Erwin Mortier Belichtungszeit Suhrkamp
ISBN 351841885
Belichtungszeit ist der Titel der Geschichte, in der es um Erinnerungen an eine ruhige und leicht melancholische Kindheit geht.
Joris erlebt seine Kindheit bei Onkel und Tante.
Der Vater ist früh gestorben, und die Mutter ist nach Spanien gezogen.
Das Dorf Stuyvenberghe, in dem Joris mit der Tante und dem Onkel lebt, ist ein abgelegener kleiner Ort, verträumt und versponnen in seiner ruhigen Lage mit einem Kirchturm, der das Dorf überragt.
Joris geht still und aufmerksam seiner Wege. Viele Freunde hat er nicht, und ein fleißiger Schüler ist er auch nicht. Er liest viel und lebt in dem, was er dabei erfährt.
Mit seinen zehn Jahren ist er ein verschlossener kleiner Kerl.
Die Tante und der Onkel betreiben einen kleinen Laden.
Der Onkel ist ihm gutmütig zugetan. Die Tante macht keine Umstände um sein Dasein.
Er ist gut versorgt, aber sein Seelenleben ist tief in seinem Inneren verschlossen.
Fragen nach Geburt und Tod bewegen ihn; auch denkt er an den Vater, der auf dem kleinen Friedhof begraben liegt.
Die Erzählung verläuft ereignislos. Im Dorf und dem kleinen Haushalt passieren keine aufregenden Dinge.
Ein Wanderzirkus, der eines Tages im Dorf gastiert, bildet schon den glanzvollsten Höhepunkt.
Bei weitem aber geht es hier nicht nur um die Dorfidylle!
Der Vater ist die ferne Gestalt, nach der Joris sucht, weil er seinem Ursprung und seinen ersten Erlebnissen nachforscht. Die Fotos, die Joris in einem Koffer aufbewahrt, sind Augenblicke der Belichtungszeit für ihn.
E.Mortier ist reflektierend und in feiner Spurensuche der Kindheit und Jugend von Joris nachgegangen. Die Atmosphäre dörflicher Verträumtheit und Abgeschiedenheit ist dabei sehr gut eingefangen.
Es fehlt nicht an Assoziationen und wärmenden Erinnerungen, die sich in der Geborgenheit einer liebevollen Ersatzfamilie fand. Dass die Sehnsucht nach der eigentlichen Ursprungsfamilie daneben bestehen blieb, wird in liebevollen Details herausgearbeitet.
Es ist mehr eine Novelle als ein Roman daraus geworden, schön, besinnlich und sehr lesenswert!
Erwin Mortier lebt als freier Schriftsteller in Flandern.