"Big in Berlin" beschreibt wohl am besten das Phänomen Ben Hamilton. Mit seinen 210 Zentimetern überragt der Oxforder mit adliger-aber-verarmter Abstammung das was momentan aus der Hauptstadt an die Oberfläche der Neuerscheinungen gespült wird nicht nur in Sachen Körpermaß. Denn sein namenstitelnder Erstling verspricht Großes: Dreizehn Stücke aus eigener Feder, die so zeitlos daherkommen, daß man sie beinahe nicht zuzuordnen weiß. Basierend auf seinen Singer-Songwriter-Wurzeln mischt der Engländer seinen Stücken überraschende Loops und Elektrosplitter unter - und kreiert damit immer wieder die feinsinnigsten Stilbrüche.
Das aber wäre lange nicht so eindrucksvoll, wäre da nicht seine Stimme, die so einzigartig vereint, was eigentlich nicht zusammen gehört: das Raue mit dem Feinen und das Tiefe mit dem Leichten. Und genauso klingt auch seine Musik: sein poppig-leichter Opener "Sparrow's Blues" hat schon längst die hörbaren Radiostationen erobert und auch "Bells" hat das Zeug zum Indie-Hit. Mit "Human" hat Ben Hamilton noch eine alternativ massentaugliche Ballade in petto: "Forgive me if I hesitate/ I'm Human/ I'm Human". Die Worte verbinden in ihrer reduzierten Form die Botschaft des Dargebrachten mit den Vorzügen eines Ohrwurm-Refrains - na und so was gelingt nicht jedem. Wenn aber einer in quasi jeder freien Minute an den Versatzstücken seiner Musik bastelt, dann darf es das auch.
Das Einzigartige dieses Debüts erklärt sich selbstredend aus der Biographie des Wahl-Berliners: Die Kindheit verbrachte er im Umfeld der 70er Kult-Band "Traffic", seine Jugend teils in der Landschaftsidylle der Toskana, teils in der Strenge eines englischen Elite-Internats. Durch Sydney, Lissabon und Florenz spielte sich der Einzelgänger als Straßenmusiker und landete schließlich in der Elektro-Szene Berlins.
And here he is. Mit seinem ersten Album, von dessen Cover er schaut wie Paul Auster von einem rätselhaften Buchrücken. Und auch Ben Hamiltons Musik begleitet immer ein Hauch von Dunkelheit, Melancholie und Mysterium bei seiner Suche nach Antworten. Und am Ende bleibt mindestens eine Frage offen: Wie macht der das nur?