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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Meister der poetologischen Wahrnehmung des Leidens,
Von Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Beleuchtete Höhle: Sanatoriumstagebuch (Bibliothek Suhrkamp) (Gebundene Ausgabe)
Max Blecher wird heute, 70 Jahre nach seinem Tod, weltweit wiederentdeckt. Er hat in seinem kurzen Leben(1909-1938) drei Bücher geschrieben und hinterlassen. Mit seinem ersten Buch "Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit" hat er sich eigentlich in die Weltliteratur hineingeschrieben. Es folgte der sehr gerühmte Sanatoriumsroman "Vernarbte Herzen". Und wie in seinem zweiten Buch liefern auch in seinem dritten Buch "Beleuchtete Höhle", einer Fortschreibung des zweiten Romans, die verschiedenen Stationen der Klinikaufenthalte die Kulissen des Buches. Mit 19 Jahren erfuhr der Autor, dass er hoffnungslos an Knochentuberkulose erkrankt war. Die folgenden Jahre verbrachte er eigentlich nur noch liegend in Sanatorien in der Schweiz und in Frankreich.Heute nennt man ihn in Rumänien den rumänischen Kafka, aber in Wirklichkeit ist er ein ganz originärer Schriftsteller, der diesen Miniatur Zauberberg geschrieben hat, nicht wie Thomas Mann phantasievoll gedichtet, sondern qualvoll am eigen Leibe erlebt. In Augenblicken größten Schmerzes führt er den Leser in die hell erleuchteten Höhlen des kranken Körpers, des kranken Bewusstseins, dabei herrscht in dem Buch durchgehend ein somnambules Klima in dem der Gedanke seine Silhouette verliert. Es gibt eigentlich keine wirkliche Handlung in dem Buch, aber es gibt einzelne Episoden die man lange nicht vergessen wird, in denen sich Realität, Traum und Fiktion auf sehr schmerzvolle Weise mischen und eine finale Auseinandersetzung suchen. Obwohl das Lebensgefühl, dass er da immer wieder zum Ausdruck bringt tatsächlich ein vollkommen zerrüttetes ist, denn vorwiegend liegend sieht er keinen wirklichen Zugang zur Welt, zeichnet er sich dadurch aus, dass er nie wirklich klagt. Er stellt sich in keiner Weise in eine häufig anzutreffende übertrieben gefühlvolle Tradition von Kranken, sondern er beeindruckt nachvollziehbar mit der Schilderung, wie er Schmerz ertragen kann, indem er in ihn einsteigt und sich einen anderen Schmerz zufügt. Er erledigt den Schmerz eigentlich dadurch, dass er ihm eine Sprache gibt und dabei ist er ein wahrer Meister der Wahrnehmung, denn er lokalisiert den Schmerz und schildert das was er dabei subjektiv empfindet und sensibel beobachtet sachlich, präzise, trocken und emotionslos. Er beschreibt auch ein erotisch, sexuelles Fluidum, in dem er in ausdrucksvollen Szenen aufzeigt, dass Krankheit und Wollust, wie häufig in der Literatur anzutreffen, miteinander korrespondieren. Selten habe ich ein Buch gelesen, in dem diese Ambivalenz zwischen einer Krankengeschichte mit Abschiedsstimmung und dem Wunsch nach allein sein, um sich den Gedankengängen über den körperlichen Zerfall ungestört hingeben zu können einerseits und andererseits gleichzeitig der Gier nach Kontakt, wie sie beispielsweise den Liebesszenen, die dann doch eine sehr vitale und lebendige Seite zeigen, vorkommen. Schließlich muss ich aber auch konstatieren dass mich das Buch sehr traurig gemacht hat, denn die Schmerzen, die der doch noch so junge Autor beschreibt, sind grauenhaft. Sein Schicksal und sein Schreiben sind in trauriger Weise sehr eng miteinander verknüpft. Insofern ist es ein sehr schwarzes, emotional tief beeindruckendes in Passagen sehr beklemmendes Buch, dessen Zentralgedanke ja letztlich der der Vergänglichkeit und der Nutzlosigkeit allen Seins ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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