Zwei Tage - Mehr Zeit brauchte ich nicht um den dritten Teil aus Stephenie Meyers Mystery-Reihe zu lesen. Im Grunde hätte ich es auch direkt an einem Stück verschlingen können, wenn mein Körper nicht um halb ein Uhr Nachts dringend nach Schlaf geschrien hätte...
"Bis zum Abendrot" ist wirklich gelungen, ich bin echt Fan dieser Reihe geworden! Trotzdem denke ich, kann ich objektiv genug bleiben um auch ein wenig Kritik an den richtigen Stellen zu üben.
Für alle, die noch unentschlossen sind, ob sie sich dieses Buch zulegen sollen oder nicht, versuche ich hiermit eine neutrale Rezension abzugeben:
Bewertung:
Dieses Buch lässt sich zweifellos ganz anders lesen als sein Vorgänger "Bis zur Mittagsstunde".
Es war schon komisch... Ich weiß genau auf welcher Page ich das erste Mal bewusst das Lesen unterbrochen habe, um meinen Augen eine kurze Pause zu gönnen - und zwar auf Seite 268 nach dem Kapitel "Legenden".
Und da war ich gleichermaßen positiv erstaunt, wie aber auch erschrocken...
Erstaunt war ich darüber, wie verdammt schnell das Lesen dieses Mal ging! Während ich mich bei dem letzten Buch an einigen Stellen zwingen musste weiter im Text zu gehen, ging das hier wie von selbst. Es hat unglaublich Spaß gemacht sich in die Geschichte hineinzuversetzen, keine Langeweile kam auf, nichts kam mir als überflüssig oder zu dick aufgetragen vor...
Und dennoch war ich einen Moment später sehr erschrocken, als mir eines bewusst wurde; WO, zum Henker, ist die verfluchte Storyline?! Auf welches Ziel soll dieser Band hinaus laufen?! Gibt es überhaupt ein Ziel?! Es war grotesk... Wie hat Meyer es vollbringen können über 250 Buchseiten vollzuschreiben, die gleichermaßen interessant und amüsant, wie aber auch nichtssagend und somit im Grunde doch überflüssig sind?! Bis zu diesem Zeitpunkt strotzt das Buch eigentlich nur von Hintergrundinformationen - vor allem über die Werwölfe... Was natürlich aufschlussreich, aber dennoch für die Story selber eben nicht von allzu großer Bedeutung ist.
Ob dies nun ein guter oder schlechter Punkt für das Buch ist, kann ich nicht genau beurteilen... Es hat mich persönlich etwas verwirrt. Aber da ich es alles andere als quälend fand zu lesen, verbuche ich diese Sache nicht als Abzug. Ich lasse sie einfach mal als neutrale Aussage im Raum stehen.
Wie die Story dann doch noch ihre Handlung findet und was genau alles passiert, möchte ich jetzt nicht verraten, das wäre unfair. Ich kann nur sagen, es war wieder überaus spannend! Ein toller Show-down ist wie in den beiden Vorläufern auch vertreten - einmalig gut und trotzdem leicht geschrieben, sehr dramatisch und mitreißend!
Ein wenig Kritik muss ich aber nun dennoch hinlegen, was aber nicht direkt die Storyline betrifft...
Was mir nicht gefallen hat, ist die charakterliche Entwicklung von Bella. Sie war schon in den anderen beiden Büchern immer die schutzlose und wehrlose Person... Was ja auch seinen Zweck erfüllt und einfach in die Geschichte rein passt. Aber - man kann es auch übertreiben! Am schlimmsten fand ich diese ständigen Bevormundungen... Auch wenn Bella alles Übel geradezu anzuziehen scheint, ist sie doch noch ein eigenständiger Mensch, der selber Entscheidungen treffen darf und auch SOLL! Sehr nervig war das manchmal und ich hätte mir da ein wenig mehr Wut und Mut von Seiten Bellas gewünscht... Aber nein, sie lässt es lieber über sich ergehen, als mit irgendwem Streit anzufangen...
Dieses Verhalten zieht sich durch das ganze Buch. Wer also im Verlauf auf Besserung hofft, den muss ich leider enttäuschen was diese Sache betrifft.
Was mich ebenfalls ab und an geärgert hat, war Bellas Begriffsstutzigkeit! Sie ist doch eigentlich eine wirklich scharfsinnige Person, aber manchmal dachte ich echt, sie hätte ein Brett vorm Kopf! Und damit meine ich nicht nur eine bestimmte Sache, die den Plot betrifft, sondern auch die Blindheit, die auf der zwischenmenschlichen Beziehung mit Jacob beruht...
Womit ich auch gleich zum nächsten Diskussionspunkt komme, der allerdings KEINE Kritik mehr ist, sondern eher das genaue Gegenteil...
Und zwar möchte ich ein paar Worte loswerden zu dieser Dreiecks-Misere zwischen Bella, Edward und Jacob... So wie es aussieht, bin ich eine der Wenigen, die dass alles NICHT als schlimm und blöd empfindet, im Gegenteil, dieses hin und her der Gefühle war ja wohl so was von spannend, wenn auch gleichermaßen bedrückend...!
Ich war so froh, dass Meyer den Charakter des Jacob nach dem heiklen Ende des zweiten Bandes nicht hat von der Bildfläche verschwinden lassen! Jake bleibt großer Teil der Geschichte - auf hinreißend entzückende, wie auch traurig tragische Weise...
Es hat mich sehr betroffen wie sich die Beziehungsverhältnisse zwischen den Dreien immer weiter zugespitzt haben - ich konnte Bella so gut verstehen und auch sie tat mir unglaublich Leid, selbst wenn sie eigentlich an dem ganzen Hickhack irgendwie am meisten Schuld hat! Die Liebe ist nun mal eine schwere Sache...
Aber auch was sich da zwischen Edward und Jacob entwickelt ist gleichermaßen seltsam bedrückend, wie auch zweifelsfrei einleuchtend!
Super gemacht, ehrlich... Allein für diese Beziehungskiste, die zu gleichen Teilen logisch wie auch fast schmerzhaft emotionsvoll geschildert ist, hätte Stephenie Meyer fünf Sterne plus verdient!
Und das Ende des Buches... Das hat mir dann den Rest gegeben!
Das hat mich wirklich getroffen. Vor allem weil ich beim besten Willen nicht sagen könnte, wie es jetzt weiter geht! Und das macht mich fast krank, ich will nicht, dass es wirklich so fortläuft, wie das Ende des Buches es jetzt vermuten lässt... Ich kann nur hoffen, dass das bloß ein Aufhänger ist um Spannung zu schaffen. Alles andere fände ich einfach nur traurig, auch wenn es in gewisser Weise - aus Jacobs Sicht - nachvollziehbar wäre...
Fazit:
Ich bin glücklich darüber, mit gutem Gewissen sagen zu können, dass "Bis zum Abendrot" wieder besser gelungen ist, als der zweite Band!
Und für alle Kritiker, die es ja so schade und geradezu schrecklich finden, dass Edward hier offensive Konkurrenz von Jacob bekommt, denen lass eines gesagt sein:
Wo lebt ihr denn?! Ich bin froh darüber, dass dieses Buch NICHT vor unzähligen Liebesschwüren zwischen Bella und Edward strotzt und Bella stattdessen eher ins Zweifeln gerät. Mein Gott, sie ist 18, es wäre viel unrealistischer wenn es sich tatsächlich völlig undramatisch zwischen den beiden weiterentwickelt hätte! Und dass man in diesem Band gar nichts mehr von der existenten Liebe zwischen Bella und Edward mitbekommt stimmt einfach nicht! Wer das behauptet, hatte wahrscheinlich die Augen zu beim Lesen...
Wie dem auch sei, mein Fazit für dieses Buch sind 4 Sterne.
Es ist besser als Band zwei, trotzdem kommt es an "Bis zum Morgengrauen" nicht ganz heran...