Leicht ist "Felix Krull" nicht nur dem Gewicht nach im Vergleich zu anderen Thomas Mann Büchern. Auch inhaltlich ist die Geschichte weitaus weniger sperrig als beispielsweise Manns Dr Faustus oder der Zauberberg. Das muss auch so sein, denn der Protagonist des Romans, Felix Krull, führt ein leichtes Leben. Nicht von Natur aus. Seine Familie verarmt, das verwöhnte und von Dienern umgebene Bürgerssöhnchen muss plötzlich selbst Liftboy und Kellner werden - man könnte meinen, es handle sich um einen Stoff für eine Tragödie. Weit gefehlt! Felix Krull ist ein Schelm vergleichbar mit Simplicissimus, Don Quichote oder demTaugenichts. Sein Optimismus, seine Selbstüberzeugung und seine lebensbejaende Haltung sind nicht zu brechen. Der Roman ist ein Buch, bei dessen Lesen man sich immer wieder an der eigenen Nase nimmt. Natürlich will man nicht steheln und betrügen wie Krull, aber ein wenig von seiner optimistischen und immer mit dem Blick nach vorne gerichteten Lebenseinstellung zu borgen, könnte wohl kaum jemandem schaden. Das Leben ist ein Spiel, in dem man gewinnt und verliert. Schön, dass Thomas Mann sich am Ende seines Lebens zu einer solchen Aussage durchringen konnte. Die Sprache Thomas Manns lässt nichts zu wünschen übrig. Möchten Deutschschüler Stil lernen, so sollten sie Thomas Mann "lernen". Kompliziert sind manche Sätze schon, durch die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Inhalts wird das aber selbst für Leute, die nicht so gerne konstruierte Sätze lesen, mehr als kompensiert. Einfach lesenswert! Bloß noch eins: Wer nicht schon im Vorhinein weiß, dass dieser Roman durch Thomas Manns Tod unterbrochen wurde und daher nicht vollendet ist, wird am Ende eine bittere Enttäuschung erleben. Zu sehr ist man plötzlich mitten aus dem Leben des Helden gerissen. Aber so ist das Schicksal nunmal. Und immerhin lässt das die Chance, selber weiterzuträumen. Taugenichtse und andere Schelme tun das nämlich!