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Nachtrag zum Thema ELSA Revelator (06.11.2011): Inzwischen habe ich festgestellt, dass der W700 auch mit dem alten Revelator-System betrieben werden kann! Da vor allem ältere Titel (vor DirectX 9) mit 3D Vision nicht stereoskopisch laufen, ist das für 3D-Veteranen wie mich eine tolle Sache. Ausschlaggebend ist, dass der W700 am VGA-Eingang Bilder mit 120 Hz entgegennehmen kann. Zwei Probleme gibt es dabei jedoch: Erstens gibt es vollständig kompatible Treiber nur in älteren Versionen bis zur 7000er GeForce-Serie (mit Tricks laufen wohl auch 8000er). Das ist aber nicht wirklich schlimm, wenn es nur darum geht, ältere Spiele auf einem älteren System (Windows XP) in 3D zu genießen. Zweitens ist jedoch am Beamer die Synchronisation zwar perfekt im Timing, aber leider invertiert, d.h. die Bilder kommen beim jeweils falschen Auge an. Das liegt wahrscheinlich an der Verzögerung durch die digitale Verarbeitung der Bilder im Beamer. Natürlich kann man die 3D-Brille einfach falsch herum aufsetzen. Dann stimmt zwar das 3D-Bild, man muss aber einen Weg finden, die Brille bequem längere Zeit so tragen zu können. Für mich die bessere Lösung: Für wenig Geld eine alte kabelgebundene Revelator erstehen, die kleine Plastikbox am Anschlusskabel per Teppichmesser öffnen und die Signaldrähte für die beiden LCDs (hier: grün und blau) vertauschen. Das ist nicht sehr schwierig, auch wenn man wie ich wenig Übung am Lötkolben hat. Ergebnis: Eine sehr günstige, leichte 3D-Brille und ein wirklich perfektes 3D-Bild.