Meiner Meinung nach verrät der Klappentext viel zu viel, über die Hälfte der Handlung wird dort verraten und den Rest kann sich jeder denken.
Es gibt übrigens einen kleiner Spoiler bezüglich "Ravishing A Heiress", ich erwähne was über die Protagonisten und deren Problematik in diesem Band bekannt wird und dadurch als Überleitung zum nächsten Roman dient. Ich habe den Abschnitt entsprechend markiert.
Kritik:
Da ich über eine Aktion an einen 10€-Amazon-Gutschein gekommen bin wanderte "Beguiling the Beauty" von Sherry Thomas in meinen Einkaufswagen, ansonsten hätte ich mir den neusten Roman der Autorin wahrscheinlich noch nicht gekauft (ich wollte erst "Delicious" lesen, dieser Roman reizt mich allerdings wenig), was wirklich sehr schade gewesen wäre, denn bei "Beguiling the Beauty" handelt es sich um einen sehr schönen Historical.
Ich muss sagen, dass ich am Anfang ziemlich skeptisch war und hätte gar nicht erwartet, dass mich die Geschichteso faszinieren kann, da der Klappentext nicht 100% nach meinem Geschmack klang. Mir war recht schnell klar, dass ich "Beguiling the Beauty" entweder lieben oder hassen würde, denn es gab einige Elemente, die ich in einem Historical nicht unbedingt liebe. So bin ich kein Freund von Witwen in Historicals, denn wenn sie noch Jungfrau sind finde ich es einfach nur unrealistisch und wenn sie es nicht sind, finde ich es irgendwie weniger romantisch. Ich weiß das ist eigentlich blöd, aber in Historicals stört es mich einfach manchmal, hier war dies aber nicht der Fall, mich hat es gar nicht gestört, dass Venetia eine Witwe ist. Ebenso gab es einige andere Dinge, die mir in einem anderen Historical vielleicht nicht gefallen hätten, z.B. wie schnell Christian mit einer ihm unbekannten Frau im Bett landet oder dass er eine Frau heiraten möchte deren Gesicht er nicht kennt, aber hier hat es sehr gut funktioniert. Ich weiß nicht, aber besonders letzteres finde ich etwas unnormal und auch unsinnig, es geht zwar hauptsächlich um den Charakter, aber ich würde skeptisch werden, wenn mir jemand nicht sein Gesicht zeigen will und wie er später selber erfahren muss, hätte ein wenig Skepsis sicher nicht geschadet. ;-)
Der Anfang von "Beguiling the Beauty" hat mir unheimlich gut gefallen, auch wenn mich die ganzen paläontologischen Begriffe etwas verwirrt zurückgelassen haben und ich manchmal nicht wusste, worüber gerade gesprochen wird. Besonders das Ende war dann aber sehr lahm, langweilig, unspektakulär und meiner Meinung nach zu kurz, da hätte ich wirklich mehr erwartet. Allgemein konnte mich die Geschichte nach der Heirat nicht mehr wirklich fesseln, dies war aber nur ein sehr kurzer Teil der Geschichte, wer also nach dem er den Klappentext gelesen hat erwartet hunderte Seiten lang mit Missverständnissen gequält zu werden irrt, dies ist nur ein kleiner Teil der Geschichte und hat überhaupt gar nicht gestört, da dies sehr gut zur Geschichte gepasst hat.
[In diesem Abschnitt folgt der vielleicht-Spoiler bzgl. "Ravishing A Heiress"]
Fesselnd war die Handlung aber besonders durch ihre Nebengeschichten, die ich fast interessanter fand als die Hauptgeschichte. Venetia und Christian sind im Prinzip nicht die alleinigen Hauptpersonen, auch Szenen mit den anderen gibt es relativ häufig und sie nehmen teilweise sehr viel Platz in der Geschichte ein. Es wird dadurch eigentlich ziemlich klar, um wenn es in den nächsten beiden Teilen gehen wird und hat mir echt Lust auf die nächsten Teile gemacht, die ich natürlich sofort vorbestellen musste! Besonders auf den nächsten Band in der Reihe "Ravishing The Heiress" freue ich mich. Fitz, Millies Ehemann, musste seine große Liebe Isabelle verlassen und eine andere heiraten, da er ein verarmtes Earldom geerbt hat und deshalb eine reiche Erbin brauchte, für Millie aber war es Liebe auf den ersten Blick. Zudem wollen beide acht Jahre mit der Vollziehung ihrer Ehe warten, um sich besser kennenzulernen und anderen Problemen aus dem Weg zu gehen, aber die 8 Jahre sind nun fast vorbei. Fitz lebt in dieser Zeit natürlich nicht abstinent, auch wenn dies von Millie geduldet und auch gefördert wird, da sie die gute Freundin gibt und ihre Liebe vor ihm verbirgt. Nun kehrt aber Isabelle aus Indien zurück, da inzwischen ihr Ehemann verstorben ist. Ui, das klingt gut, aber auch nach einer großen Herausforderung für Sherry Thomas, da ich z.B. eigentlich nicht mag, wenn der Ehemann in der Ehe untreu ist, auch wenn es in diesem Fall mit Zustimmung von Millie geschieht. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass "Ravishing the Heiress" ein sehr guter Roman wird. Nun aber wieder zu "Beguiling the Beauty".
Was ich sehr schön fand war, dass die Handlung für einen Historical nicht so 0815 ist, sondern außergewöhnlicher als üblich und zudem sehr gut umgesetzt. Überrascht haben mich außerdem die sehr intelligenten und außergewöhnlichen Dialoge, was mir sehr gut gefallen hat, da man dies nicht häufig in Historicals findet. Irritierend und irgendwie witzig waren dagegen die deutschen Sätze, ich weiß nicht, irgendwie brauche ich dies in englischen Romanen (und auch Filmen nicht). :-D
Venetia war mir sehr sympathisch und auch recht außergewöhnlich für eine Historical-Protagonistin, besonders durch ihre Interessen hebt sie sich etwas ab und ist überhaupt nicht zu vergleichen mit den Wallflower- oder jungfräulichen Heldinnen. Von Anfang an ist sie selbstbewusst und weiß was sie will. Mir hat nur gar nicht gefallen, dass sie die Wunderschönste der Allerschönen ist, so wird sie jedenfalls dargstellt. Ich untertreibe nicht, sie ist so unglaublich hübsch, dass manche Männer sich augenblicklich in sie verlieben, ihr sogar versuchen ihr bei ihrer Hochzeit eine Heiratsantrag zu machen und das die Leute, wenn sie sie zum ersten mal sehen tatsächlich sprachlos sind. Ihre Schönheit würde selbst eine Göttin hässlich erscheinen lassen und das fand ich ehrlich gesagt ziemlich unrealistisch und übertrieben, niemand kann in den Augen aller derart wunderschön sein. oO
Christian dagegen ist etwas blass, was ich sehr schade fand, denn man hätte mehr aus ihm herausholen können, er geht neben Venetia etwas unter.
Interessant war auch zu erfahren, dass die Geschichte nach "Private Arrangements" und vor "Not Quite a Husband" spielt. Denn Leo Mardsen wird erwähnt, er gerade auf dem Weg nach Indien und die Protagonisten aus "Private Arrangements" sind glücklich verheiratet, wie man auf einem von ihnen gegebenen Ball erfährt. Auch wenn ihre vorherigen Romane nie Teile einer Reihe waren, so haben sie doch über "Beguiling the Beauty" einen Zusammenhang bekommen, zumindest sehr lose.
Fazit:
Sehr schöner Historical, der allerdings nicht ganz ohne Schwächen ist und der besonders durch seine Nebenhandlungen an Tiefe gewinnt.