| |||||||||||||||
Produktinformation
|
Bekannt geworden ist Simmons bei uns mit Salzwasser, der stimmungsvoll-dramatischen Geschichte einer jugendlichen Sommerliebe. In Belles Lettres schlägt er ganz andere Töne an. Gemeinsam ist beiden Büchern aber eine gewisse Leichtigkeit. Mühelos schlürft man diese Sätze auf und kennt vor der letzten Seite kein Halten. Romane, die in der Berufswelt spielen, sind ohnehin eher selten. Simmons Innensicht einer Literaturredaktion ist aber mehr als bloß witzig-amüsant. Feinfühlig wird hier das Zwischenmenschliche analysiert und zur Freude des Lesers satirisch veredelt. Auch wenn Icherzähler Frank Page als Figur etwas blass bleibt, erweist er sich doch als essenzielles Mitglied im redaktionellen Mikrokosmos.
Beispielsweise als Ratgeber des Chefredakteurs, als der eine Sekretärin verführt, die im Gegenzug aufbegehrt und selbst Buchkritiken schreiben möchte. Zwischen die Fronten gerät Page allerdings, als ein neuer Chefredakteur die Belegschaft "verschlanken" soll. Das Ganze gipfelt jedoch in einer Lehrstunde zum Thema "Wie wird man einen fiesen Chef wieder los". Schade nur, dass das Lesevergnügen nach 180 Seiten schon wieder vorbei ist. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten(Was ist das?)Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
|
Doch einige Jahre später brennt Winifred mit einem Redakteur der Zeitschrift durch und Aubrey Buckram verkauft an Protean, ein Verlag, der eine ganze Reihe Lifestyle Zeitschriften herausgibt, über Wein, über Theater und jetzt eben auch über Literatur. Belles Lettres wird die auflagenstärkste Literaturzeitschrift. Mrs. Tooling, genannt „Tool", die Frau des Verlegers, hält sich für literaturkundig und mischt sich immer mehr in die Redaktionsgeschäfte ein, der Chefredakteur „Marge" Margin, der sich in schöngeistigen Ansprachen ergeht, kann sie nicht hindern.
Im Gegenteil. Tool will, dass Belles Lettres nicht nur spekuliert, wer den Literaturnobelpreis erhält, sie will, dass die Zeitschrift den Preisträger bestimmt. Als Vorbereitung soll eine Liste mit den besten 25 amerikanischen Autoren erstellt werden. Kein einfaches Unterfangen, den wonach soll die Reihenfolge bestimmt werden? Doch Frank Page, der jüngste Redakteur weiß Rat. Und Tool setzt Newbold Press als neuen Chefredakteur ein, einen Mann, der zwar keine Ahnung von Literatur, dafür aber den richtigen „Biss" hat. Die Redakteure hassen ihn und er macht Frank Page, den Ich-Erzähler zu seinem Stellvertreter.
Dann tauchen auch noch neue, bisher unbekannte Shakespeare Sonette auf und nichts kann Belles Lettres weiteren Aufstieg verhindern. Aber ...
Charles Simmons, lange Jahre selbst Mitarbeiter New York Times Book Review, weiß, wovon er schreibt. Und er hat auch alle Zutaten für einen bösen, bissigen Roman über den Literaturbetrieb. Doch leider fehlt ihm das Wichtigste: Er ist so zynisch wie Enid Blyton, so bissig wie eine zahnlose Bulldogge.
Schon das erste Kapitel, ein Auszug aus einer Examensarbeit über Belles Letters, ist so spannend, so witzig wie ein Bafög-Formular. Niemand verlangt von einer Examensarbeit Witz, aber niemand außer Charles Simmons würde sie in einem Buch abdrucken.
Obendrein ist Ich-Erzähler Frank Page ein Phänomen. Auf alle Fragen weiß er die richtige Antwort, allen Situationen ist er gewachsen, er verbündet sich mit dem neuen Chefredakteur und dennoch macht er sich die Hände nicht schmutzig, sondern sorgt mit dafür, dass Newbold scheitert. Verständlich, dass ein Autor seinem Ich-Erzähler Gutes tun möchte, aber dieser Versuch ist noch immer fehlgeschlagen. Die Figur gewinnt so kein Leben, sondern wird zum Old Shatterhand der Literaturszene.
Und auch die anderen Personen, deren Macken genug Witz böten, gewinnen nur begrenzt Leben, dem Informanten des Verlegers in der Redaktion und dem Dichter, den Newsbold vorstellt, gewährt der Autor nicht einmal einen Namen. Die Intrigen, die er schildert, sind langweilig erzählt und ihr Potential bleibt ungenutzt. Die augenblicklichen Diskussionsbeiträge um den National Book Award für Stephen King und den Booker Prize, mancher Artikel aus Literature, oder die Affaire Reich-Ranitzki ./. Siegrid Löffler bieten weit mehr Witz - auch wenn der unfreiwillig ist.
Ich habe den Eindruck, dass der Autor noch viel zu wenig Abstand zum Literaturmarkt mit all seinen Absurditäten hat, um eine wirklich bösartige Satire schreiben zu können. Und dass er seinem Alter Ego, Frank Page, bei weitem zu unkritisch gegenübersteht. So wurde eine gute Chance leider vertan.
(C) Hans Peter Roentgen
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|