"Wo die wilden Kerle wohnen", eine nur 333 Worte umfassende Bildgeschichte kennt der eine oder andere Leser als Kinderbuchklassiker.Jeder der sich dieses 1963 erschienene Bilderbuch angeschaut, gelesen und geliebt hat,hat sich sicherlich diese kindliche Phantasiewelt ausgemalt. Der Autor dieses Kinderbuches Maurice Sendank, fragte nun einen wohl der besten, virtuosen zeitgenössischen amerikanischen Autoren, Dave Eggers, ob er die Geschichte von Max nicht einmal in einem Roman erzählen wolle. In "Wo die Wilden Kerle wohnen" muss der trotzköpfige Max ohne Abendessen ins Bett. Seine Mutter ruft ihm hinterher. "Wilder Kerl!", "Ich fresse dich auf". In seiner Traumwelt reist der kleine Max dann zu den wilden Kerlen.
Eggers griff die Idee gerne auf, hat die kurze Story im übertragenen Sinne zu einem 267 Seiten dicken "All-Age-Roman" aufgepumpt und so entstand mit "Bei den wilden Kerlen" eine hinreißende, herzzerreißende Geschichte über den jungen Max. Aus dem schmalen wortkargen Buch wurde eine Hommage an Maurice Sendak, mit der er sehr einverstanden gewesen sein soll.
Dave Eggers hat die Story in seinem 240 Seiten langen Roman in die amerikanische Gegenwart rübergespielt. Max, ein achtjähriger Junge versteht sich und die Welt nicht mehr. Seine Eltern leben getrennt. Die Mutter ist nur mit ihrem neuen Lover beschäftigt, die pubertierende Schwester Claire hat auch kein Interesse mehr an ihrem kleinen Bruder. Eines Tages verlässt Max seine Familie, rennt in einen Wald, findet ein kleines Boot, schippert damit aufs offene Meer und kommt nach einem langen Seetörn zu einer Insel auf der die wilden Kerle wohnen. Die übergroßen, unsteten, kapriziösen und im Kern doch liebenswerten Kerle machen Max schon sehr bald zu ihrem König. Die phantastische Robinsonade verändert allmählich Max sein Seelenleben.
Dave Eggers mit Spezialeffekten versehener Roman besticht durch Witz, Herzenswärme, grenzenlose Phantasie und Empathie. Der kongenial von Klaus Timmermann übersetzte Roman bereitet höchstes Lesevergnügen, doch nichts was das Bilderbuch in den Hintergrund drängen würde. Es sind zwei Lesarten voll eigner Wunder und Wunderlichkeiten einer Phantasiewelt Es ist sicher auch ein schönes Weihnachtsgeschenk.