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Als Angehöriger der SS-Totenkopf-Division verliert Karl-Heinz auf dem Russland-Feldzug zuerst beide Beine, dann das Leben. Durch das trauernde Nicht-Vegessen-Wollen der Mutter und das zornige Nicht-Vergessen-Können des Vaters wird er für den 1940 geborenen Autor zur mythischen Figur, ist "abwesend und doch anwesend". Als Eltern und Schwester nicht mehr leben, kann er endlich auch darüber schreiben.
Mithilfe der Feldpostbriefe und seiner Erinnerung an die Erinnerungen der Eltern nähert er sich dem fremden Bruder. Dessen Kriegsnotizen "verraten weder den Überzeugungstäter noch aufkeimenden Widerstand", deuten nur an, wie Ganz normale Männer allmählich zu Mordmaschinen werden: "75 m raucht Iwan Zigaretten, ein gefundenes Fressen für mein MG." Timm rechnet mit dem Schlimmsten: Meint "Läusejagd" wirklich nur eine hygienische Maßnahme?!
Eigene Erinnerungen rahmen das Suchbild ein: Nazi-Größen müssen 1945 plötzlich die Straße fegen; der Vater stürzt sich, wie seine gekränkte und kranke Generation, in den "lärmenden Wiederaufbau"; die 74-jährige Mutter reist auf den Spuren des Sohnes in die Ukraine. Timm versucht zu urteilen, ohne zu verdammen, und wittert stets "die Gefahr, glättend zu erzählen".
Ebenso behutsam wie schonungslos legt er menschliche Abgründe offen, bringt deutsche Befindlichkeiten in schlichte Sätze, die nachklingen: "Die Erziehung zur Tapferkeit... führte zu einer zivilen Ängstlichkeit." Oder: "Erst wenn etwas zur Sprache kommt, kann sich auch Widerspruch bilden."
Ein Altachtundsechziger rekapituliert am Beispiel seines Bruders Geschichte im Kleinen und Großen, mehr wehmütig als wütend. Wo er das Schreiben als "Notwehr" begreift, hat es dem Älteren irgendwann die Sprache verschlagen: "Hiermit schließe ich mein Tagebuch, da ich es für unsinnig halte, über so grausame Dinge, wie sie manchmal geschehen, Buch zu führen." --Patrick Fischer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Prägungen!,
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Taschenbuch)
Uwe Timm hat gerade sein Erinnerungsbuch an Benno Ohnesorg veröffentlicht, dass mich sehr beeindruckt und begeistert hat. Nun habe ich sein Erinnerungsbuch an den Bruder gelesen,mit dem Uwe Timm bereits vor längerer Zeit eine große Leserschaft erreicht hat. Wer noch keines seiner Bücher gelesen hat, sollte vielleicht mit "Am Beispiel meines Bruders" beginnen, denn auch hier erzählt Uwe Timm sehr persönlich aber immer diskret von seiner Familie und seinen Prägungen! Wer war der "große" Bruder, der 1943 in Russland fiel, nachdem er im Lazarett unmenschliche Qualen erlitten hatte? Wie hat diese Abwesenheit ihn und seine Familie geprägt? Das sind die zentralen Fragen um die sich dieses schmale, gleichsam gewichtige Buch dreht. Uwe Timm erzählt von seinen Eltern, dem Pioniergeist der Nachkriegszeit von dem auch die Timms beseelt sind, die sich eine vielversprechende, aber doch zum Scheitern verurteilte Existenz als Kürschner aufbauen. Uwe versucht, in die Fußstapfen des toten Bruders zu treten, lernt - ungern - ebenfalls das Kürschnerhandwerk. In vielen - manchmal durch Kleinigkeiten ausgelösten - Erinnerungsfragmenten lässt Uwe Timm den Leser an seiner eigenen Geschichte teilhaben, die einzigartig und dennoch repräsentativ ist für diese Generation. Ein schönes, niemals anklagendes Buch, dass allen Beteiligten versucht gerecht zu werden ohne jemals in eine unkritische Verteidigungshaltung zu rutschen! Ein grandios erzähltes und versöhnliches Buch! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine ergreifende Aufarbeitung deutscher Geschichte,
Von
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Taschenbuch)
Uwe Timm ist von seinem ersten Buch an immer schon ein ganz anderer" deutscher Autor gewesen, zeichnen sich seine Bücher durch einen hohen Grad an Authentizität bzw. Realitätsbezug aus. Die Gattung Roman oder Erzählung - auch wenn diese oftmals den Buchdeckel verziert - ist deshalb letztlich nicht immer wirklich passend.Beschrieb Timm in seinem ersten Roman die Zeit der 68er, oder erzählte er später die Geschichte des Hochrads oder der Currywurst, so war dies immer auch ein Stück non-fiktionale" Zeitgeschichte. Immer sauber recherchiert, immer interessant, immer erbaulich. Besonders spannend wird es dann, wenn Timm seine eigene Geschichte erzählt, wie in Heißer Sommer", Rot" oder besonders hervorzuheben Der Freund und der Fremde". Das vorliegende Buch, das ganz bezeichnenderweise ganz ohne Gattungsbegriff auskommt, ist Uwe Timms intimstes Buch. Das Aufarbeiten der Lebensgeschichte seines im Russlandsfeldzug umgekommenen deutlich älteren Bruders Karl-Heinz hat Timm lange vor sich her geschoben. Es hat ihn spürbar viel Überwindung und Kraft gekostet. Dabei ist dieses Buch nur zum Teil seinem Bruder gewidmet. Mindestens ebenso einfühlsam nähert sich Timm seinen anderen verstorbenen Familienmitgliedern an: Dem Vater, der Mutter, der Schwester. Nicht nur wer sich in der systemischen Theorie auskennt weiß, dass die eigene Lebensgeschichte untrennbar von den anderen Familienmitgliedern ist. Wer etwas über sich erfahren will, kann dieses also nur im Spiegel und in der Begegnung mit den anderen. Martin Walser hat in einem gemeinsam mit Günter Grass kürzlich erschienenem Interview gesagt, er, ein Schriftsteller, schreibe immer über das, was ihm fehlt. Uwe Timm hat ein ergreifendes aber keineswegs sentimentales Buch über seine verstorbene Familie geschrieben, über Menschen, die ihm fehlen und formuliert am Ende seines Buches passend einen bemerkenswerten Gedanken: Schreiben ist Notwehr. Fazit: Ein höchst empfehlenswertes Buch für alle, die etwas erfahren wollen über das Subjekt in den Unzeiten des deutschen Faschismus, den Menschen, wie er gelebt, gelacht, geweint oder einfach nur versucht hat zu überleben. Vor dem Hintergrund später Autorenbekenntnisse wie denen eines Günter Grass wirkt dieses kleine und doch ganz große Buch wie eine Entdeckungsreise in das Innere der eigenen Familie mit befreiender Wirkung. Uwe Timm hat sich nachträglich im besten Sinne mit Vater, Mutter, Bruder und Schwester ver-söhnt". Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Typische deutsche Familie Mitte des 20. Jahrhunderts ?,
Von Dr. Matthias Korner "brundisium" (Ratingen, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Gebundene Ausgabe)
Der 19-jährige Karl Heinz Timm aus Hamburg stirbt nach schwerer Kriegsverletzung, die zur Amputation beider Beine führt, 1943 in einem ukrainischen Lazarett. Er hatte sich freiwillig zur Waffen - SS gemeldet und wurde mit einer Eliteeinheit an die Ostfront versetzt. 60 Jahre später spürt sein "kleiner" Bruder diesem viel zu früh erloschenen Leben nach. Eine Feldtagebuch über die Zeit von Februar bis Oktober 1943 wirft viele Fragen auf. Warum ging der Bruder freiwillig zur SS ? Wie hielt er es mit der Verpflichtung zum Töten ? Inwieweit machte er sich schuldig ?Da weder die knappen, sich auf harte Kriegsfakten beschränkenden Tagebucheintragungen noch die Archive über seine Einheit viel hergeben, bleiben die Antworten des Autoren auf diese Fragen lückenhaft. Erst mit Hilfe der Erinnerung an Erzählungen der Eltern und der Schwester gelingt es Uwe Timm, ein Bild des 16 Jahre älteren Bruders entstehen zu lassen. Das Nachdenken über den Bruder läßt den Autor nach Prägungen, Werten und Erziehungszielen in seiner engsten Umgebung fragen. Unleugbar haben familiäre Liebe, Nähe und Respekt unter den Bedingungen des nationalsozialistischen Zivilisationsbruches auch die eigene Biographie beeinflußt. Der gut gewählte Titel des 159 seitigen Buches paßt. Vordergründig geht es um den Bruder. Gleichzeitig ist es ein gelungenes, teilweise auch kritisches Portrait der eigenen Familie, des begabten, wenngleich später doch scheiternden Vaters und der zähen, vom Autor bewunderten Mutter. Es ist auch eine Beschreibung von Menschen in Hamburg und ihr Verhalten in der Nachkriegszeit. Uwe Timm greift in sehr persönlichem Umfeld eine Thematik auf, die er bereits exzellent in seinem früheren Werk "Die Entdeckung der Currywurst" behandelt hat. Ein kluges empfehlenswertes Buch, das viele Menschen bei aller Unterhaltung zu Recht nachdenklich machen wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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