Zuckerwatte, Paradiesäpfel, gebrannte Mandeln, Gummibärchen, Teilchen mit Zuckerguss, dazu zwei Flaschen Cola. Na? Schon Zahn- oder Bauchschmerzen bei dem Gedanken an so viel süßes Zeug? Recht so. Denn dann ist man auch in der Lage, sich Ben Kwellers drittes Album richtig vorzustellen. "Ben Kweller" heißt es schlicht und einfach - und es ist einfach überzuckert.
Dabei sind es noch nicht mal die Texte, die dieses Ziehen im Kiefer und im Bauch verursachen. Es ist die Musik. Hier eine fröhliche Klaviermelodie, da eine paar schöne Gitarrenakkorde, darüber Gesangsmelodien, die so süß sind, dass sie weh tun. Im Frühling mag man darüber hinweg sehen, wenn alles sprießt und blüht. Genau wie man den ganzen Zucker zur Weihnachtszeit ertragen kann. Aber übermäßiger Konsum des Albums verursacht Diabetes.
Das hört sich negativer an, als es wirklich ist. Wenn man Lust auf nette, meist etwas belanglosen Singer/Songwriter-Folk-Pop hat, dann ist "Ben Kweller" genau das richtige. Jemand, der mit Ben Folds musiziert hat, kann ja schließlich kein schlechter Mensch sein. Und ein paar musikalische Perlen findet man auch ohne Weiteres. "Nothing happened" beispielsweise, das auch ein paar Moll-Akkorde einfließen lässt. Die Single "Sundress" mit seiner wunderschönen kleinen Gitarren- und Klaviermelodie im Hintergrund. In "Penny on the train track" nervt zwar doch dieses klebrige Klavier, dafür hat der Song einen tollen Aufbau. Und "Red eye" ist zwar die meiste Zeit nur eine gute Ballade, doch wenn Kweller zum ersten Mal bei 2:12 mit seiner Stimme hoch geht, im Hintergrund eine Country-Gitarre das noch unterstützt - das ist der beste Moment auf dem Album. Textlich sollte man noch "Thirteen" hervorheben, eine der schönsten Liebeslieder der letzten Zeit.