Der Mann, der 1960 trotz Weltrekordzeit die olympische Goldmedaille im 400-m-Lauf um Haaresbreite verpasste, zählte seinerzeit zu den populärsten deutschen Sportlern. Carl Kaufmann reüssierte sogar als Schlagersänger und füllte mit zeittypischen Schlagern wie »Amor läuft mit« oder »Eine Nacht in Taormina« die Konzerthallen. Den Journalisten Michael Dittrich (SWR) und Daniel Merkel (Badische Neueste Nachrichten) gelang ein sehr persönliches Porträt des im vergangenen Jahr verstorbenen Sportlers.
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Carl Kaufmann - ein Mann mit vielen Facetten, sowohl in sportlicher als auch in musikalischer und künstlerischer Hinsicht! Wer das Buch liest wird erkennen, dass "Amor" darin mitgespielt hat. Es ist natürlich ein Stück Leichtathletik-Geschichte, gleichzeitig aber auch ein Stück Familien-Historie; fundiert recherchiert und sehr gut geschrieben. Die Autoren haben viele Anekdoten aus Kaufmanns Leben zusammengetragen, die sich mal spannend, mal amüsant lesen... Wirklich gelungen!
Ein sehr offenes, interessantes Buch. Wer sich für Sport interessiert und nicht gerade der jüngsten Generation angehört, wird sehr viele bekannte Namen wiederfinden. Das Lesen ist sehr kurzweilig, einfach ein gelungenes Buch...
Eigentlich sollte sich dieser Text ausschließlich mit dem Buch von Michael Dittrich und Daniel Merkel beschäftigen, ihrer Kaufmann-Biographie. Doch weil ich dabei war - als jugendlicher Zuschauer - und das Erlebnis im Olympiastadion von Rom immer noch nachschwingt, komme ich erst einmal, vielleicht in allzu epischer Breite, darauf zurück. Den olympischen Endlauf auf der 400-Meter-Strecke. Und Carl Kaufmann, der um Zentimeter daran scheiterte, das gesamte Feld aufzurollen. Einiges von dem, was ich darüber schreibe, steht auch in dem Buch des Autoren-Doppels Dittrich/Merkel. Wenn ich es trotzdem wiederhole, dann wohl deshalb, weil ich mich der Dramatik dieses Ereignisses nach mehr als einem halben Jahrhundert immer noch nicht entziehen kann. Carl Kaufmann hatte zuvor den Vorlauf, den Zwischenlauf und das Halbfinale gewonnen. Drei Läufe in Folge. Die Erwartungshaltung von uns jugendlichen Zuschauern steigerte sich bis zum Siedepunkt. Goldstimmung grassierte, zumal Armin Hary wenige Tage zuvor an gleicher Stelle Gold gewonnen hatte. Was sich mittlerweile mit Schmelings Sieg über Joe Louis anno 1936 vergleichen lässt. Alle glaubten, Carl Kaufmann könne Harys Goldmedaille im kurzen Sprint noch eine zweite hinzufügen. Nämlich die im langen Sprint, über 400 Meter. Doch dazu fehlten ihm, wie erwähnt, an der Ziellinie allenfalls Zentimeter.
Und trotzdem - das gabs nie wieder. Und nie wieder gab es hierzulande einen Viertelmeiler wie Carl Kaufmann. Die nüchternen Fakten über ihn lassen ahnen: Er war eine Legende. Und wer seine gesamtde Geschichte kennt, der weiß: Er war auch ein Tragischer Held. Nicht nur, weil ihm in Rom lediglich "Silber" blieb.... Dabei weckte er in den Vorkämpfen Erwartungen auf "Gold", doch die wertvollste der drei Medaillen fiel an den Amerikaner Otis Davis. Sein Vorsprung auf der Ziellinie, das war nicht mehr als ein Wimpernschlag. Oder um es in einem Längenmaß auszudrücken: nur wenige Zentimeter. Der Erste (Otis Davis) und der Zweite (Carl Kaufmann) absolvierten diesen langen Sprint zeitgleich in 44,9 Sekunden: Weltrekord! Für beide! Einer, der jahrelang hielt, weil von besonders hoher Qualität Dem Finale ging eine sich steigernde Dramaturgie der Vorkämpfe voraus. Die goldenen Tage des deutschen Sprints. Davis und Kaufmann bestritten das dramatischste Finale in der olympischen Geschichte der Viertelmeile.
Als Läufer hatte Carl Kaufmann damit eine grandiose Lebensleistung abgeliefert, danach bot er auf den Laufbahnen der Welt einige wenige Jahre, die er sich nur noch gönnte, lediglich Mittelmaß. Es schien so, als habe der Läufer Carl Kaufmann damit seinen Akku leergelaufen. Vielleicht hatte er ihn selbst ausgebremst, vielleicht plante er, seine Lebenskraft nun voll und ganz auf die zweite Karriere zu fokussieren, auf die des Tenors Carl Kaufmann. Als Sprinter auf der Stadionrunde von Rom wurde er zur Legende, bleibt unvergessen, an die Stimme von Carl Kaufmann, der im Konservatorium das Singen lernte, erinnern sich heute nur noch wenige. Dabei war der Anspruch an sich selbst gewaltig. Wer nach Analogien sucht, der sollte ganz oben auf dem Olymp des Gesangs suchen. Bei Legenden des Genres, bei Caruso etwa, oder Mario Lanza etwa. Auf "Augenhöhe" zu dem olympischen Helden der Viertelmeile, bei Carl Kaufmann. Doch diese zweite Karriere, die des Sängers, fand tragischerweise eben nicht auf den großen Bühnen der Welt statt, der Mailänder Scala etwa oder der New Yorker Met, sondern auf einer Laienbühne in der Peripherie von Karlsruhe, bei den "Käuzen", einer Jugendgruppe. Auch wenn sich die Autoren bemühten, übermäßig viel Positives konnten sie in den Quellen nicht über Carl Kaufmanns Talente als Sänger finden. Sie zitierten einen Zeitzeugen, einen Augen- und Ohrenzeugen, und dies auch nur indirekt, mit der Formulierung, dass Kaufmann ,als Schlagersänger keineswegs völlig vergessen sei'. Erinnerung an eine göttliche Stimme klingt nicht aus diesen Worten. Andererseits: In der Kaufmann-Biographie heißt es an anderer Stelle, Carls Stimme habe zwei Oktaven abgedeckt. Das mag sein, great vibrations vermittelte sie jedenfalls nicht und löste bei seinem Publikum auch nicht den schönen Schauer aus. Kaufmanns Lauf-Bahn im Fokus der Welt endete in Rom, danach folgten noch einige halbherzige Sprints mit mediokren Ergebnissen. Und noch viel weniger auf den Bühnen.
Dittrich/Merkel, die Autoren, bemühten sich zwar den tragischen Verlauf der zweiten Laufbahn von Carl Kaufmann korrekt nachzuzeichnen. Offensichtlich leistete der Kaufmann-Clans Widerstand gegen die Veröffentlichung der "Wahrheit", die sich als Fazit dee Recherchen der beiden Autoren hauskristallisierte. Und die Kernzielgruppe des speziellen Kaufmann-Appeals als Tragischer Held der Laufbahnen, so schön wie ein griechischer Gott und dann als konservatoriumsgeschulter Sänger mit mangelndem Widerhall der Leistung seiner Stimmbänder, befindet sich, sofern sie überlebt hat, in der Mehrheit schon im achten Lebensjahrzehnt. Das heißt, nur wenige haben ihn wirklich erlebt, auf den Laufbahnen der Welt und später auf der Laienbühne der "Käuze".
Der verschlungene Lebensweg des Carl Kaufmann, der sich nach Rom vor allem über Nebenwege bewegte, führte die beiden Autoren an ein elementares Thema des Sports und des Lebens heran, nämlich an die Bipolarität von Triumph und Tragik, wenn sie auch dieses Grundthema auf knapp 200 Seiten nie konkret erwähnen. Wahrscheinlich weil diese Biographie eine Vorgeschichte hat. Eine, die man nur ahnen kann, weil sie sehr viel mit schwierigen Familienverhältnissen zu tun hat und mit der extremen Selbstbezogenheit eines läuferischen Ausnahmetalents. Die Autoren lassen durchblicken: In Carls besten Jahren gab es Liaisonen ohne Ende. Ergebnis eine dieser Liaisonen jenseits seiner beiden Ehen ist eine schöne Amerikanerin, Carls älteste Tochter mit dem für ihren Vater fast schon symbolschweren Namen Cathy Goodspeed. Gezeugt mit einer Jugendfreundin. Carl Kaufmann war nicht nur einer der Schnellsten seiner Zeit, sondern - unbestritten - auch der Schönste. Heute würde man Carl, 1937 geboren in New York, einen notorischen womanizer nennen. Seiner besonderen Anziehung mochte sich auch die damals noch jugendfrisch-knackige Elke Sommer nicht entziehen, und auch nicht Birgit Bergen, eine weitere Hollywood-Schönheit der sechziger Jahre mit deutschen Wurzeln und Gary Cooper auf ihrer amourösen Trophäensammlung. So viel Prominenz auf Carls persönlicher Liebes-Liste nötigt im Nachhinein einen gewissen Respekt ab. Wie erwähnt, ich möchte dieses Buch empfehlen, auch wenn die Autoren Sprünge und Brüche im Text nicht vermeiden konnten. Zu jenen, die ein Buch wie aus einem Guß" verhinderten, gehörten womöglich Carl Kaufmanns fünf Kinder, die, der Verdacht drängt sich auf, wohl ihre Persönlichkeitsrechte schützen wollten.
Die Jahre nach Rom brachten dem Läufer Kaufmann keine Jahrhundertsprints mehr und dem Tenor mit der in einem Konservatorium zurechtgeschliffenen Stimme, keine künstlerischen Höhenflüge. Ende der sechziger Jahre bereits versagten erstmals seine Stimmbänder. Und er brachte sie nie wiedee publikumswirksam zum Klingen. In den siebziger Jahren leitete er, wie erwähnt, die Laienbühne der "Käuze". Bewertet man diese Jahre qualitativ, so driftete Carl trotz des hohen Anspruchs, die sein Leben begleitete, in die Zweit- oder gar Drittklasssigkeit ab. Im Jahr 2008 starb Carl, knapp über siebzig, an einer chronischen Lungenkrankheit. Die deutsche Öffentlichkeit nahm dieses tragische Ende nur mit Verzögerung wahr. Fazit: Kaufmanns Lebens-Lauf verließ allzu schnell den Hochgeschwindigkeitskurs, den er in Rom eingeschlagen hatte.Lesen Sie weiter... ›
... hatte es in der letzten Zeiit meinem Mann angetan. Jahr 1963 - und nicht mehr der Jüngste, hatte er sich für das Leben des Carl Kaufmann interessiert und im Buch sehr viele für sich bekannte Namen in die Erinnerung gebracht bekommen.
So möchte ich euch heute über die Lektüre und unsere Meinung zum Buch berichten.
GLIEDERUNG: ============
Prolog
Vorwort von Dr. Franz Alt
Kapitel 1: Carls schnellster Tag Kapitel 2: Erste Schritte Kapitel 3: Fußballer und Sprinter Kapitel 4: Olympia in rom Kapitel 5. Bewegte Jahre Kapitel 6: Neue Ziele
Epilog Anhang: Titel und Ehrungen Leistungen Carl Kaufmanns Leistungsentwicklung Entwicklung Deutscher Rekord 400 Meter Entwicklung Deutscher Rekord 4 x 400 Meter Entwicklung Europa-Rekord 400 Meter Entwicklung Europa-Rekord 4 x 400 Meter Entwicklung Weltrekord 400 Meter Entwicklung Weltrekord 4 x 400 Meter Amor läuft mit (Liedtext und weitere Schallplatten) Inszenierungen der "Käuze" seit 1967 Quellenverzeichnis Dansagung Die Autoren Fotonachweise
Bildmaterial: ==========
Ungefähr in der Mitte des Buches befinden sich 8 Seiten s/w-Bildmaterial zur sportlichen und künstlerischen Karriere des Carl Kaufmann.
die Autoren:
M. Dittrich ist 1957 geboren und als Sportredakteur beim SWF tätig. Er moderierte ca. 10 Jahre die SWR-Hintergrundsendung "Sport unter der Lupe" und gilt als Spezialist für sporthistorische TV-Dokumentationen zu Olympia, Fußball und Radsport. Er ist Rollstuhlfahrer und bewegt sich selbst noch immer sehr gern....
Daniel Merkel ist 1956 geboren und Sportredakteur bei den Badischen Neuesten Nachrichten in Rastatt. Er war und ist Handballer, joggt aber auch sehr gern und fährt Rad.
Inhalt: =====
Olympia Rom 1960 - Die Goldmedaille in SIcht !!! 400 Meter - und er verpasst die Goldmedaille und die oberste Stufe auf dem Treppchen. Aber nicht nur der Sport, sondern auch seine künstlerische Laufbahn wird beleuchtet.
Rundum wird der Leser auf amüsante und eingängig spannende Art und Weise mit diesem Menschen als Sportler und Mensch konfrontiert. Er ist ein lebensbejahender Mensch, der auch zugibt, dass er die Frauen mag *g*
Sport, Musik und Privatleben dieses Ausnahmeathleten werden rundum beleuchtet. Interessiert man sich für Sport und Leichtathletik, sowie für Biografien im Allgemeinen, dann ist man mit diesem Buch ausnahmslos gut beraten. Die Autoren haben einen lockeren Schreibstil, der aber der Qualität und des komplexen Inhalts keinen Abbruch tut, sondern das Buch sehr flüssig lesen lässt. Man bekommt Carl Kaufmann auf dem Präsentierteller serviert - sehr bildhaft ehrlich und offen.
Es ist kurzweilige und unterhaltsame Lektüre, bei der der Leser rund um den Menschen Kaufmann und seinen Sport sowie seine Mitstreiter alles erfährt, was interessant ist. Sicher, für jüngere Menschen werden die Namen kein Begriff sein, aber ist man in die Jahre gekommen, dann tauchen viele bekannte Namen aus dem Bereich des Sports auf und Erinnerungen werden wach.
kurze Leseprobe: ==============
Sie fragen die ganze Verwandtschaft nach Krediten, bitten auch ihre Eltern in München um Geld, erzählt Monica: "Sie haben extra ein Darlehen für uns aufgenommen. Es gibt einen Schriftwechsel zwischen Carl und meinem Vater, wo es um die Raten geht. Er hat dann monatlich 149 Mark an meinen Papa überweisen." Geld bleibt knapp, Zeit auch. Beide, Monica und Carl, können sich glücklicherweise zu Sportlehrern ausbilden lassen. Er macht an der Technischen Hochschule Karlsruhe sein Sportexamen. Ein zusätzliches Fach wählt er nicht, was sich später als problematisch herausstellt. monica im Blick zurück: "An der Musikhochschule lyrischer Tenor, Kammersängerlaufbahn, aber eben keine Lehrbefähigung für Musik. Ohne zweites Fach, auch deshalb konnte er nicht Beamter werden. Ich habe über den zweiten Bidlungsweg das zweite Fach Textiles Werken nehmen können und bin dadurch Beamtin geworden. Das war mein großes Glück." ...
Sehr schön wird der Werdegang von Carl Kaufmann nachgezeichnet und seine Entwicklung beleuchtet. Alle Hintergründe rund um seinen Sport, aber auch um seine persönliche Entwicklung beruflich und privat gesehen werden erwähnt und seine Weggefährten bekommen auch einen Platz im Buch.
Sehr schön finde ich, dass am Ende die Auflistungen bezüglich der Rekorde angeführt sind, sie runden das komplexe und inhaltlich qualitativ hochwertige Bild des Buches ab.
Die Texte zu seinem Leben sind so geschrieben, dass sie unter die Haut gehen, die Handlung ist sehr dicht und perfekt nachvollziehbar aufgebaut. Man beginnt mit seiner Entwicklung an seinem schnellsten Tag, so wie auch das Kapitel heißt, es war der 6. September 1960. Dann geht man zurück zu seinen Anfängen - dem Start in New York - 25. März 1936 - der Geburt es kleinen Carl. ....
Ich habe es sehr genossen, diese intensive und umfassende Biografie zu lesen. Schön ist es, dass man die Leichtathletik - Geschichte sehr schön mitverfolgen kann. Ein Stück Geschichte, die lebendig wird, weil das Buch sehr lebendig und realitätsnah geschrieben ist.
Es sind dies die zahlreichen Anekdoten aus Kaufmanns Leben, die dieses Buch so kurzweilig und lesenswert machen, die viel aus seinem Leben aufzeigen und den Menschen als liebenswert empfinden lassen. Auch das Zusammenspiel und der Übergang zum musikalischen, was einfach zu Kaufmanns Leben gehört, ist perfekt geschafft worden. Also ein rundum gelungenes Buch.Lesen Sie weiter... ›