Ein weiterer wichtiger Meilenstein in Gruberovas Discographie, dem im CD-Regal eines jeden Bel Canto-Liebhabers ein Ehrenplatz gebühren sollte! Edita Gruberovas Glanzpartie macht diese Einspielung zum absoluten 'Must have'. Bereits im ersten Akt läuft die slowakische Jahrhundertsopranistin zur Höchstform auf: Gruberovas 'Oh vieni al tempio' erklingt unvergleichlich hell, weich, klar und dank ihrer mustergültigen Atemtechnik in perfekter Linie. In vollendetem 'messa di voce' baut Gruberova eine musikalisch einzigartige, höchst dramatische Spannung auf. Das exponierte D am Höhepunkt der Arie könnte dabei - als Inbegriff von Elviras Verzweiflung - nicht besser angesungen werden, offenbart dieses D doch in voller Wucht Elviras Schmerz und bleibt - trotz aller Dramatik, Kraft und Emotion - in einem sensationell weit gespannten Legato-Bogen eingebettet, wie ihn niemand zuvor an dieser Stelle auf diese Weise setzen konnte - BRAVISSIMO! Dieser dramatische Höhepunkt des ersten Akts steht der lebensfrohen Polacca ('ah! son vergin vezzosa') gegenüber, welche den Zuhörer vorher dank Gruberovas stimmlicher Beweglichkeit und ihrer brillanten Leichtigkeit im Ausdruck in ihren Bann zieht. Gruberovas immense Farbpalette leuchtet in allen Teilen des Werkes und bringt den Hörer gerade bei chromatischen Passagen (toll: 'Vien, diletto') immer wieder aufs Neue zum Staunen. 'O rendetemi la speme / qui la voce sua soave' im 2. Akt setzt la Gruberova zunächst in klingendstem Pianissimo an, wodurch Elviras Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit plötzlich derart deutlich spürbar wird, dass das Blut in den Adern gefriert, der Atem stockt, das Herz zu rasen beginnt: eine Meisterleistung (sowohl in musikalisch-emotionaler Hinsicht als auch betreffend die stimmtechnische Darbietung), die bis dato schlicht und ergreifend unerreicht war. Die CD bietet noch eine Vielzahl an weiteren Perlen der Kunst des bel canto (zB 'A una fonte afflitto e solo' im 3. Akt) und ist - zumindest was die Interpretation von Elviras Titelrolle betrifft - ein wichtiges Dokument zeitgenössischer Operngeschichte. Eine Leistung der Primadonna der Koleraturen, die weit über unsere Epoche hinausreichen wird und vor der man sich einfach verneigen muss. Edita per sempre!