Da meine Fritz!Box 7270 schon das eine oder andere Mal ein paar Macken zeigt, brauchte ich einen neuen Router. Er sollte nicht so teuer sein, aber einen Drucker unterstützen. Somit fiel meine Wahl auf den Belkin Play, da er ziemlich preiswert ist, Drucker freigeben kann und außerdem noch WLAN-n im 5GHz-Band bietet. Außerdem machte ich mit Belkin in der Vergangenheit schon gute Erfahrungen. Mein Setup sollte keinen Router vor große Probleme stellen - der Internetzugang erfolgt über Kabelmodem, welches einfach per DHCP die IP-Informationen an den Router gibt.
Ein positiver Punkt vorweg: Für Leute mit absolut Null Erfahrung ist der Router im Handumdrehen eingerichtet. Man muss ihn wirklich nur anschließen, Stecker in die Steckdose und eine Internetverbindung über LAN und WLAN ist da. WLAN ist per default auch mit WPA gesichert, wenn auch mit einem etwas kurzen Schlüssel. WiFi Protected Setup beherrscht das Gerät auch. Ins Webinterface muss man nur einmal, um ein Passwort für selbiges festzulegen. Aber auch dies ist kein Akt der Unmöglichkeit.
Über die mitgelieferte und einfach zu bedienende Software kann man auf einen angeschlossenen USB-Stick Medien aufspielen und diese via DLNA für kompatible Geräte (einige Fernseher, PS3, Android-Telefone etc.) freigeben. Dieses habe ich nicht getestet, da ich für die Medien eine iTunes- und Apple-TV-Infrastruktur einsetze.
Die Druckerfreigabe wird über eine USB-over-IP-Lösung bewerkstelligt. Dies hat den Vorteil, dass man wirklich jeden Drucker nutzen kann, der auch direkt am USB-Anschluss funktioniert. Der Nachteil daran ist aber, dass dies nur unter Windows und Mac OS X funktioniert, nicht aber unter Linux. Hier wäre eine Auswahlmöglichkeit schlauer gewesen, ob man USB-over-IP oder IP-Printing nutzen möchte. So funktioniert das z.B. bei der Fritz!Box.
Ein großes Plus für den Belkin ist der gut funktionierende VPN-Passthrough. Man braucht lediglich die Ports 500 und 4500 für TCP und UDP an den Server weiterleiten und schon läuft VPN mit L2TP über IPSec. Bei der Fritz!Box habe ich über den VPN-Passthrough nur PPTP zum laufen bekommen (aber diese hat auch einen eigenen Cisco-kompatiblen VPN-Server).
Allerdings hat dieses Gerät einige sehr unangenehme Macken.
1. Das Passwort im Web-Interface darf nur 12 Zeichen lang sein, es werden beim Festlegen auch nur die ersten 12 Zeichen angenommen, aber der Login-Bildschirm erlaubt mehr, meldet dann jedoch "Falsches Passwort".
2. Der DHCP-Server erlaubt keine "echten" statischen Adressen. Man kann den Lease zwar auf unbefristet stellen, aber wie "unbefristet" dann z.B. ein Heimserver tatsächlich seine IP behält, ist auch nicht gewiss.
3. Portweiterleitungen oder DMZ kann man nur auf dedizierte IP-Adressen definieren. Ändert sich eine per DHCP zugewiesene Adresse, darf man seine Weiterleitungen korrigieren.
4. Die DynDNS-Funktion unterstützt nur dyndns.com. Diese bieten aber keine wirklichen kostenlosen Accounts mehr an. Man muss sich dort für eine 30-tägige Testphase mit Kreditkarte und allem drum und dran registrieren und das gleich wieder kündigen und darf danach einen seiner DynDNS-Hosts weiter kostenlos nutzen. Hier wäre etwas mehr Auswahl wünschenswert.
5., und das ist für mich das KO-Kriterum: Der Router hat arge Probleme mit Apples Bonjour, das Geräte wie iPhone, iPad und Apple TV sehr exzessiv nutzen um mit iTunes zu kommunizieren. Dies führe ich genauer im Detail aus, da die letzten Punkte für Heimanwender wohl nicht so interessant sein dürften.
Mein Apple TV der 1. Generation (Festplatte, 160GB) wurde, nachdem ich dem Rechner, der meine i-Geräte synchronisiert, eine statische IP verpasst hatte, nicht mehr erkannt. Weder per LAN noch per WLAN. Nach einem Neustart des Rechners und Zurückstellen auf DHCP funktionierte der Sync wieder.
Bei iPhone und iPad sah es noch schlimmer aus. Hier kam überhaupt kein WLAN-Sync mehr zustande. Nach mehrmaligem Aktivieren und Deaktivieren des WLAN und An- und Abstecken des USB-Kabels wurden die Geräte zwar erkannt. Jedoch drehte sich nur der Kreis mit den Pfeilen daneben, und nach einigen Minuten kam eine Fehlermeldung der Art "Das iPhone konnte nicht synchronisiert werden, da die Synchronisation nicht gestartet wurde". Im WLAN-Sync-Bildschirm des Geräts selbst kam nur die Meldung "Wird synchronisiert wenn COMPUTER_MIT_ITUNES verfügbar ist". Dabei konnten beide Geräte erfolgreich "gepingt" werden. Beim iPhone gab es noch einen "Sync Abbrechen"-Button und der Sync hing bei Schritt 2 von 4 fest.
Ich werde den Router dennoch behalten, um im Falle eines Totalausfalls meiner Fritz!Box etwas zum überbrücken zu haben, bis ich Ersatz habe. Oder für meine Eltern, um dort den alten Linksys bei einem eventuellen Defekt auszutauschen.
Ich gebe dennoch drei Sterne, da der Router für normale Anwender besonders aufgrund der leichten Konfigurierbarkeit zu empfehlen ist. Wenn man keinen iPod, iPhone, iPad oder Apple TV hat, Drucker nur an Windows-Rechnern oder Macs nutzen und Medien über DLNA freigeben möchte, tut er, was er soll. Außerdem soll es bereits angepasste DD-WRT-Versionen für dieses Gerät geben, die bestimmt auch einige der Macken beheben können. Für Bastler sicherlich auch einen Blick wert. Wenn man aber einige weitere Anforderungen hat (IP-Printing, integrierten VPN-Server, vollständiger Bonjour-Support), dann greift man besser zu einem anderen Modell.