Die Bradt Guide nehmen im englischen Sprachraum gerne für sich in Anspruch, als erste vollkommen neue Zielgebiete für den Individualtourismus zu erschießen. Was den Reiseführer Belarus" betrifft, so wird man diesen Anspruch durchaus anerkennen müssen, denn es existiert in allen mittel- und westeuropäischen Sprachen nur dieser eine Reiseführer für den Individualtourismus in Belarus.
So weit so gut. Aber warum sollte irgendjemand freiwillig in das dunkle Reich von Lukaschenko fahren? Darauf eine hinreichende und überzeugende Antwort zu geben, ist das Hauptverdienst des vorliegenden Reiseführers. Um es geradeheraus zu sagen: Nigel Roberts liebt dieses Land, und seine enthusiastische Darstellung von Brest, Grodna, Minsk und anderen Städten Weißrusslands macht schlichtweg Lust, dieses Land zu besuchen. Mich jedenfalls hat die Begeisterung des Autors für Weißrussland in meinem Plan bestärkt, dieses Land am Rande Europas als Individualtourist zu besuchen.
Ich bin also mit dem Buch im Rucksack kreuz und quer durch Weißrussland gereist und kann am Ende meiner Reise die positive Einschätzung des Autors für Weißrussland hundertprozentig teilen. Reisemotivatorisch war das Buch sein Geld also auf jeden Fall wert - wie aber war es reisetechnisch? Hier kann man insgesamt zufrieden sein, sollte aber auch auf einige Schwachstellen hinweisen. Gerade weil sich der vorliegende Brad Guide in seiner Konzeption bis an die Grenzen des Plagiats an der Gestaltung der Lonely Planet Guides orientiert, muss er auch an diesem Standard gemessen werden. Das Unschlagbare und für jeden Traveller Unverzichtbare an den Lonely Planet Guides besteht gerade in dem Umstand, dass jeder Ort, der in einem Text erwähnt wird, auch nachher auf der Karte exakt lokalisiert und somit auch auffindbar ist. Davon kann in dem vorliegenden Buch nur mit großen Einschränkungen die Rede sein. Ich selbst habe mich in Brest, Grodna, Minsk und anderswo mit den alten Stadtkarten der Lonely Planet Ausgabe Russia, Ukraina und Belarus" von 1998 (!) behelfen müssen, sonst hätte ich mich mehr als einmal verlaufen. Dass auch die Darstellung der Geschichte von Belarus reichlich holzschnittartig und angelesen daherkommt, fällt gegenüber weniger ins Gewicht. So ist dem sympathischen Autor Nigel Roberts für die nächste Ausgabe dringend anzuraten, entweder die Anlehnung an die LP Guides aufzugeben, oder die Stadtkarten erheblich zu präzisieren.