Dieses Buch sollte eigentlich heißen "Weshalb es so schwer ist Verluste zu begrenzen und Gewinne laufen zu lassen." Es beschäftigt sich mit den psychologischen Aspekten des Anlegers beim Treffen und Durchziehen seiner Entscheidungen und gibt nicht etwa Hinweise um Marktgeschehnisse im Großen (d.h. im Sinne der Massenpsychologie) unter psychologischen Aspekten vorherzusagen oder zu deuten.
Beim Lesen hat man den Eindruck, daß es sich um eine Doktorarbeit oder wissenschaftliche Dissertation handelt. Die Sprache lehnt sich über weite Strecken am Wissenschaftsdeutsch an, was für Normalsterbliche ziemlich anstrengend sein kann. Dafür ist das Buch sehr systematisch aufgebaut, wobei man im Mittelteil, wo die Grundlagen für die Handlungsempfehlungen gelegt werden, geneigt ist, nur querzulesen.
Die Autoren sind für den Psycho-Trainer auf der Web-Seite von Börse-Online zuständig und man sieht, wenn man diesen Test einmal ausprobiert hat, plötzlich die Gründe, weshalb dort welche Fragen gestellt werden. Die Ergebnisse im Schlußteil sind nicht neu, der Wert kann aber darin liegen zu erklären, weshalb es so schwer ist, diese einfachen Weisheiten umzusetzen.
Dieses Büch dürfte -- von der wenig fesselnden Schreibweise abgesehen -- am interessantesten für Börsen-Einsteiger sein, die sich noch keine tief eingegrabenen Anlagegewohnheiten entwickelt haben. Anleger mit mehr Erfahrung brauchen möglicherweise eine kräftig ausgeprägte Fähigkeit zur Selbstkritik da das Buch viele unbewußt eingeschliffene Handlungsmuster kritisiert und man deshalb, wenn man dem Buch recht gibt, die Grundlage seiner bisherigen Handlungsentscheidungen in Frage stellt, d.h. zugeben müßte, daß man seine Entscheidungen irrational getroffen hat.