Nachdem die wunderbare BBC uns bereits eindrucksvoll bewiesen hat, dass durch die walisische Hauptstadt Cardiff ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum geht ("Torchwood") und es für Polizisten in Manchester nichts Ungewöhnliches ist, wenn sie nach einem Autounfall in den 1970er Jahren wieder zu sich kommen ("Life on Mars") scheint es nun auch in Bristol nicht ganz mit rechten Dingen zuzugehen.
Denn in Bristol gibt es eine ganz besondere Wohngemeinschaft und sie besteht aus Mitchell, einem Vampir auf Blutentzug, George, einem neurotischem Werwolf und Annie, einem liebenswerten Geist. Die drei Mittzwanziger wollen einfach nur ungestört und normal leben können, eben vollkommen menschlich sein. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn der örtliche Obervampir zum großen Angriff ansetzt, man sein Verhalten bei Vollmond kontrollieren lernen muss und auch noch versucht herauszufinden, warum man eigentlich noch als Geist in dieser Welt gefangen ist, wenn man eigentlich doch im Jenseits sein sollte.
Das Angenehme bei "Being human" ist die Tatsache, dass diese Serie im Vergleich zu amerikanischen Hochglanzproduktionen (ein US-Remake ist angedroht) wunderbar britisch ist. Die Charaktere sind trotz ihrer Übernatürlichkeit irgendwie ganz normale Menschen mit Fehlern und Schwächen (und einem mitunter sehr englischem Sinn für Humor. "What's that?" - "It's a chicken on a string.") und sie leben nicht in irgendeiner Horrorfantasiewelt, sondern im Hier und Jetzt und haben ganz normale Jobs als Polizisten oder Krankenschwestern, gängige Klischees werden gerne auch mal sarkastisch kommentiert. Die Besetzung tut ihr übriges, um das Bild vollkommen menschlicher und dennoch übernatürlicher Wesen zu präsentieren und das im besten Sinne, sind sie doch bei weitem nicht die hochgestylten Hochglanztypen, sondern doch relativ normale Typen, die man so auch im wirlichen Leben antreffen könnte.
Lenora Crichlow ist eine zauberhafte Annie, die ihre Zweifel an ihrer übernatürlichen Existenz und in die eigenen Fähigkeiten glaubhaft im Verlauf der bisherigen 2 Staffeln durchlebt. Manchmal vielleicht zu überschwänglich und übertrieben bleibt sie doch immer absolut liebenswert. Russell Tovey als unglücklicher Werwolf George ist herrlich neurotisch und schüchtern, wobei man ihn manches Mal schon am Kragen rütteln möchte. Aidan Turner dürfte spätestens mit seiner Rolle als Vampir Mitchell zum Liebling aller weiblichen Zuschauer werden, sofern ihm das nicht schon im nicht minder sehenswerten BBC period drama
Desperate Romantics [UK Import]gelungen ist, allerdings ist mit diesem Vampir auf kaltem Drogen-Entzug auch nicht zu spaßen. Jason Watkins als Bösewicht Herrick war sicherlich im Hinblick auf den Piloten die bessere Wahl für diese Rolle und gibt einen Obervampir von der Sorte, wie man sie sonst eher selten in diesem Genre kennt. Sinead Keenan ist eine herrlich kratzbürstige Nina, wobei ich in der zweiten Staffel gerne etwas mehr von ihr gesehen hätte. Amy Manson ("Desperate Romantics") als Daisy und Paul Rhys als Ivan ergänzen das Ensemble in der zweiten Staffel um weitere interessante Rollen.
Humor spielt eine wichtige Rolle, wobei man das der Serie auferlegte Label "drama-comedy" nicht allzu sehr in den Bereich Comedy abdriften lassen sollte, tatsächlich gibt es durchaus berührende Momente und gerade zur zweiten Hälfte der zweiten Staffel wird das Tempo ordentlich angezogen und die Stimmung auch zunehmend düsterer und brutaler.
"Being human" erblickte in Form eines Pilotfilms das Licht der Welt. Da zwischen der Ausstrahlung des Piloten und der Produktion der Serie jedoch einige Zeit verging und es währenddessen zu einigen kreativen Änderungen kam und einige Handlungsstränge verändert wurden, kam es bei einigen Rollen (Mitchell, Annie, Herrick, Lauren) zu Umbesetzungen. Der Pilotfilm ist leider nicht -wie es sich sicherlich bei einer solchen Box angeboten hätte- als Bonus auf den DVDs enthalten. Die Handlung setzt allerdings nahtlos an den Piloten an, ohne, dass man diesen wirklich gesehen haben muss. Das Bonusmaterial ist leider nicht wirklich reichhaltig. So gibt es lediglich einige kurze Setimpressionen und Charakterportraits für Staffel 1 und einige kleine Making-ofs für Staffel 2 (und ein Easter Egg auf der ersten DVD der zweiten Staffel). Es lohnt sich ein Besuch der BBC-Homepage. Der Ton kommt leider nur in Stereo daher, 5.1 wäre schon schön gewesen.
Fazit: Diese WG ist nicht nur übernatürlich, sondern auch zutiefst menschlich und garantiert süchtigmachend. Für alle Fans der etwas mysteriöseren Seite der Insel absolut zu empfehlen. Wem's nicht gefällt, der kann ja weiter "Twilight" gucken...