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Beitragen statt tauschen: Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software [Broschiert]

Christian Siefkes , Benni Bärmann , Stefan Meretz , Martin Siefkes
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 16,00 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

12. Mai 2008
In den letzten Jahrzehnten ist eine neue Produktionsweise entstanden, die auf Kooperation und Teilen beruht. Diese Produktionsweise hat ausgereifte Betriebssysteme wie GNU/Linux sowie unzählige andere Freie Softwareprogramme hervorgebracht. Auch riesige Wissenssysteme wie die Wikipedia, eine große Bewegung Freier Kultur, und die sogenannte Blogosphäre – ein neues, dezentralisiertes Medium für die Verbreitung und Diskussion von Nachrichten und Wissen – sind auf ihrer Grundlage entstanden. Bislang wird diese neue Produktionsweise – Peer-Produktion genannt – allerdings nur bei Informationsgütern praktiziert. In diesem Buch wird die Frage diskutiert, ob diese Beschränkung notwendig ist oder ob das Potential der Peer-Produktion weiter reicht. Ist eine Gesellschaft möglich, in der Peer-Produktion die dominierende Produktionsweise ist? Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, wo die Bedürfnisse – nicht der Profit bestimmen – was und wie produziert wird? Wo es keinen Bedarf gibt, irgendetwas zu verkaufen, und somit auch keine Arbeitslosigkeit? Wo Konkurrenz eher ein Spiel ist als ein Kampf ums Überleben? Wo es keinen Unterschied mehr zwischen Menschen mit und Menschen ohne Kapital gibt? Eine Gesellschaft, die keine Knappheit braucht und in der es dumm wäre, Ideen und Wissen geheim zu halten, statt sie zu teilen? Antworten finden sich in diesem Buch.

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Produktinformation

  • Broschiert: 167 Seiten
  • Verlag: Ag Spak; Auflage: 1., Aufl. (12. Mai 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 393083099X
  • ISBN-13: 978-3930830992
  • Originaltitel: From Exchange to Contributions
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 14,6 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 923.220 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Von uns hängt die Zukunft ab.

Es ist einfach erstaunlich, das Buch von Christian Siefkes („Beitragen statt tauschen“, erschienen in AG SPAK Bücher, 2008, aber auch unter Creativ Common Lizenz »CC-BY-SA« im Internet). Er entwirft, aufgrund seiner Erfahrung als Programmierer in Open Source- und Free Software-Projekten seine Peer-Ökonomie als eine Alternative Ökonomie zum marktförmigen Kapitalismus und zur Planwirtschaft. „Beitragen statt tauschen“ (so der Titel des Buches) geht von einer völlig neu orientierten Wirtschaftsweise aus: Auf Grund von Bedürfnissen nach bestimmten Produkten (oder Dienstleistungen) bilden Menschen eine Assoziation, um diese Dinge gemeinsam herzustellen und zu verteilen. Nicht der Markt und nicht das Geld (als Tauschmittel) spielen eine Rolle, sondern das Bedürfnis, die Fähigkeiten und der Spaß an der Sache. Der Spaß ist deshalb gewährleistet, weil das Prinzip auf Freiwilligkeit und Kooperation beruht. Die Menschen tun diese Dinge, weil sie es wollen. Da ist die Bedürfnisorientiertheit auf den einfachsten Nenner gebracht. Nun kennen wir alle die Müllabfuhr, die keiner erledigen will. Mit der Selbstverständlichkeit eines erfolgreichen Programmierers nennt Siefkes drei Möglichkeiten diese notwendige Arbeit zu gewährleisten. 1. überlegt man sich, ob man diese Aufgabe nicht wegautomatisieren kann. Wenn dies nicht möglich sein sollte, dann werden 2. diese Aufgaben so aufgeteilt, dass nur ein kleiner Teil für jeden übrig bleibt und wenn das nicht hilft, werden diese Aufgaben versteigert, so dass ein Tag Müllabfuhr vielleicht drei Wochen Programmieren entspricht und schwups hat man fast drei Wochen Muse. Gearbeitet wird nicht für Profit und Verschwendung, sondern nur soviel wie die Bedürfnisse verlangen, also hat der Tag Müllabfuhr tatsächlich drei Wochen minus einem Tag Freizeit zur Folge. Die kann man dann nutzen wie man will. Allein hier werden schon die faszinierenden Bestandteile sichtbar: Arbeit als Spass, bedürfnisorientiert, keine Verschwendung, Freizeit. Auch fasziniert Siefkes durch seine selbstverständliche Offenheit: die Menschen werden es sich so einrichten, wie sie es brauchen. Klugheit, Spass und Engagement werden Lösungen vorbringen, die gefallen. Dabei werden Entscheidungen fallen, die entweder vom Leader eines Projektes (dank seiner Fähigkeit) oder der Führungsgruppe gefällt werden, oder eben demokratisch, dadurch, dass Menschen aus Projekten fernbleiben und neue, eigene Projekte entstehen. Auch für die Nutzung (statt Eigentum) gibt es vielfältige, den jeweiligen Produkten angepasste Verteilungssysteme: Flatrates (zum Beispiel im Gesundheitswesen), Produktversteigerungen oder durch Beiträge dem Produktionsaufwand entsprechend. Das Ganze basiert auf dem gemeinschaftlichen Eigentum der benötigten Güter. Während es mit bites relativ einfach ist, die hardware den Entwicklern gehört oder in Assoziationen geteilt wird, wird es bei der materiellen Produktion dann etwas schwieriger. Doch wir begegnen hier wieder einem alten Bekannten: dem Fabricator, einer pc-gesteuerten Herstellungsmaschine, wie sie heute schon für Prototypen genutzt wird. Frithjof Bergmann hat ihn schon bei seinen Gedanken zu einer „Neuen Arbeit“ entdeckt und angeführt. Siefkes steht dieser Wundermaschine skeptisch gegenüber, aber er gibt der technischen Entwicklung jede Möglichkeit, die wir heute (noch) nicht erkennen können. Modulare Produkte, dezentrale Produktionsprozesse, rapid manufactoring sind Stichworte für die Veränderung der Produktion und damit der Energieversorgung und der Transporte. Durch lokale oder regionale Versorgung mit Energie und auch etwa durch Fahrzeug-Pools werden sich die Verhältnisse auf eine materielle Produktion in einer Peer-Produktion einstimmen. Diese Projektideen überträgt er auf „die“ Gesellschaft: lokale Projekte bilden regionale und überregionale, je nachdem wie groß die Aufgaben sind. Da nicht jeder Mensch in jeder Produktassoziation mitmachen kann sind Verteilungspools mit Aufwands- und Produktversteigerungen eine logische Folgerung. Dies trägt dann weiter bis zu Verteilungspools für Ressourcen, wobei erneuerbare Ressourcen von vornherein im Vorteil sind. Schöne Ideen, was aber ist mit ihrer Verwirklichung. Auch hier hat Siefkes überzeugende Argumentationen: „All das ist möglich, aber wird es auch Wirklichkeit werden? Das ist eine Frage, die nicht ernsthaft beantwortet werden kann, da sie Ereignisse betrifft, die noch nicht geschehen sind. Die Zukunft ist nicht vorhersagbar. Aber ein Blick auf Vergangenheit und Gegenwart kann Anzeichen liefern – und es gibt positive Anzeichen. Ein Indiz ist, dass die Formeln, mit denen der Kapitalismus als Lösung aller Probleme propagiert wird, von Tag zu Tag hohler klingen. Immer mehr Menschen sind von materieller Verelendung betroffen; die Schere zwischen reichen und armen Menschen und reichen und armen Ländern öffnet sich immer weiter; das Gefühl vieler Menschen, außen vor zu bleiben, nimmt zu, was Hass und Fanatismus oder Resignation und Hoffnungslosigkeit befördert; Stärke und Häufigkeit von Umweltkatastrophen verschlimmern sich. Die meisten Menschen haben wahrscheinlich noch nicht verstanden, dass der Kapitalismus die tiefere Ursache dieser Probleme ist, aber immer mehr Menschen glauben auch nicht mehr ernsthaft daran, dass er sie lösen könnte. Noch zögern viele, sich diese Tatsache einzugestehen (oder sie gar offen auszusprechen), da sie keine besseren Alternativen kennen – und eine unbegründete Hoffnung scheint immer noch besser als Hoffnungslosigkeit. Aber sobald klar wird, dass es eine Alternative gibt, besteht kein Grund mehr, in dieser Selbsttäuschung zu verharren.“ Von uns hängt eben die Zukunft ab. Siefkes Buch gibt dazu eine Fülle von Anregungen, aber lesen Sie das lieber selber. Dieter Koschek

Christian Siefkes, Beitragen statt tauschen Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software AG SPAK Bücher, 2008, – 2008 – 168 Seiten – 16 d.k. -- jedermensch, September 2008

Über den Autor

Dr. Christian Siefkes hat das Freie-Gesellschaft-Wiki1 und den Keimform-Blog2 mitbegründet, zwei Web-Projekte, in denen es um die in diesem Buch behandelten Fragestellungen und verwandte Themen geht. Zu seinen weiteren Beiträgen zur Freie-Software-Community gehören Übersetzungen für das GNU-Projekt3 sowie Arbeiten zur Theorie und Praxis des Spamfilterns, die in freie Spamfilter wie CRM1144 und OSBF-Lua5 eingeflossen sind. Christian Siefkes hat am Institut für Informatik der Freien Universität Berlin promoviert und ist derzeit als freiberuflicher Software-Entwickler und Textmining-Experte tätig. Website: siefkes.net

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5.0 von 5 Sternen Die Peer-Ökonomie - eine neue Art des Wirtschaftens 12. August 2008
Format:Broschiert
Dieses Buch entwirft ein Wirtschaftsmodell, das ein Alternative zum Kapitalismus und zur Planwirtschaft ist. Statt auf dem Tausch (wie der heute dominierende Kapitalismus) basiert die Wirtschaftsform der "Peer-Ökonomie" auf Beiträgen der Beteiligten. Ziel des Wirtschaftens ist nicht die Erzeugung von Profit, sondern die Befriedigung von Bedürfnissen - woraus sich eine weitere wichtige Veränderung ergibt: Arbeitslosigkeit gibt es in diesem Wirtschaftssystem nicht - der Begriff macht nicht einmal mehr Sinn, höchstens zur Bezeichnung des erfreulichen Zustands, wenn die erforderliche Arbeit getan ist!

So verblüffend es klingt: Das hier beschriebene Modell ist keine Utopie, sondern existiert bereits in vielen Formen in der Praxis (allerdings bislang vor allem in der nicht-materiellen Produktion) und wächst immer schneller. Dazu gehört zunächst die Freie Software - der Autor kommt offenbar aus dieser Szene - und andere Formen der freien Kooperation im Internet (etwa die Wikipedia). Siefkes zeigt, wie man diese Produktionsweise auch auf materielle Produktion erweitern kann. Das ist im Prinzip die Hauptleistung des Buchs.

Das Buch ist klar und verständlich geschrieben. Nach den einfachen Einleitungskapiteln (1 bis 3) wird es allerdings recht technisch. Ich fand es hilfreich, erst mal in Kapitel 6 den Vergleich mit den beiden Wirtschaftsmodellen zu lesen, die das 20. Jh. bestimmten: Kapitalismus und Planwirtschaft. Ganz schön frech, wie hier die Schwächen der beiden Systeme in wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht und erläutert wird, wie die Peer-Ökonomie sie vermeidet! Dabei wird erst wirklich klar, warum es sich tatsächlich um eine dritte Wirtschaftsweise handelt - und nicht nur um eine neue Form der Planwirtschaft (wie z.B. die Parecon).

In der heutigen Diskussion über Alternativen zum Kapitalismus ist Siefkes' Buch ein Befreiungsschlag. Es geht in seiner Reichweite gleich mehrere Schritte weiter als bisherige Modelle, und durchdenkt das alles wirklich bis zu Ende. Dabei bleibt das Modell erstaunlich offen, statt der so häufig anzutreffenden theoretisch überlegten Maximalforderungen ("wenn die Entscheidungen nicht demokratisch getroffen werden, bringt alles nichts" etc.) wird es hier den einzelnen Projekten selbst überlassen, wie sie sich organisieren, genau wie es bisher in der Freien Software oder der Freien Kultur-Szene auch schon ist.

Zu kritisieren ist an dem Buch vielleicht, dass es so viele Ideen und Informationen auf so engem Raum konzentriert: ein wenig ausführlicher hätte man das alles erklären können. Wenn man sorgfältig liest, versteht man aber auch so, wie's gemeint ist, und es gibt immer Beispiele, die das Material anschaulich machen.

Fazit: Trotz seiner Kürze ein sehr inhaltsreiches Buch! Selbst wenn die Diskussion über alternative Wirtschaftsformen damit sicher noch lange nicht abgeschlossen ist, wird in den nächsten Jahren wohl niemand, der in diesem Bereich forscht oder experimentiert, an diesem Buch vorbeikommen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Der selbstbewusste intellektuelle Anhänger der Marktwirtschaft muss heutzutage nichts mehr beschönigen. Die Marktwirtschaft darf wieder Kapitalismus genannt werden und in regelmäßigen Fernsehberichten und drastisch bebilderten Zeitschriftenartikeln wird - von Kinderarmut über woorking poor bis zur Altersarmut - das ganze marktwirtschaftliche Elend der Bevölkerung selbst in den reichsten Industriestaaten als Schattenseite des erfolgreichen Wirtschaftssystems besprochen. In einem ist man sich nämlich sehr sicher: »Ein schlüssiges Gegenkonzept zum Kapitalismus gibt es nicht« oder wie es im »Spiegel« abgeklärt ausgedrückt wird: »Das Grundproblem des Kapitalismus: Es gibt in Wahrheit und Wirklichkeit kein anderes System.« Mit einem - »Ja, leider ...« - nimmt man so dem Kritiker den Wind aus den Segeln und verweist ihn auf den Realismus.

Schön, dass es da Christian Siefkes Buch »Beitragen statt tauschen« gibt! Ausgehend von erfolgreichen Projekten im IT-Sektor (Wikipedia, Linux etc.) wird systematisch aufgezeigt, dass es natürlich möglich ist, auf der Grundlage des gesellschaftlichen Eigentums an Produktionsmitteln die individuelle Bedürfnisbefriedigung zum Zweck zu erheben, statt auf der Grundlage des Privateigentums an Produktionsmitteln den Zweck der individuellen Bereicherung gelten zu lassen. Die Fragestellung, wie sich der Entscheidungsprozess bezüglich der zu produzierenden Güter und Dienstleistungen ohne Privateigentum und Markt organisieren lässt, wie sichergestellt werden kann, dass in einer auf Gemeineigentum basierenden Gesellschaftsform die notwendigen Aufgaben erledigt werden und wie im Hinblick auf die Aufteilung der Produktionsergebnisse eine zufriedenstellende Kopplung zwischen Nehmen und Geben erreicht werden kann, werden hier umfassend analysiert und beantwortet.

Dass eine ernsthafte Befassung mit der Frage nach der Alternative zum Kapitalismus die Einigkeit über die Kritik am Kapitalismus voraussetzt, ist Siefkes offensichtlich bewusst. Mit der Gegenübergestellung verschiedenster Aspekte des Lebens in einer gemeingüterbasierten Wirtschaft mit der marktwirtschaftlichen Wirklichkeit macht er eines deutlich: Der Kapitalismus ist nicht reformierbar. Die Entscheidung steht an, ob auf der Grundlage des Privateigentums an Produktionsmitteln das Geld die Welt regieren soll oder in einer Kooperation unter Gleichen der Zweck der Bedürfnisbefriedigung.

Wer nach der Lektüre von »Beitragen statt tauschen« zwar vom Realismus einer Alternative zum Kapitalismus überzeugt ist, aber noch nicht von der Notwendigkeit ihn abzuschaffen, dem seien in Ergänzung folgende Bücher empfohlen: Michael Heinrich,Kritik der politischen Ökonomie: Eine Einführung sowie Hermann Lueer,Warum verhungern täglich 100.000 Menschen?
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4 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unglaubliche Selbst-Täuschung 7. Juni 2010
Format:Broschiert
Da die 'Menschheit' es mehrere Tausend Jahre schaffte, ohne Privateigentum zu existieren, sollte es kein Problem sein zu zeigen, 'dass "es natürlich möglich ist, auf der Grundlage des gesellschaftlichen Eigentums an Produktionsmitteln die individuelle Bedürfnisbefriedigung zum Zweck zu erheben"' (siehe oben). Auf einem anderen Blatt steht allerdings, ob der Autor zeigen kann, wie die "Produktionsweise" der Freien Software auf die materielle Produktion zu erweitern ist und ob der Kapitalismus daher von der Peer-Ökonomie abgelöst werden kann, wie die Reklame verspricht. M. E. gelingt das genau nicht, der Autor täuscht sich und seine LeserInnen mit Scheinbeweisen und Zirkelschlüssen über das zu Beweisende hinweg, indem er im Fall des Falles immer wieder auf die Software Beispiele zurückgreift, um zu zeigen, wie es geht. Bei genauerem Hinsehen lässt sich erkennen, dass er somit immer schon voraussetzt, was er eigentlich erst beweisen will. Einer seiner 'Tricks' besteht darin, bei der Frage nach der Möglichkeit der Realproduktion gleich mit der Tür ins Haus zu fallen und am Beispiel der bekanntermaßen äußerst aufwendigen Autoindustrie zu zeigen, dass es hier nicht ginge, alle Autointeressierten mit Autos zu versorgen, wenn die sich nicht mit 'gewissen Beiträgen' an der Produktion der Autos beteiligen (S. 23f), weil dem Autoprojekt sonst 'früher oder später die benötigten Ressourcen ausgehen' (S. 24) würden. Das scheinbar realistische Zurückrudern täuscht darüber hinweg, dass er reineweg auch nicht in Ansätzen zuvor gezeigt hat und auch im weiteren Verlauf des Buches nicht mehr zeigt, wie eine materielle Produktion neben dem vorhandenen Kapitalismus ÜBERHAUPT möglich sein soll, wenn die Mittel um produzieren zu können so erheblich sind (Produktionsmittel im Sinne von Maschinerie und Anlagen einerseits sowie Vorprodukte die selbst in das Produkt eingehen andererseits und dazu ist ja auch noch die im Projekt zu erbringende Arbeitsleistung nicht zu vergessen). Wo kommen diese Dinge auf dem Stand der vorhandenen kapitalistischen Produktion her, wenn man eine Produktionsweise errichten will, die den vorhandenen Kapitalismus allein aufgrund ihrer größeren Attraktivität ablösen können soll? Im Gegensatz zu den herkömmlichen Revolutionsvorstellungen, sollen hier ja gerade nicht die kapitalistischen Betriebe von den Lohnabhängigen übernommen werden.... Die 2. Täuschung funktioniert über die Einrichtung einer Hierarchie von lokalen über regionalen zu überregionalen Zusammenhängen (etwa Interessen), wobei geflissentlich übersehen wird, dass heute schon relativ unscheinbare Produkte des täglichen Gebrauchs den ganzen Weltmarkt und damit die Weltproduktion voraussetzen. Weder eine Tasse Kaffe ließe sich ohne Weltmarkt trinken noch ein PC zusammen schrauben (wobei das Schrauben selbst natürlich lokal erfolgen könnte aber eben nicht die Produktion der dafür notwendigen Stoffe und Dinge). Eine Produktion die den Kapitalismus ablösen können soll, muss also immer schon auf alle Produkte des Weltmarktes einen Zugriff haben. Wenn die Produkte aber nicht selbst hergestellt werden können, müssen sie gekauft werden. Das heißt aber, es muss eine horrende Menge Geld vorhanden sein, um überhaupt einen Produktionseinstieg zu schaffen, der halbwegs auf dem Stand der aktuellen Produktionstechnik steht. Der Wertersatz steht also als äußerer Zwang damit schon vor der Tür. Ansonsten sind nur einfachste Nischenprodukte denkbar, bei denen unklar bleibt, wie der Abstand zur vorhandenen kapitalistischen Produktion abgebaut werden soll oder kann.
Eine Voraussetzung dieser Selbst-Täuschungen liegt ohne Zweifel schon in der äußerst ungenauen Betrachtung der Funktionsweise Freier Software selbst. Sie ist ja nicht einfach so kostenlos zu bekommen. Die Produzenten können sie nur deshalb kostenfrei abgeben, weil sie ihren Lebensunterhalt und damit ihr Einkommen aus anderen Quellen bestreiten UND weil die dafür notwendigen Produktionsmittel inzwischen Teil der alltäglichen Haushaltsausrüstung sind (PC) UND weil die Kopie der einmal erstellten Software quasi ohne weiteren Aufwand möglich ist. ALLE diese Punkte fallen aber bei der Realproduktion unter den Tisch, daher ist diese BeweisBEHAUPTUNG so TOTAL VERRÜCKT -' da alle diese Punkte ignoriert bzw. als einfach so gegeben angenommen werden. Der funktionierende Kapitalismus selbst ist damit immer schon die Voraussetzung für etwas, was eben nur dem Schein nach so aussieht, als wäre es über diesen hinaus. Der eigentliche Schwerpunkt des Buches liegt dann auf dem technischen Nachweis, dass heute mit Hilfe der EDV vieles einfach zu organisieren geht, was von Hand einigen Aufwand bedeuten würde. Methodisch ist man hier so traditionell wie der alte Sozialismus: Alle Einwände werden als unsinnig diffamiert oder nicht beachtet und ein soziales Problem (zur Erinnerung: das Marxsche Privateigentum ' um dessen Überwindung es immer noch geht - ist keine juristische Größe) wird zu einem technischen degradiert, welches dann in der Tat leicht zu lösen ist. Der Trick über dieses soziale Problem hinweg zu sehen sieht so aus: Zunächst wird die vorhandene, kapitalistische Arbeitsteilung als nicht hinter gehbar gesetzt (S. 23) um im nächsten Schritt auf die Produktion für sich selbst zurück zu fallen und damit die gerade gesetzte Arbeitsteilung zu unterlaufen. Wenn man etwas braucht, sucht man sich Kooperationspartner mit denen man das gebrauchte dann herstellt (S. 21f). Das hier steckende Problem spricht Siefkes zwar an, aber er unternimmt keinen Versuch einer Beantwortung, obwohl er weiß, dass 'die meisten Freien Softwareprogramme weit weniger benutzerfreundlich für die allgemeine Öffentlichkeit sind als proprietäre Programme' (S. 18) Wodurch aber soll hier die notwendige Veränderung angestoßen werden? Unter der Hand wird auch hier wieder einfach etwas vorausgesetzt, was eigentlich zu entwickeln ist: die Gesellschaft als Gemeinschaft im Allgemeinen und die Gemeinschaft zwischen Produzenten und Konsumenten im Besonderen.
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