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Beitragen statt tauschen: Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software
 
 

Beitragen statt tauschen: Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software (Broschiert)

von Christian Siefkes (Autor), Benni Bärmann (Übersetzer), Stefan Meretz (Übersetzer), Martin Siefkes (Übersetzer)
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 16,00 Kostenlose Lieferung. Siehe Details.
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Produktinformation

  • Broschiert: 167 Seiten
  • Verlag: Ag Spak; Auflage: 1 (12. Mai 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 393083099X
  • ISBN-13: 978-3930830992
  • Originaltitel: From Exchange to Contributions
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 14,6 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 523.947 in Bücher (Die Bestseller Bücher)
  • Komplettes Inhaltsverzeichnis ansehen

Produktbeschreibungen

jedermensch, September 2008

Von uns hängt die Zukunft ab.

Es ist einfach erstaunlich, das Buch von Christian Siefkes („Beitragen statt tauschen“, erschienen in AG SPAK Bücher, 2008, aber auch unter Creativ Common Lizenz »CC-BY-SA« im Internet). Er entwirft, aufgrund seiner Erfahrung als Programmierer in Open Source- und Free Software-Projekten seine Peer-Ökonomie als eine Alternative Ökonomie zum marktförmigen Kapitalismus und zur Planwirtschaft. „Beitragen statt tauschen“ (so der Titel des Buches) geht von einer völlig neu orientierten Wirtschaftsweise aus: Auf Grund von Bedürfnissen nach bestimmten Produkten (oder Dienstleistungen) bilden Menschen eine Assoziation, um diese Dinge gemeinsam herzustellen und zu verteilen. Nicht der Markt und nicht das Geld (als Tauschmittel) spielen eine Rolle, sondern das Bedürfnis, die Fähigkeiten und der Spaß an der Sache. Der Spaß ist deshalb gewährleistet, weil das Prinzip auf Freiwilligkeit und Kooperation beruht. Die Menschen tun diese Dinge, weil sie es wollen. Da ist die Bedürfnisorientiertheit auf den einfachsten Nenner gebracht. Nun kennen wir alle die Müllabfuhr, die keiner erledigen will. Mit der Selbstverständlichkeit eines erfolgreichen Programmierers nennt Siefkes drei Möglichkeiten diese notwendige Arbeit zu gewährleisten. 1. überlegt man sich, ob man diese Aufgabe nicht wegautomatisieren kann. Wenn dies nicht möglich sein sollte, dann werden 2. diese Aufgaben so aufgeteilt, dass nur ein kleiner Teil für jeden übrig bleibt und wenn das nicht hilft, werden diese Aufgaben versteigert, so dass ein Tag Müllabfuhr vielleicht drei Wochen Programmieren entspricht und schwups hat man fast drei Wochen Muse. Gearbeitet wird nicht für Profit und Verschwendung, sondern nur soviel wie die Bedürfnisse verlangen, also hat der Tag Müllabfuhr tatsächlich drei Wochen minus einem Tag Freizeit zur Folge. Die kann man dann nutzen wie man will. Allein hier werden schon die faszinierenden Bestandteile sichtbar: Arbeit als Spass, bedürfnisorientiert, keine Verschwendung, Freizeit. Auch fasziniert Siefkes durch seine selbstverständliche Offenheit: die Menschen werden es sich so einrichten, wie sie es brauchen. Klugheit, Spass und Engagement werden Lösungen vorbringen, die gefallen. Dabei werden Entscheidungen fallen, die entweder vom Leader eines Projektes (dank seiner Fähigkeit) oder der Führungsgruppe gefällt werden, oder eben demokratisch, dadurch, dass Menschen aus Projekten fernbleiben und neue, eigene Projekte entstehen. Auch für die Nutzung (statt Eigentum) gibt es vielfältige, den jeweiligen Produkten angepasste Verteilungssysteme: Flatrates (zum Beispiel im Gesundheitswesen), Produktversteigerungen oder durch Beiträge dem Produktionsaufwand entsprechend. Das Ganze basiert auf dem gemeinschaftlichen Eigentum der benötigten Güter. Während es mit bites relativ einfach ist, die hardware den Entwicklern gehört oder in Assoziationen geteilt wird, wird es bei der materiellen Produktion dann etwas schwieriger. Doch wir begegnen hier wieder einem alten Bekannten: dem Fabricator, einer pc-gesteuerten Herstellungsmaschine, wie sie heute schon für Prototypen genutzt wird. Frithjof Bergmann hat ihn schon bei seinen Gedanken zu einer „Neuen Arbeit“ entdeckt und angeführt. Siefkes steht dieser Wundermaschine skeptisch gegenüber, aber er gibt der technischen Entwicklung jede Möglichkeit, die wir heute (noch) nicht erkennen können. Modulare Produkte, dezentrale Produktionsprozesse, rapid manufactoring sind Stichworte für die Veränderung der Produktion und damit der Energieversorgung und der Transporte. Durch lokale oder regionale Versorgung mit Energie und auch etwa durch Fahrzeug-Pools werden sich die Verhältnisse auf eine materielle Produktion in einer Peer-Produktion einstimmen. Diese Projektideen überträgt er auf „die“ Gesellschaft: lokale Projekte bilden regionale und überregionale, je nachdem wie groß die Aufgaben sind. Da nicht jeder Mensch in jeder Produktassoziation mitmachen kann sind Verteilungspools mit Aufwands- und Produktversteigerungen eine logische Folgerung. Dies trägt dann weiter bis zu Verteilungspools für Ressourcen, wobei erneuerbare Ressourcen von vornherein im Vorteil sind. Schöne Ideen, was aber ist mit ihrer Verwirklichung. Auch hier hat Siefkes überzeugende Argumentationen: „All das ist möglich, aber wird es auch Wirklichkeit werden? Das ist eine Frage, die nicht ernsthaft beantwortet werden kann, da sie Ereignisse betrifft, die noch nicht geschehen sind. Die Zukunft ist nicht vorhersagbar. Aber ein Blick auf Vergangenheit und Gegenwart kann Anzeichen liefern – und es gibt positive Anzeichen. Ein Indiz ist, dass die Formeln, mit denen der Kapitalismus als Lösung aller Probleme propagiert wird, von Tag zu Tag hohler klingen. Immer mehr Menschen sind von materieller Verelendung betroffen; die Schere zwischen reichen und armen Menschen und reichen und armen Ländern öffnet sich immer weiter; das Gefühl vieler Menschen, außen vor zu bleiben, nimmt zu, was Hass und Fanatismus oder Resignation und Hoffnungslosigkeit befördert; Stärke und Häufigkeit von Umweltkatastrophen verschlimmern sich. Die meisten Menschen haben wahrscheinlich noch nicht verstanden, dass der Kapitalismus die tiefere Ursache dieser Probleme ist, aber immer mehr Menschen glauben auch nicht mehr ernsthaft daran, dass er sie lösen könnte. Noch zögern viele, sich diese Tatsache einzugestehen (oder sie gar offen auszusprechen), da sie keine besseren Alternativen kennen – und eine unbegründete Hoffnung scheint immer noch besser als Hoffnungslosigkeit. Aber sobald klar wird, dass es eine Alternative gibt, besteht kein Grund mehr, in dieser Selbsttäuschung zu verharren.“ Von uns hängt eben die Zukunft ab. Siefkes Buch gibt dazu eine Fülle von Anregungen, aber lesen Sie das lieber selber. Dieter Koschek

Christian Siefkes, Beitragen statt tauschen Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software AG SPAK Bücher, 2008, – 2008 – 168 Seiten – 16 d.k.



Kurzbeschreibung

In den letzten Jahrzehnten ist eine neue Produktionsweise entstanden, die auf Kooperation und Teilen beruht. Diese Produktionsweise hat ausgereifte Betriebssysteme wie GNU/Linux sowie unzählige andere Freie Softwareprogramme hervorgebracht. Auch riesige Wissenssysteme wie die Wikipedia, eine große Bewegung Freier Kultur, und die sogenannte Blogosphäre – ein neues, dezentralisiertes Medium für die Verbreitung und Diskussion von Nachrichten und Wissen – sind auf ihrer Grundlage entstanden. Bislang wird diese neue Produktionsweise – Peer-Produktion genannt – allerdings nur bei Informationsgütern praktiziert. In diesem Buch wird die Frage diskutiert, ob diese Beschränkung notwendig ist oder ob das Potential der Peer-Produktion weiter reicht. Ist eine Gesellschaft möglich, in der Peer-Produktion die dominierende Produktionsweise ist? Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, wo die Bedürfnisse – nicht der Profit bestimmen – was und wie produziert wird? Wo es keinen Bedarf gibt, irgendetwas zu verkaufen, und somit auch keine Arbeitslosigkeit? Wo Konkurrenz eher ein Spiel ist als ein Kampf ums Überleben? Wo es keinen Unterschied mehr zwischen Menschen mit und Menschen ohne Kapital gibt? Eine Gesellschaft, die keine Knappheit braucht und in der es dumm wäre, Ideen und Wissen geheim zu halten, statt sie zu teilen? Antworten finden sich in diesem Buch.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die Peer-Ökonomie - eine neue Art des Wirtschaftens, 12. August 2008
Dieses Buch entwirft ein Wirtschaftsmodell, das ein Alternative zum Kapitalismus und zur Planwirtschaft ist. Statt auf dem Tausch (wie der heute dominierende Kapitalismus) basiert die Wirtschaftsform der "Peer-Ökonomie" auf Beiträgen der Beteiligten. Ziel des Wirtschaftens ist nicht die Erzeugung von Profit, sondern die Befriedigung von Bedürfnissen - woraus sich eine weitere wichtige Veränderung ergibt: Arbeitslosigkeit gibt es in diesem Wirtschaftssystem nicht - der Begriff macht nicht einmal mehr Sinn, höchstens zur Bezeichnung des erfreulichen Zustands, wenn die erforderliche Arbeit getan ist!

So verblüffend es klingt: Das hier beschriebene Modell ist keine Utopie, sondern existiert bereits in vielen Formen in der Praxis (allerdings bislang vor allem in der nicht-materiellen Produktion) und wächst immer schneller. Dazu gehört zunächst die Freie Software - der Autor kommt offenbar aus dieser Szene - und andere Formen der freien Kooperation im Internet (etwa die Wikipedia). Siefkes zeigt, wie man diese Produktionsweise auch auf materielle Produktion erweitern kann. Das ist im Prinzip die Hauptleistung des Buchs.

Das Buch ist klar und verständlich geschrieben. Nach den einfachen Einleitungskapiteln (1 bis 3) wird es allerdings recht technisch. Ich fand es hilfreich, erst mal in Kapitel 6 den Vergleich mit den beiden Wirtschaftsmodellen zu lesen, die das 20. Jh. bestimmten: Kapitalismus und Planwirtschaft. Ganz schön frech, wie hier die Schwächen der beiden Systeme in wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht und erläutert wird, wie die Peer-Ökonomie sie vermeidet! Dabei wird erst wirklich klar, warum es sich tatsächlich um eine dritte Wirtschaftsweise handelt - und nicht nur um eine neue Form der Planwirtschaft (wie z.B. die Parecon).

In der heutigen Diskussion über Alternativen zum Kapitalismus ist Siefkes' Buch ein Befreiungsschlag. Es geht in seiner Reichweite gleich mehrere Schritte weiter als bisherige Modelle, und durchdenkt das alles wirklich bis zu Ende. Dabei bleibt das Modell erstaunlich offen, statt der so häufig anzutreffenden theoretisch überlegten Maximalforderungen ("wenn die Entscheidungen nicht demokratisch getroffen werden, bringt alles nichts" etc.) wird es hier den einzelnen Projekten selbst überlassen, wie sie sich organisieren, genau wie es bisher in der Freien Software oder der Freien Kultur-Szene auch schon ist.

Zu kritisieren ist an dem Buch vielleicht, dass es so viele Ideen und Informationen auf so engem Raum konzentriert: ein wenig ausführlicher hätte man das alles erklären können. Wenn man sorgfältig liest, versteht man aber auch so, wie's gemeint ist, und es gibt immer Beispiele, die das Material anschaulich machen.

Fazit: Trotz seiner Kürze ein sehr inhaltsreiches Buch! Selbst wenn die Diskussion über alternative Wirtschaftsformen damit sicher noch lange nicht abgeschlossen ist, wird in den nächsten Jahren wohl niemand, der in diesem Bereich forscht oder experimentiert, an diesem Buch vorbeikommen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Privateigentum nein danke. Argumente für das Gemeineigentum, 26. Oktober 2009
Der selbstbewusste intellektuelle Anhänger der Marktwirtschaft muss heutzutage nichts mehr beschönigen. Die Marktwirtschaft darf wieder Kapitalismus genannt werden und in regelmäßigen Fernsehberichten und drastisch bebilderten Zeitschriftenartikeln wird - von Kinderarmut über woorking poor bis zur Altersarmut - das ganze marktwirtschaftliche Elend der Bevölkerung selbst in den reichsten Industriestaaten als Schattenseite des erfolgreichen Wirtschaftssystems besprochen. In einem ist man sich nämlich sehr sicher: »Ein schlüssiges Gegenkonzept zum Kapitalismus gibt es nicht« oder wie es im »Spiegel« abgeklärt ausgedrückt wird: »Das Grundproblem des Kapitalismus: Es gibt in Wahrheit und Wirklichkeit kein anderes System.« Mit einem - »Ja, leider ...« - nimmt man so dem Kritiker den Wind aus den Segeln und verweist ihn auf den Realismus.

Schön, dass es da Christian Siefkes Buch »Beitragen statt tauschen« gibt! Ausgehend von erfolgreichen Projekten im IT-Sektor (Wikipedia, Linux etc.) wird systematisch aufgezeigt, dass es natürlich möglich ist, auf der Grundlage des gesellschaftlichen Eigentums an Produktionsmitteln die individuelle Bedürfnisbefriedigung zum Zweck zu erheben, statt auf der Grundlage des Privateigentums an Produktionsmitteln den Zweck der individuellen Bereicherung gelten zu lassen. Die Fragestellung, wie sich der Entscheidungsprozess bezüglich der zu produzierenden Güter und Dienstleistungen ohne Privateigentum und Markt organisieren lässt, wie sichergestellt werden kann, dass in einer auf Gemeineigentum basierenden Gesellschaftsform die notwendigen Aufgaben erledigt werden und wie im Hinblick auf die Aufteilung der Produktionsergebnisse eine zufriedenstellende Kopplung zwischen Nehmen und Geben erreicht werden kann, werden hier umfassend analysiert und beantwortet.

Dass eine ernsthafte Befassung mit der Frage nach der Alternative zum Kapitalismus die Einigkeit über die Kritik am Kapitalismus voraussetzt, ist Siefkes offensichtlich bewusst. Mit der Gegenübergestellung verschiedenster Aspekte des Lebens in einer gemeingüterbasierten Wirtschaft mit der marktwirtschaftlichen Wirklichkeit macht er eines deutlich: Der Kapitalismus ist nicht reformierbar. Die Entscheidung steht an, ob auf der Grundlage des Privateigentums an Produktionsmitteln das Geld die Welt regieren soll oder in einer Kooperation unter Gleichen der Zweck der Bedürfnisbefriedigung.

Wer nach der Lektüre von »Beitragen statt tauschen« zwar vom Realismus einer Alternative zum Kapitalismus überzeugt ist, aber noch nicht von der Notwendigkeit ihn abzuschaffen, dem seien in Ergänzung folgende Bücher empfohlen: Michael Heinrich,Kritik der politischen Ökonomie: Eine Einführung sowie Hermann Lueer,Warum verhungern täglich 100.000 Menschen?

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