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Belaja gvardija
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am 17. November 2005
"Belaja gwardija"(dt.: "Die weiße Garde") nimmt in gewisser Weise eine Sonderstellung in Bulgakows Gesamtwerk ein: Man liest hier keine Groteske, keine irrwitzige Satire auf den real existierenden Sozialismus, sondern einen historischen Roman -- aber keinen gewöhnlichen historischen Roman. Bulgakow kann auch hier nicht verleugnen, dass er ein Meister des Phantastischen ist.
Die Handlung von "Belaja gwardija" erstreckt sich auf jenen kurzen Zeitraum, in dem sich das Schicksal Kiews und der Ukraine entscheiden sollte: Die Handlung beginnt mit dem Abzug Skoropadskis, des Hetmans von deutschen Gnaden, am 12. Dezember 1918; es folgt das Regiment Petljuras. Dessen Soldateska, die ukrainische Rada, wird schließlich Anfang Februar 1919 von der Roten Armee aus Kiew verjagt (dies nur die historischen Eckpunkte. So klar waren die Verhältnisse beileibe nicht). Außerdem mischen immer wieder deutsche und polnische Militärverbände mit; eine Lage also, wie sie unübersichtlicher kaum sein könnte.
Zudem ist Kiew zu diesem Zeitpunkt ein Zentrum der "Weißen": Adlige, Bankiers, Lebedamen, ehrenhafte und weniger ehrenhafte "Bürger" harren hier aus, fürchten die "Roten" und gehen ihren jeweiligen Interessen nach -- ein wahrer Hexenkessel an Temperamenten und Weltanschauungen brodelt da vor sich hin.
Ins Zentrum der Ereignisse versetzt Bulgakow die zarentreuen Geschwister Turbin, die zunächst in geradezu grotesker Verkennung der Situation den Geist von Borodino aufrechterhalten wollen und die erst allmählich, jeder für sich und jeder auf seine Art, die Lage neu beurteilen. Und auch sonst betont Bulgakow den Unterschied zum siegreichen Jahr 1812: Diesmal gibt es kein einiges Russland, sondern ein Russland, in dem sich stündlich die Machtverhältnisse ändern können, in dem Überläufer zum Regelfall werden, in der unerfahrene junge Kadetten verheizt werden, in dem eine Partei die andere niedermetzelt, auch wenn man tags zuvor noch verbündet war. Keine Zeit für Heldentum.
Wie bereits erwähnt, ist "Belaja gwardija" kein historischer Roman im üblichen Sinne, und schon gar nicht ein Historienschinken. Die Geschichte der Turbins und mit ihnen die Geschichte Kiews wird aus allen möglichen Perspektiven präsentiert. Bulgakow versteht es meisterhaft, den verschiedenen Figuren Leben einzuhauchen, keine einzige wird als Sprachrohr einer typisierten Ideologie missbraucht. Stattdessen taucht man ein in die Erlebnisse und Weltanschauungen der Träumer, der resignierten Denker, der heillosen Idealisten, der Fanatiker und Zyniker... Jede Figur ist unverwechselbar und prägt sich dem Gedächtnis des Lesers ein.
"Belaja gwardija" hat mit "Master und Margarita" nicht viel gemeinsam -- aber eine Gemeinsamkeit gibt es bestimmt: Beide Romane gehören zum Besten, was jemals in den betreffenden Genres geschrieben worden ist.
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