So geistreich und auf literarisch höchstem Niveau seinen Werdegang in einer Epoche des Umbruchs zu schildern, wie Marai es in seinen Erinnerungen ' "Bekenntnisse eines Bürgers"' vorgelegt hat, kann nur begnadeten Schriftstellern vom Rang eines Canetti, Proust oder eben Marai auf diese überzeugende und spannende Art gelingen. Marai analysiert die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen aus der Perspektive eines jungen, lebenshungrigen Schriftstellers und Journalisten. Er nimmt die Politik, Gesellschaftsethik, Wirtschaft und Weltwirtschaftskrise (seine Analyse der Ursachen der Krise ist absolut treffend und heute wieder besonders aktuell), die Kunst und Literatur, das Leben an sich in Europa unter die Lupe und vor dem geistigen Auge des Lesers entsteht ein komplexes Bild dieser turbulenten Periode, wie man es in keinem Geschichtsbuch finden kann. Marai erzählt mit Witz und tiefer Humanität über seine Berliner, Pariser, Londoner, Wiener und Budapester Zeit, über seine zahlreichen Begegnungen und Beobachtungen, Freundschaften und Liebschaften, Höheflüge und Tiefs, und der Leser kann das Buch erst aus der Hand legen, wenn er mit Bedauern die letzte Seite fertig gelesen hat. Ein in jeder Hinsicht hervorragendes Buch!