Dieses Buch ist ein melancholischer Abgesang auf eine Epoche, die spätestens mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs verschwunden ist. Es ist aber durchaus nicht unwahrscheinlich, daß der Leser gar nicht merkt wie traurig Marais Erinnerungen sind, denn der Autor erzählt mit viel Charme und feinsinnigem Humor von seiner Kindheit im Ungarn der K.u.K.-Monarchie und von seinem Leben als Bohemien in Westeuropa.
Marai schildert viele skurile Personen und Begebenheiten, die den Leser schmunzeln lassen und streift mit liebenswürdiger Nonchalance dabei Themen, die eigentlich nicht erheiternd sind. So schreibt er darüber, wie schlecht man die Dienstboten behandelte, die sich deshalb dem Trunk ergaben und daraufhin entlassen wurden; er portraitiert den Anführer seiner Kinder-Bande, der arm und lungenkrank war und eines Tages verschwand und er verschweigt auch nicht seine eigene Alkohol-und Tablettensucht.
Warmherzig beschreibt Marai das Leben in Budapest, Leipzig, Weimar, Frankfurt, Berlin, Paris, Florenz und London in den ersten dreißig Jahren des letzten Jahrhunderts, so daß der Leser unwillkürlich von Sehnsucht nach der "guten alten Zeit" ergriffen wird. Das Buch endet mit einer anrührenden Hommage an Marais Vater.
Diese liebens-und lesenswerten Erinnerungen sollte sich kein Literaturliebhaber entgehen lassen.