Es gibt nichts schlimmeres für Eltern, als ihr totkrankes Kind sterben zu sehen. Und genau das wollen die Eltern in Beim Leben meiner Schwester (oder "My Sister`s Keeper", so der Originaltitel) verhindern, indem sie künstlich ein weiteres Kind bekommen, welches als "Ersatzteillager" für ihrer ältere Schwester dienen soll. Das klingt heftig, ist es auch. Aber das ist nicht das Hauptaugenmerk des Films. Hier geht es nicht nur um die Krankheit, sondern auch um den freien Willen, Liebe, Schmerz und Familie.
Der Film ist harter Tobak und bietet mir seinem ruhigen Erzählstil eine packende sowie außergewöhnliche Umsetzung. Wie in der Romanvorlage von Jodi Picoult wird die Geschichte aus der Sicht verschiedener Charaktere gezeigt. Im Roman wird dies durch wechselnde Ich-Erzähler verdeutlicht, im Film sind die Charaktere immmer wieder im Off zu hören, was in dem Ausmaße selten in Filmen vorzufinden ist. Anfangs ist das etwas gewöhnungsbedürftig, nachher stört es aber gar nicht mehr und dient wie im Buch dazu, die Sicht der verschiedenen Charaktere zu erfahren, aber auch zu verstehen. Sowieso ist die Aufmachung sehr interessant, da viel mit Schwarzblenden und Musik gearbeitet wurde, die zum Teil stark im Vordergrund steht (Einfach toll: "Feels Like Home" von Edwina Hayes in der Strand-Szene). Sowieso ist der Score von Aaron Zigman mehr als gelungen und unterstreicht viele Szenen perfekt und macht sie hier und da noch trauriger!
Dachte man beim Trailer vielleicht noch an ein Drama, in welchem es auch heitere Momente gibt, sieht man sich beim fertigen Film mit der Tatsache konfrontiert, dass er von der ersten bis hin zur letzten Minute bitter ernst und verdammt traurig ist. Es gibt viele Szenen, die den Zuschauer das ein oder andere Tränchen ins Auge treiben könnten, aber nicht müssen. Dazu dienen die Off-Stimmen, die Monologe sind wirklich toll und berühren, weiter gibt es Szenen, die wirklich heftig sind (zum Beispiel das Fortschreiten der Krankheut von Kate, sehr realistisch und somit auch authentisch!), Drama pur!
Und genau in diesen Szenen merkt man, dass bei den Schauspielern die richtige Wahl getroffen wurde. Die männliche Fraktion, Alec Baldwin und Jason Patric, stehen zwar im Schatten von Cameron Diaz, Abigail Breslin und Sofia Vassilieva, aber alle machen ihre Sache sehr gut. Oftmals heißt es, Cameron Diaz sei ein schauspielerisches Leichtgewicht, aber sie beweist hier, dass sie es drauf hat. Ein interessanter Charakter, überzeugend gespielt. Abigail Breslin ist sowieso toll, dafür spricht ja auch die Oscarnominierung für "Little Miss Sunshine". Sie ist ein Sonnenschein, kann aber auch fabelhaft schauspielern und hat dies mal wieder eindrucksvoll bewiesen.
ber Sofia Vassilieva liefert eine fantastische Leistung ab. Sie ist erst sechszehn und war bisher fast ausschließlich in der TV-Serie "Medium" zu sehen, eine solche Rolle hätte ich ihr kaum zugetraut. Es ist grausam, ihr zuzusehen, wie der Körper ihrer Charakters immer mehr "verfällt". Man hat zwar Mitleid mit ihrem Charakter, aber nicht aus diesem Grund kann man sie loben - sie spielt wirklich überzeugend!
Der Film weißt viele Parallelen zum Roman auf, es gibt aber auch ein paar Unterschiede. So fällt der nervigste Charakter des Romans einfach mal weg, sehr gut, dieser war sowieso unnötig! Weiter wurde der Bruder bzw. Sohn etwas zahmer in der Filmversion, was auch positiv auffällt, da der Film sonst ziemlich überladen gewirkt hätte. Somit wurden zwei Probleme des Romans einfach ausradiert. Eine weitere Änderrung ist das Ende, ob positiv oder negativ, dass muss jeder Leser des Buches für sich selbst entscheiden!
Fazit:
"Beim Leben meiner Schwester" ist ein ernstes Drama mit packender und brisanter Thematik, welche toll, aber auch überaus dramatisch und bewegend umgesetzt wurde. Die Aufmachung ist außergewöhnlich, die Schauspieler spielen zum Teil fantastisch - ein toller Film!