Klaus Briegleb ist ein ausgewiesener Heine-Experte. Von ihm stammt eine der wichtigsten Werk-Ausgaben des Dichters, die zuerst zwischen 1968 und 1976 erschien und seither mehrere Neuauflagen (siehe
Sämtliche Schriften: Gesamtausgabe in 6 Bänden (7 Teilbände)) erfahren hat.
Mit dieser 1997 veröffentlichten Monographie wollte Briegleb einen pointierten Beitrag zum Jubiläumsjahr (200. Geburtstag Heines) leisten und nicht zuletzt der Ansicht entgegentreten, dass sich nunmehr im Verhältnis der Deutschen zu einem ihrer umstrittensten Dichter alles normalisiert habe, dass der exilierte, verfemte und verbrannte Schriftsteller nun wieder fraglos eine Heimat gefunden habe. Briegleb streut ein wenig Sand ins Getriebe der Heine-Feierlichkeiten, in dem er vor allem noch einmal eindringlich ausleuchtet, wie weit die "Schriftstellernöte" des Geburtstagskindes aus dessen jüdischen Wurzeln zu erklären sind.
Eine etwas dissonante Stimme im ansonsten vielleicht zu harmonischen Festkonzert. Dass sie weniger Resonanz hat als ihr zu wünschen wäre, liegt aber auch an einer gewissen Unzugänglichkeit von Brieglebs Schreibweise. Ich halte mich selbst für eine Art Heine-Kenner, der seit den eigenen Studienzeiten etliche Dutzend Bände Sekundärliteratur zu ihm gelesen hat - Briegleb ist für mich jedoch immer wieder grenzwertig. Manchmal meine ich, dass gerade die Herausgeber von Schriftstellern mit einer gewissen Außenseiter-Rolle dazu neigen, selbst in eine ähnliche Randposition zu geraten (und sehe vor allem eine Paralelle zwischen Briegleb und dem Hölderlin-Herausgeber D.E. Sattler). Die eingehende Auseinandersetzung mit dem Gesamtwerk lässt den Wissenschaftler dann seinem Autor näher stehen als dem Publikum, dem er ihn eigentlich näher bringen möchte und verleiht seinen Ausführungen mitunter einen etwas esoterischen Charakter. Was für dieses Buch vielleicht aber nicht uneingeschränkt gilt, denn es ist immerhin später in einem anderen Verlag mit leicht geändertem Titel (
Heinrich Heine, jüdischer Schriftsteller in der Moderne. Bei den Wassern Babels) noch einmal neu veröffentlicht worden.