Georges Duroy, ein naiver, aber liebenswerter Abenteurer und Taugenichts, kehrt aus der Armee in Marokko ins Paris der Jahrhundertwende zurück ohne Geld oder Plan. Durch seinen Charme, sein untrügerliches Glück und seinen Freund Forestier kommt er bei der Zeitung Vie Française unter; dummerweise versteht Duroy aber weder von der Politik noch vom Journalismus etwas, vom Schreiben ganz zu schweigen! Da entpuppt sich Forestiers Frau Madeleine als hervorragende Journalistin und Stilistin, nimmt den armen Tropf unter ihre Fittiche und diktiert dem verblüfften Duroy seine Artikel, scheinbar ganz ohne Hintergedanken. Mit Hilfe seines Ghostwriters steigt Duroy in die bessere Gesellschaft auf, wird Chefredakteur und heiratet sogar Madeleine, die Frau seine Freundes und Vorgängers. Die hat mit Duroy aber ganz andere Pläne, ist sie doch die Geliebte des ambitionierten Abgeordneten Laroche...
Wem die Geschichte bekannt vorkommt das Lustspiel Bel Ami ist frei nach Guy de Maupassants Roman inszeniert, sehr frei sogar! Ist das Werk des Schriftstellers beissend ironisch, ja zynisch und trostlos und ist der Antiheld dort ein skrupelloser Aufsteiger, hat der Willi Forst Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in Personalunion! die Geschichte und vor allem den Helden umgemodelt:
Sein Duroy ist, wie die Figur am Wendepunkt der Story selbst erkennen muss, ein bisschen dumm, aber lernfähig und höchst anständig. Der wegen seines Charmes von den Frauen betitelte Bel Ami beginnt die Machenschaften der sogenannten besseren Kreise die Vermengung von Politik, Presse und öffentlicher Meinung, die alle von den Privatinteressen weniger gesteuert werden zu durchschauen und wehrt sich am Ende geschickt, Instrument eines gerissenen Plans zu werden: Die Gesellschaftskritik, die die vorherrschenden Strukturen, enttarnt, wird in eine wunderbare Wiener Komödie verpackt, in der sich Geliebte und Ehefrauen schon mal prügeln, im Interesse der Sache fröhlich gelügt und geschmeichelt wird, und in der Frauen (allen voran die wunderbare Olga Tschechowa als Ghostwriterin und Intrigantin Madelaine) ganz offen das Sagen haben!
Abgerundet wird das Filmvergnügen von Theo Mackebens schönem Ohrenwurm "Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami", gesungen von der hinreissenden Lizzi Waldmüller. Endlich gibt es Bel Ami auf DVD! Hätte Willi Forst nur mehr solche Filme gemacht!