Ben Hur ist einfach ein Meisterstück, mit seiner epischen Filmmusik, seinen quälend langen Rudersequenzen auf der Galeere, und seinem Wagenrennen, in dem sich der Titelheld an seinem Feind rächt; ein Duell das unter donnernden Hufen, zerberstenden Wägen und tobendem Publikum ohne einen Ton Musik ausgetragen wird. Viel mehr will ich nicht zum Film sagen, auch zur Handlung nicht, das kann man woanders nachlesen. Vielmehr will ich auf die Technik der Box eingehen.
Zuerst einmal ist das Bild sowas von toll, in manchen Szenen könnte man meinen, sie wären heute gedreht worden. Es gibt keine Verschmutzungen, schöne, leuchtende Farben, hie und da leichte Unschärfen, die stören aber nicht. Und das Beste: im Gegensatz zur nicht so schlechten Einzel - DVD von Ben Hur, die den Film im beinahe richtigen Format 1:2,70 zeigt, gibt es hier das ECHTE Bildformat 1:2,76. Das klingt nach wenig, doch wer sich die Mühe macht und beide Versionen vergleicht wird feststellen, dass das immer noch ein ganz schönes Stück ist, das da fehlt, obgleich auch in der alten DVD z.B. Personen, die am Rand stehen, noch zu sehen waren. Im Booklet, das übrigens sehr viele Informationen zur Produktion, und auch in einem eigenen Kapitel die nur in diesem Film verwendete MGM CAMERA 65 zum Thema hat, wird auch erklärt, dass für diese Edition die Original 65mm Filmstreifen zum Einsatz kamen.
Die Kapitel sind übrigens exakt so gesetzt wie in der ersten Auflage. Wie schon erwähnt wurde, fehlt die Tonspur, in der die Musik alleine abgespielt wird. Ärgerlich, aber so wichtig ist mir das auch nicht, dafür habe ich ein tolles Bild, das richtige Bildformat, und eine optisch ansprechende Box.
Auch eine tolle Sache: der (wortkarge) Audiokommentar von Charlton Heston, der schon auf der ersten DVD drauf war, wurde durch einen sehr informativen neuen Kommentar von einem berühmten Filmhistoriker ergänzt, der die vollen dreieinhalb Stunden munter drauflos redet und Unmengen von Informationen über den Film preisgibt. So schildert er lustige Anekdoten von den Dreharbeiten, verrät viele Tricks, erzählt von den einzelnen Schauspielern und und und. Zwar ist der AK nicht untertitelt, jedoch redet der Historiker ein schönes Englisch und redet auch nicht zu schnell, so dass jeder, der halbwegs Englisch kann und englische Internetseiten versteht, was davon haben wird. Sehr lobenswert ist es, dass diesmal der Film nicht auf eine Flipper - DVD wie bei der Erstauflage gepresst wurde, sondern auf 2 separaten. Der DVD - Wechsel erfolgt, genauso wie im Kino, in der Pause des Films, und nicht an irgendeiner unpassenden Stelle.
Dann noch eine wirklich tolle Sache: der Stummfilm von 1925, der auf einer Extra DVD Platz findet. Die Texttafeln im Film sind Englisch, es gibt Untertitel in Deutsch und anderen Sprachen. Okay, viele mögen Stummfilme nicht, weil man mehr lesen als Filmschauen muss, aber dieser Film hat es in sich. In seiner für einen Stummfilm recht langen Laufzeit von zweieinhalb Stunden, in der es übrigens KEINE vor Cayalstift triefende Augen gibt, weil jeder normal aussieht (wie sähe denn das aus: Piraten und Römer, die mit Cayalaugen gegeneinander kämpfen?) wird die Geschichte von Ben Hur ein wenig näher an der Romanvorlage erzählt, es gibt eine ungeheure Vielzahl von Sets, Galeerenschiffe in Originalgröße (im 1959er Film waren es bloß kleine Modelle auf Schienen), und nicht zuletzt die in den 80ern komponierte, sehr sehr schöne Musik von Carl Davis, die je nach Stimmung zwischen sakral (Jesus Szenen), abstrakt (Szenen im Kerker), dumpf monoton (das Rudern auf der Galeere) liebevoll ruhig (Szenen mit Ben Hurs Freundin) oder auch wild tobend (das Wagenrennen) variieren. Bemerkenswert ist, wie brutal der Film stellenweise ist: da gibt es aufgespießte Schädel auf Schwertern, Leichen, die auf der Galeere mit Seilen weggezogen werden, Giftschlangen, die einem römischen Soldaten das Gesicht zerfressen, ein Galeerensklave wird mit einer Eisenkette erhängt usw. Sogar den ein oder anderen Schockeffekt hat der Film, wenn man z.B. im Kerker mehrere Leute dahinvegetieren sieht, und dann die Kamera plötzlich einzelne, von diversen Krankheiten zerfressene Gesichter in Großaufnahme zeigt. Ein Haufen Einzelschicksale. Leute kommen und gehen in diesem Film und bleiben trotzdem in Erinnerung. Und das Wagenrennen! Es steht dem aus den 50ern in gar nichts nach, auch hier gibt es zerberstende Wägen, grauenvolle Unfälle und ein rasantes Tempo mit gelungenen Kamerafahrten. Wenn Messala jedoch stürzt, hält die Kamera nicht voll drauf und zeigt, wie er zertrampelt wird, sondern schwenkt im entscheidenden Moment schnell weg und zeigt das Geschehen von weit weg, wo mehrere Wagen kollidieren, was meiner Meinung nach eine noch größere Wirkung hat, weil sich der Unfall im Kopf abspielt und noch grausiger dadurch wirkt. Kurzum, ein toller Film, der sich nicht vor dem 59er Film zu verstecken braucht. Die DVDs stecken in einem Digipack, das wiederum in einem superschönen Schuber mit Prägedruck befindet. Auch der goldene Schriftzug auf der Seite der Box ist ein Prägedruck, macht sich sehr schön im Regal. KAUFEN!!!
NACHTRAG am 21.6.2010: ich ziehe der Box jetzt einen Stern ab. Aus zwei Gründen: zum einen blättert das Cover nach einer Weile von den DVDs ab, und zwar ganz von alleine! Und nicht nur bei mir, auch bei Freunden, die diese DVDs gekauft, und noch gar nicht abgespielt haben. Und, was noch schwerwiegender ist: die Halterungen für die DVDs verdienen ihren Namen nicht, denn sie halten überhaupt nichts. Die DVDs sitzen völlig locker, und fliegen einem beim Öffnen der Hülle entgegen.