Ein Kudne aka Song X schreibt: "Belladonna" enthält wohl all die Rezepturen, die den Kanadier zu einem so gefragten Produzenten (Peter Gabriel, Emmylou Harris, Neville Brothers,Bob Dylan) werden ließen. Hier türmt keiner Effekte übereinander, die Kunst der Beiläufigkeit wird gepflegt. Es gibt archaische Stimmungen, lyrische Sphären, feine Folk- und Jazzvibrationen, all das mit einer Lässigkeit inszeniert, die nur bei Künstlern vom Format eines Daniel Lanois so viel Tiefgang mit sich führt. Die Musik lockt u.a. in entlegene mexikanische Landschaften,ohne banalen Lokalkolorit. Das hinreißende Stück "The Deadly Nightshade" wirkt wie eine interessante Fortführung der Experimente, die Lanois zu Beginn der 80er Jahre an der Seite von Brian Eno anstellte - das jüngst wiederveröffentlichte "Apollo" avancierte zu einem Meilenstein der Ambient Music. Die Vielfalt dieser weitgehend rein instrumentalen Musik ist berückend, aber trotzdem wird "Belladonna" in all seiner Abseitigkeit und Trendferne keine riesige Hörerschaft finden. Und das ist schade - man muß einfach ein paar Antennen ausfahren, um all die Schwingungen aufzuspüren, die "Belladonna" zu einem so hinreißenden "Reisetagebuch" machen! Als Gäste sind u.a. der Drummer Brian Blade und der Pianist Brad Mehldau dabei. In der Juniausgabe 2005 der Zeitschrift "Jazzthetik" äußerst sich Daniel Lanois ausführlich zu "Belladonna"! Und Bob Dylan erzählt in seinen "Chronicles" einiges über den Mann, der entscheidend mithalf, daß "Oh Mercy"(1982) und "Time Out of Mind" (1997) Klassiker im Dylan-Katalog wurden! Wer bei "Belladonna" auf den Geschmack kommt, der sollte sich auch "Shine" zulegen, Lanois' exquistes Songalbum aus dem Jahre 2003. Diese Musik altert nicht!