Das Buch ist alles Mögliche, nur eines nicht: langweilig. Man kann es als zeitgeschichtliche Darstellung Deutschlands aus Sicht griechischer Einwanderer sehen, man kann es auch als Stück Familienchronik einer griechischen Familie sehen. Man kann es aber auch als Beitrag zur Integrationsdebatte betrachten. Oder als alles gleichzeitig.
Für mich selbst spielt das zwar durchaus eine Rolle, aber das Wichtigste ist es noch lange nicht. Flüssig, witzig und traurig geschrieben ist es (überwiegend) die Geschichte eines Mannes, der trotz aller Rückschläge eines nie aufgegeben hat: das positive ebenso wie pragmatische Denken: das Beste aus jeder Situation machen, so schlimm sie auch sein mag.
Und das stärkste von allem: Der Autor beschreibt unverblümt all die Schwächen seines Vaters Christoforos Stefanidis (des "Protagonisten, wenn man so will). Und bei all diesen Schwächen (oder gerade deshalb?) ist Christo ein sympathischer Mensch. Ein Mensch mit einem starken Gefühlsleben, der sich nicht nur für seine Mitmenschen interessiert sondern ihnen auch Mitleid und Trost spendet, wenn sie dies brauchen. Am Ende der Lektüre des Buches steht man aufgewühlt da, und das ganz sicher nicht wegen der zeitgeschichtlichen Ereignisse (so interessant sie auch sein mögen).
Wichtig zu erwähnen wäre auch noch, dass das Buch nicht nur ein Plädoyer für Toleranz sondern vor allem auch für Völkerverständigung ist. Eines weiß ich jedenfalls. Wenn ich das nächste Mal in ein griechisches Restaurant gehe, werde ich das mit ganz anderen Augen tun wie bisher.