Autobiographische Erzählungen eines jungen polnischen Dichters, der von 1943 bis 1945 in Auschwitz und anderen deutschen Konzentrationslagern festgehalten wurde. Zum Teil berichtet der Autor in einem Zynismus und mit einer Kaltschnäuzigkeit, die mir den Atem geraubt hat und die wohl nur dem unmittelbar Betroffenen erlaubt ist (eine Erzählung trägt den Titel: Proszê, Pañstwu, do gazu - Bitte, die Herrschaften, ins Gas); allerdings scheint das der Panzer gewesen zu sein, der es Borowski ermöglichte, das Unglaubliche zumindest eine zeitlang zu verarbeiten. Geschafft hat er es nicht, er brachte sich 1951 im Alter von 29 Jahren um. Seine Geschichten erzählen vom Alltag in Auschwitz, in dem er als Pfleger eine etwas privilegierte Position einnahm, über die Hierarchien im Lager - Kapos, Pfleger, Arbeiter, Muselmane -, den täglichen Kampf ums Überleben, um ein Stück Brot und einen Löffel Suppe und die Brutalitäten der Häftlinge untereinander. Er erzählt über Gefangenentransporte und Auslesen (wer geht gleich ins Gas und wer darf noch ein bißchen leben) und die Gier der Kapos und SS-Männer, sich der Habseligkeiten dieser Menschen zu bemächtigen. Er erzählt über seine Zeit im besetzten Warschau unmittelbar vor seiner Gefangennahme, als in einem Baustofflager arbeitete und seine Verlobte Maria deportiert wurde, als sie zufällig in eine Razzia geriet (Maria war - getrennt von ihm - ebenfalls in Auschwitz, auch sie überlebte, sie trafen sich nach dem Krieg in Warschau wieder, heirateten und bekamen eine Tochter). Er erzählt über die Monate unmittelbar nach dem Krieg, als er in amerikanischen "Camps for displaced people" lebte, in denen die Zustände sich von denen in deutschen Lagern nicht wirklich zu unterscheiden schienen. In Borowskis Erzählungen ist nicht ganz klar, wer der Schuldige ist und wer das Opfer. Er wertet nicht und klagt nicht an. Diese Haltung hat ihn auch in Konflikt mit seinen Landsleuten gebracht. Die Katholiken beschuldigten ihn des Nihilismus, der Dekadenz und der Amoralität. Er wandte sich zwar den Kommunisten zu, die die Welt hübsch in Helden und Verräter, Märtyrer für die gerechte Sache und Klassen- und Staatsfeinde eingeteilt hatten, zerbrach allerdings an den Widersprüchen zwischen dem propagierten neuen Menschen und der stalinistischen Realität.
Die Geschichten Borowskis sind beklemmend und lehrreich zugleich und helfen einem Menschen der heutigen Generation, sich dem damaligen Irrsinn in Grenzen anzunähern. Völlig zu recht wird der Autor immer wieder mit Imre Kertesz in Zusammenhang gebracht, dessen Roman eines Schicksallosen wohl der Höhepunkt der KZ-Literatur ist.