"Zu sagen: 'Ich weiß es nicht', bedeutet nicht, eine Schwäche oder Unwissenheit zuzugeben, sondern ist ein Akt der Aufrichtigkeit: ein ehrliches Annehmen der Grenzen, die die menschliche Situation mit sich bringt, wenn wir der 'großen Frage von Geburt und Tod gegenüberstehen'. Dieser tiefe Agnostizismus ist mehr als die bloße Weigerung eines konventionellen Agnostizismus, einen Standpunkt zu der Frage einzunehmen, ob Gott existiert oder der Geist den körperlichen Tod überlebt. Er ist die Bereitschaft, die fundamentale Fassungslosigkeit einer endlichen, fehlbaren Kreatur als die Grundlage eines Lebens anzunehmen, das sich nicht länger am oberflächlichen Trost von Gewissheiten festhält."
Worte wie diese machen Stephen Batchelors Buch zu einer Herausforderung für jeden religiös und spirituell geneigten Menschen. Denn es gibt in der eigenen Lebensphilosophie wohl nichts Schmerzhafteres, als sich von alten Glaubenssätzen zu lösen, die vermeintliche Sicherheit versprechen - sei es durch einen Gott, ein Leben nach dem Tod oder eine andere transzendente Wirklichkeit hinter den Dingen. Stephen Batchelor ist genau diesen Weg gegangen: Während seiner Laufbahn zunächst als tibetischer und anschließend als koreanischer Mönch (Zen-Tradition) begann er die Grundlagen des orthodoxen Buddhismus, wie Karma und Wiedergeburt, anzuzweifeln. Über die Jahre folgte daraus eine innere Reduzierung der Lehre des historischen Buddha und eine eigene Interpretation dessen Lebens aufgrund des Pali-Kanons, den Batchelor eingehend studiert hat.
Beides beschreibt Batchelor auf sehr unterhaltsame Weise: 1. Seinen Weg vom Mönch zum Laien und die damit verbundene innere Wandlung und 2. die Geschichte und Lehre des Siddhatta Gotama, wie Batchelor sie sieht und sich über die Zeit erarbeitet hat. Nie hat man dabei den Eindruck, Batchelor würde seine Version für die einzig wahre und richtige halten. Im Gegenteil betont er die Lückenhaftigkeit und Widersprüchlichkeit der textlichen Grundlagen (Pali-Kanon), spricht von "könnte so gewesen sein" anstatt von "ist so gewesen", und widmet sich vornehmlich dem eigenen Zweifel am orthodoxen Buddhismus, ohne sich dabei im allgemeinen Gültigkeitsanspruch zu verlieren. Spielerisch wechselt er zwischen Siddhatta Gotamas und seinem eigenen Lebensweg umher und hievt den historischen Buddha in eine säkulare Wirklichkeit, die ihn soviel verletzlicher, fehlbarer und menschlicher erscheinen lässt.
"Bekenntnisse eines ungläubigen Buddhisten" ist wertvolle Orientierungshilfe, spannenden Autobiografie und lehrreiches buddhistisches Geschichtsbuch in einem. Es zeigt einen praktikablen Weg für jene auf, die den spirituellen Boden unter den Füßen verloren haben und sich in einer vermeintlich kalten Wirklichkeit wiederfinden, in der es weder einen Schöpfergott, noch Wiedergeburt, noch Jenseits gibt. Für alle anderen, weniger Gebeutelte, ist "Bekenntnisse eines ungläubigen Buddhisten" einfach ein unterhaltsames und inspirerendes Buch, das Lust am Zweifeln macht.