Paris, in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts. Maupassant schildert in einer schnörkellosen, geradlinigen Erzählweise, wie Georges Duroy, ein eher mittelmäßiger ehemaliger Unteroffizier, sich nach anfänglichen Hilfsdiensten bei einer Zeitung Schritt für Schritt auf der Karriereleiter eines Journalisten hocharbeitet. Das klingt nicht sehr aufregend, wären da nicht die Mittel, denen er sich dabei bedient, in moralischer Hinsicht höchst zweifelhafte. Die Schilderung seiner unverschämten Tricks und Winkelzüge, mit denen er versucht, vorwärtszukommen, machen den eigentlichen Reiz der Erzählung aus, die Maupassant übrigens nie langweilig oder langatmig gerät. Man liest und ist einfach immer wieder sprachlos angesichts der Unverfrorenheit des Protagonisten. - Interessant ist auch, daß Maupassant hier das Kunststück gelingt, einen Roman über den Verlust an menschlichen Anstand zu schreiben, ohne die Handlungen und Motive seiner Figuren selber wertend zu kommentieren. Die Wertung überläßt er dem Leser, wenn dieser sich der Konsequenzen - sprich: dem menschlichen Scherbenhaufen, den die Handelnden hinterlassen - bewußt wird. Ein großartiger Roman !!!