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4.0 von 5 Sternen
Harte Kindheit in Russland, 13. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Begrabt mich hinter der Fußleiste (Gebundene Ausgabe)
Als ich begann, das Buch zu lesen, dachte ich , es wäre ein lustiges Buch und habe über die Flüche der Großmutter geschmunzelt. Aber schnell war mir klar, dass es sich hier eher um eine dramatische Geschichte handelt, und ich war voller Mitleid mit Sascha, dieser armen, unterdrückten und ständig kranken Kreatur, die keinen Ausweg aus ihrem Elend sieht. Gleichzeitig empfand ich aber auch für die Großmutter, die ja der Grund für alles war, Mitleid, da sie in ihrem eigenen Schicksal verstrickt ist und keine Perspektive für ihr Leben hat. Alles in allem eine beklemmende Geschichte, die mich sehr fesselte.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kindheitsroman mit existentialistischen Einflüssen, 9. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Begrabt mich hinter der Fußleiste (Gebundene Ausgabe)
Der siebenjährige Sascha Saweljew hat nicht viel von der Zukunft zu erwarten. Obwohl seine Großmutter ihn mit teuren, gesunden Lebensmitteln, homöopathischen und sonstigen Medikamenten und Vitaminen vollstopft, ist er ständig krank. Wie er von der Großmutter weiß, lässt ihn der Staphylococcus aureus von innen verfaulen, weshalb er ein Idiot und Krüppel ist - auch wenn die Nachbarn diese Ansicht der Großmutter nicht teilen - und spätestens mit sechzehn Jahren sterben wird. Großmutter führt in der Familie ein hartes Regiment mit ständigen Flüchen und Beschimpfungen für Großvater und Sascha, und beide fügen sich, kennen sie doch nichts anderes. Saschas einziger Lichtblick sind die seltenen Besuche seiner Mutter, die von der Großmutter ständig beschimpft wird, seit sie irgendwann Saschas Vater verlassen hat und mit einem "Giftzwerg und Erbschleicher" zusammenlebt. Damals nahm Großmutter ihrer Tochter den kränklichen Sascha ab und bedroht sie seither, wenn diese auf Herausgabe des Jungen drängt. Der Junge liebt die Mutter so sehr, dass er gern hinter der Fußleiste in ihrer Wohnung begraben wäre, um ihr nahe zu sein. Monate und Jahre voller Demütigungen für alle in der Umgebung der Großmutter vergehen, bis eines Tages Mutter und Sohn einen Ausbruchsversuch wagen. Die Geschichte der psychisch massiv gestörten, intriganten, unleidlichen Großmutter, die ihre gesamte Familie terrorisiert, wird aus Saschas naiver Perspektive erzählt. Unbefangen breitet der Junge sein im Grunde unerträgliches, zwischen der resignierten Einfügung in den Alltag mit der Großmutter und der bohrenden, immer unerfüllten Sehnsucht nach der Mutter aufgeriebenes Leben vor dem Leser aus. Aufgrund dieser kindlichen Perspektive hat der Roman eine ausgesprochene Tendenz zur Tragikomik und Groteske - man möchte einerseits vor Entsetzen über die unwürdige Behandlung des kleinen Jungen erstarren und andererseits hellauf lachen über dessen aus Unkenntnis verquere Assoziationen. Die Charaktere sind zwar hier und da bewusst überzeichnet, aber doch glaubwürdig und vor allem, jeder auf seine Weise, bestürzend. Daher hat auch die Handlung trotz der zunächst irreal erscheinenden Elemente nichts Überzogenes. Sie ist psychologisch nachvollziehbar gestaltet und steuert, den Leser schließlich fast atemlos mit sich reißend, auf ein fulminantes Finale zu, eine Art Götterdämmerung irgendwo in Moskau.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Familienleben russisch?, 7. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Begrabt mich hinter der Fußleiste (Gebundene Ausgabe)
Sascha liebt seine Mutter sehr, leben muss er aber bei seiner Grossmutter. "Begrab mich hinter deiner Fussleiste in deiner Wohnung. Ich möchte dich immer sehen." bittet er seine Mutter, denn nach der Beerdigung seiner Grossmutter hat er Angst vor dem Friedhof. Aber hat ihn das Glück nun doch noch eingeholt? Saschas Leben bei der Grossmutter ist gezeichnet von Verboten, Aberglauben, Beschimpfungn und Verunglimpfungen. Es ist die reine Hölle auch für seinen Grossvater der weiss, dass seine Frau psychisch krank ist und deshalb am Leben bleibt. In die Psychiatrie mag er sie nicht einweisen lassen, denn wer kümmert sich dann um das Kind? Seit der Scheidung seiner Mutter lebt Sascha bei den Grosseltern und sei ständig kränklich meint der Grossvater und habe es seiner Frau zu verdanken, dass er noch am Leben sei. Seine Mutter habe die Grossmutter verflucht weil man so einem Miststück das Kind nicht anvertrauen könne. Einen Freund der Mutter beschreibt man Sascha als mordgierigen Giftzwerg vor dem er sich fürchtet. Besuche der Mutter, die gewohnheitsmässig als Flittchen bezeichnet wird, werden nach Möglichkeit unterbunden. Gott würde ihn nie strafen können weil er nie erwachsen würde, er werde spätestens mit 16 verfault in der Erde liegen, im Jenseits, prophezeit ihm die Grossmutter. Das Jenseits stellt sich Sascha wie den Müllschlucker vor in dem alle Geschenke seiner Mutter verschwinden. Angst, Hass, Wahn, Ungeheuerlichkeiten die einer gewissen Komik nicht entbehren dominieren das Leben aller Figuren. Denn ob die Mutter ihr Kind wirklich liebt ist gänzlich unklar.
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