Leider wird oftmals vergessen das noch eine weitere Studioproduktion von Bellinis Oper vorhanden ist. Und dabei handelt es sich um eine durchaus hörenswerte und sehr interessante Aufnahme. Sicher ist sie nicht konkurrenzlos, denn Caballé und Callas lieferten grandiose Darstellungen, aber dennoch verdient diese Produktion einen Platz an der Spitze. Dies ist speziell Lucia Aliberti zu verdanken, welche den Charakter der Imogene vollständig ausleuchtet und mit ihren herrlichen vokalen Fähigkeiten überzeugt. Ihre Stimme ist leicht und schwebend und vor allem die Koloraturen und Spitzentöne sind bezaubernd gelungen. Besonders schön ist die große Wahnsinnsarie gelungen, welche das Ende der Oper bildet. Aliberti hat hier eine große Darstellung geschaffen und gilt für mich als eine der größten Interpretin dieser Rolle. Stuart Neill hat einen traumhaften Tenor, welcher besonders in den Höhenlagen überzeugt. Seine hohen Noten sitzen perfekt und auch die Koloraturen sind gut gelungen. Auch seine Darstellung ist brilliant. Noch gilt er für viele als Geheimtip, doch spätestens nach dieser Einspielung ist klar, dass er im Belcantofach einen Platz an der Spitze verdient. Roberto Frontali ist ebenfalls brilliant und bringt sowohl darstellerisch als auch sängerisch alle Vorraussetzungen für die Bewältigung der Rolle des Ernesto mit. Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin sind wie gewohnt sehr gut und unter der Leitung von Marcello Viotti, der sich bereits vor vielen Jahren einen Namen im Belcantofach erarbeitet hat, kann dann eigentlich auch nichts mehr schief gehen. Eventuell ist diese Aufnahme eher unbekannt, aber das mindert nicht ihren Wert. Anhören und genießen!