Protagonistin in Luis Bunuels " Belle de jour" ist die schöne Severine,( gespielt von der damals noch sehr jungen Catharine Deneuve). Diese ist mit einem Arzt (Jean Sorel) verheiratet und lebt in gutbürgerlichen Verhältnissen. Pierre, ihr attraktiver Ehemann, kümmert sich rührend um sie, doch Severine weißt ihn kühl ab. Zwischen den beiden kann Erotik offenbar nicht aufkommen, weil Severine nur dann sexuelle Regungen hat, wenn sie erniedrigt wird. Pierre behandelt seine Gattin allerdings eher wie eine Madonna, bzw. wie eine Königin.
Der Film visualisiert zunächst Severins Sexualphantasien, aus denen hervorgeht, dass sie sich danach sehnt, gefesselt und ausgepeitscht zu werden und zwar zunächst von ihrem Ehemann. Pierres bester Freund (Michel Piccoli)ahnt, dass mit Severine etwas nicht stimmt und gibt ihr die Karte von Madame Anais, die ein bordellähnliches Etablissement betreibt. Hier verbringt die kühle Blonde fortan ihre Mittagsstunden.
Madame Anais führt Severine zunächst einem Professor zu, der Kunde bei ihr ist. Dieser allerdings hat eine ähnliche Macke wie Severine. Er möchte als Diener verkleidet von ihr, die nach dessen Wunsch wohl eine Art Domina darstellen soll, geschlagen, getreten und verbal angeherrscht werden.
Severine verlässt entsetzt den Raum, weil sie die geforderte Rolle nicht spielen kann, allerdings keineswegs um einen Psychologen aufzusuchen, sondern stattdessen käuflichen Sex mit einem dicken, hässlichen, chinesischen Kaufmann zu haben.
Der Chinese scheint ihr einen Orgasmus verschafft zu haben,(obszöne Bettszenen gibt es in diesem Film nicht, erwarten Sie bitte keinen Porno) denn man sieht Severine mit gelöstem Lächeln auf dem Bett liegen. Auf dem Bettlacken befindet sich ein Blutfleck. Offenbar hat der Chinese sie defloriert.
Im gleichen Etablissement lernt die Protagonistin einen jungen, sehr rüden Ganoven kennen. Sex mit ihm scheint der gutbürgerlichen jungen Dame mit feinen Manieren augenscheinlich zunächst zu gefallen. Er verfügt über die Brutalität, die sie offenbar reizt. Als Pierres Freund mit Severine im Bordell beischlafen möchte, lehnt sie ab und entzieht sich aus Furcht davor, dass in ihren Kreisen ihr Tun bekannt wird, den Räumen von Madame Anais.
Der Ganove, der Severine sexuell heiß begehrt, spürt sie in ihrer Wohnung auf, fordert die Fortführung des Sexualkontakts und schießt, rasend vor Eifersucht, auf Pierre, der in der Folge blind im Rollstuhl sitzt und von da an liebevoll von Severine gepflegt wird. Die neue Lebensrealität- Severine hat jetzt eine Aufgabe- hat ihr Verlangen nach Erniedrigung beseitigt. Ungeklärt bleibt, welche Ursache dieses masochistische Gebaren hat.
Der 1967 gedrehte Film thematisiert sexuelle Untiefen, sowie die generelle sexuelle Sprachlosigkeit der Menschen jener Zeit, die dadurch Gefahr liefen zu Gefangenen ihrer bedenklichen Obsessionen zu werden. Die filmische Thematisierung dieser Probleme war damals geradezu revolutionär.
Nicht uninteressant gemacht. Ein Zeitdokument, wenn man so will.
Empfehlenswert.