Judah Ben-Hur, ist jüdischer Kaufmann im Jerusalem. Als Judahs römischer Freund aus Kindertagen, Messala, nach Jerusalem zurückkehrt ist Messala Offizier der römischen Besatzer und verhält sich auch so. Als der neue römische Stadthalter Pilatus seinen Dienst in der Stadt antritt, kommt es zu einem folgenschweren Unfall. Ein lockerer Ziegelstein löst sich vom Dach des Hauses der Familie Hur und verletzt den römischen Stadthalter. Die Soldaten unter Befehl Messalas stürmen das Haus Judahs, nehmen die Bewohner gefangen und konfiszieren das Hab und Gut der Familie. Judah wird zur Lebenslangen Strafe als Galeerensklave verurteilt, nur sein Streben nach Vergeltung lässt ihn überleben.
Es ist verständlich, dass man in einer Fernsehproduktion lieber die Finger von den religiösen Aspekten der Geschichte lässt und sich auf die Abenteueraspekte beschränkt. Das Risiko die religiösen Aspekte zu verhunzen, ist einfach zu groß, schon der erste kurze Auftritt von Jesus ist eher peinlich, er wirkt wie ein verrückter Obdachloser. Wenn man bedenkt wie es gelungen ist, sogar den Abenteueraspekt zu verpfuschen, ist es wirklich besser, dass die religiösen Aspekte außen vor gelassen wurden, das hätte sicherlich einige Gefühle verletzt, vor allem in Amerika, wo man da noch mal deutlich strenger ist.
Die Reihenfolge der Ereignisse wurde teilweise massiv verändert und ganze Handlungsstränge gestrichen bzw. entfremdet.
Im Buch entzweien sich Messala und Judah in der berühmten Gartenszene gleich nach Rückkehr des römischen Freundes. Messalla ist im Buch kein unehelicher Sohn und lebt auch nicht jahrelang bei Familie Hur. Gerade diese Änderung, dass die beiden Jungen zusammen aufwuchsen, macht die Feindschaft zwischen Judah und Messalla vollkommen unverständlich. Ben Hur ist im Buch noch ein Teenager als er verurteilt wird. Er lernt den im Rollstuhl sitzenden Simonides und Esther erst einige Jahre (11 Jahre?) später in Antiochia kennen und diese helfen ihm die Truppen aufzubauen, die den Messias schützen sollen. In dieser Verfilmung wird Simonides gleich zu Anfang aus der Geschichte eingeführt und Judah ist Mitte 20 als die Ereignisse ihren Lauf nehmen.
Im Buch adoptiert Arrius Judah sofort nach der Rettung und dieser lebt als Sohn eines Römers und vervollkommnet so seine Ausbildung, in dieser Verfilmung wird er zu Arrius Leibwächter.
Marcellus Agrippas Hure Athene klingt schwer nach einer Russin.
Ilderim und Judah sind im Buch Freunde, verbunden durch die Bekanntschaft mit Simonides und Balthasar.
Das Wagenrennen wird im Film nicht in der Arena sondern in der Wüste ausgetragen und findet im Buch in Antiochia und nicht in Jerusalem statt.
Messala stirbt im Buch nicht, sondern ist nur für den Rest seines Lebens gelähmt und sinnt weiter auf Rache und gewinnt Iras, Balthasars Tochter für seine Pläne.
Personen wurden ausgetauscht (aus Gratus wurde Pilatus, der Gratus im Buch erst gegen Ende ablöst, Judahs Vater heißt Ithamar und nicht Benjamin) oder neu erfunden/hinzugefügt (Athene, Macellus Agrippa, Tiberius, David) oder gestrichen (Amrah, Balthasar, Iras). Es gab im Buch definitiv keinerlei sinnlose Beischlaf- oder Gladiatorenkampfszenen. Dafür würde die komplette Intrige, Judah um sein Vermögen zu bringen, gestrichen.
Die pseudo-philosophischen Dialoge sind teils einfach nur platt und peinlich.
Die Animationen wirken billig und es ist extrem auffällig, dass hier Animationen eingesetzt wurden.
Die Kostüme sind alles andere als historisch korrekt. Der Faltenwurf der Togen ist unelegant und peinlich und so wirken sie wie übergeworfene Bettlaken, dabei legten die Römer vor allem auf den eleganten Faltenwurf großen Wert. Ganz abgesehen davon, dass sie zu der Zeit, zu der die Geschichte spielt, anders getragen wurden.
Diese Miniserie wirkt wie die pseudohistorischen Fantasyserien Hercules oder Xena, gibt sich aber mit Anlehnung an den Klassiker von Wallace einen intellektuellen Anstrich. Ein Grund für diesen Eindruck ist auch der Ethnopop Soundtrack, der schwer nach Xena und Hercules klingt.
Die Erzählweise ist teiweise deratig episodenhaft, dass man der Handlung, ohne das Buch zu kennen, nur schwer folgen kann oder viele Szenen nicht versteht. Woher haben Mutter und Schwester Lepra? Wo waren sie so lange? Warum sind sie plötzlich geheilt?
Hierbei handelt es sich sicherlich nicht um eine Verfilmung des Buches. Ich bezweifle, dass die Macher das Buch überhaupt gelesen haben. Wahrscheinlich kennen diese nur den Film mit Charlton Heston, zumindest wirkt es so. Hier wurde die Chance verpasst, mit neuester Technik eine Buchgetreue Umsetzung zu schaffen, und sich von den früheren Verfilmungen (Stummfilm 1907, Stummfilm 1929 mit Ramon Navarro, 1959 mit Charlton Heston) abzuheben.
Der Film ist jetzt nicht so schlecht, dass man sich fremdschämen müsste. Die Schauspieler sind nicht schlecht, die Kulissen für eine Fernsehproduktion OK, der Film ist soweit unterhaltsam. Dennoch ist er definitiv keine Umsetzung des Klassikers von Lewis Wallace, er hat mit diesem nur wenige Episoden gemein und die Handlung wurde teilsweise derartig verfremdet, dass man es kaum noch als Verfilmung ansehen kann.