Die Musiker und Sänger dieser Live-Aufnahme gehören nicht zur allerersten Garde, bieten aber eine saubere, schöne Leistung und eine harmonische Ensembleleistung, die man gut hören kann und die bei guter Aufnahmetechnik den Vorteil der Live-Atmosphäre hat (Applaus zwischen Szenen wurde nicht rausgeschnitten, ist aber nicht zu störend; ansonsten keine störenden Nebengeräusche).
Das Dirigat ist im ganzen eher ruhig und zurückhaltend. Dadurch nicht allzubeindruckend, aber sauber gespielt und im Dienst der Sache. Die Chöre sind schön gesungen, im Ansatz eher kontrolliert und das Feierliche betonend.
Raul Gimenz ist ein schön singender Elvino, der einen nicht vom Hocker haut, aber seinen Aufgabe gut erfüllt. Er ist liebend, weich und schmeichelnd. Ab und zu mal einen Tick zu sehr, aber wirklich nur einen Tick.
Auch Franceso Ellero d'Argtegna bietet einen ordentlich Rodolfo. Er wird nicht besonders auffällig, macht aber auch nichts falsch und trägt zum harmonischen Gesamteindruck bei.
Die Oper steht und fällt mit der Amina und es das harte Los jeder Sopranistin, dass die Callas in dieser Rolle eine ihrer exzepitonellen Meisterleistungen (was nicht auf alle ihrer Aufnahmen zutrifft) abgeliefert hat, die eine nur schwer zu erreichende Intensität transportiert hat. Luba Orgonasova kann eine solche Innigkeit, Präsenz und Intensität nicht bieten und ihrem Auftritt fehlt die letzte Indvidualität, die der Amina die mögliche Durchschlagskraft gibt. Aber sie singt sauber, sicher und präzise, probiert nichts, was sie nicht kann und bietet eine absolut gute Vorstellung. Der Vorteil dieser etwas weniger präsenten Darbietung ist, dass die Stellung von Amina im Gesamensemble mehr zum Tragen kommt und speziell ihre Liebe zu Elvino natürlicher und realier wird und weniger den Charakter einer ätherischen Entrücktheit. Ein anderer Zugang, der seinen Reiz hat.
Wenn man nur eine Aufnahme der Oper hat, würde ich sie nicht empfehlen, aber als ergänzende Alternative ist sie eine gute Wahl, v.a. wegen der harmonischen Ensemblewirkung.