Es gibt im Leben eines jeden Menschen sicherlich Sachen, die er gerne vergessen würde. Schlechte Erinnerungen, an die wir nicht gerne denken. Dr. Cyrille Blake, die Protagonistin dieses Thrillers, würde allerdings alles dafür geben, sich wieder erinnern zu können. Ihr Albtraum beginnt mit einer kleinen Irritation: sie kann sich an Julien Daumas, einen früheren Patienten, der nun erneut ihre Hilfe in Anspruch nehmen möchte, absolut nicht mehr erinnern. Für eine Psychiaterin wie Cyrille, die sich an alles erinnern kann, was mit ihrer Arbeit zu tun hat, ein herber Schlag. Sie lässt ein MRT machen, doch auf den Aufnahmen ihres Gehirns ist nichts zu sehen: kein Tumor und keine Abweichungen vom Normalen, die erklären könnten, warum Cyrille sich nicht erinnert. Leider ist auch die frühere Akte Juliens nicht auffindbar, so dass Cyrille anfangs noch davon ausgeht, dass ihr Patient ein Blender ist, dem sie noch nie zuvor begegnet ist. Doch woher weiß er dann so intime Sachen über sie, die sie außer ihrem Mann noch nie jemandem anvertraut hat? Cyrille beginnt zu forschen und stößt auf immer mehr Ungereimtheiten, bis ihr ganzes Leben sich vor ihren Augen aufzulösen scheint...
Ich weiß nicht so recht, was ich von diesem Thriller halten soll. Er ist solide geschrieben, die Idee dahinter ist ja auch ganz pfiffig, aber so richtig mitzureißen vermag er mich nicht. Das liegt wohl daran, dass mir die Wendungen, die die Geschichte nimmt, manches Mal einfach zu absurd erscheinen und das Finale mir zu unwirklich ist. Außerdem kommen eine Menge medizinische Details aus dem Bereich der Psychiatrie und Neurobiologie vor, die ich zum einen sehr verwirrend fand und zum anderen auch nicht in Hinsicht auf ihre Realitätsnähe einordnen kann - manches klingt einfach zu abenteuerlich.
Dieser Roman ist also eher etwas für Leser, die medizinische Thriller mögen und die auch kein Problem mit Geschichten haben, die insgesamt ein wenig abgehoben wirken. Da ich eher realistische Handlungen bevorzuge und ein Thriller für mich nicht um jeden Preis rasant sein muss, war ich zwar nicht uneingeschränkt begeistert, hatte aber dennoch ein paar schöne Lesestunden auf diesem Ausflug in die mir größtenteils fremde Gattung des Medizinthrillers.