Nach dem Kauf der Thompson-Studienbibel (Luther-Übersetzung) vor gut einem Jahr, entschloß ich mich nun auch für die sprachlich modernere Textversion (Neues Leben-Übersetzung), nicht zuletzt, weil diese nun als Gesamtwerk von AT und NT vorliegt. Beide "Studienbibeln" muß man zwangsläufig vergleichen, wenn man Aussagen über den "Studienansatz" treffen will.
Das Ergebnis vorweg: Begegnung fürs Leben ist mein Gewinner dieses Vergleichs. Sie ist mehr als eine Studienbibel; sie ist ein Alltagskompendium für Bibelleser mit Kommentar und großem Studienteil. Sie kommt ganz klar mit moderneren Ansichten für das heutige Leben als Christ daher; sie ist kein Organ der institutionalisierten Kirchen, kein Kommentar aus dem Bibelseminar eines Theologie-Professorss, und kein Kompendium der Lehren der Amtskirchen. Sie ist ökumenisch, wenn nicht sogar überkirchlich. Sie bedient eher die Bedürfnisse und Ansichten der evangelischen Christen und der Freikirchen. Den Begriff "evangelikal" möchte ich im Gegensatz zu einem der anderen Rezensenten aber nicht gebrauchen. Diese Bibel ist auch für jeden "christlichen Neuling" ein Gewinn und passt gleichzeitig aber auch in jeden herkömmlichen Bibelkreis. Was man wissenschaftlich theologisch korrekt von den Bibeltexten zu halten hat, kann man in unzähligen honorigen Bibel-Kommentaren, schön getrennt nach den großen Amtskirchen und deren Bekenntnis lesen.
Die hier vorliegende "Studienbibel" ist ganz anders. Die Anmerkungen und Fußnoten zum Bibeltext nehmen ganz viel Raum auf jeder Seite ein und beziehen Stellung zum Text. Sie gehen über eine reine Kommentierung oder Auslegung hinaus und geben vielmehr nummeriert Vers für Vers zusätzlich ganz konkrete Hinweise zur Anwendung und Umsetzung des Gelesenen. Was gelegentlich Inhalt einer Predigt ist, kann man hier täglich lesen und für sich selber umsetzen. Der Untertitel Studienbibel "für jeden Tag" ist daher keine Übertreibung. Hier wird man nicht belehrt, hier bekommt man Anregungen für das eigene Fühlen, Denken und Handeln. Und kommt so Christus näher als durch jede andere Bibel, die ich bisher hatte. Die Übersetzung ist vom Stil her sehr gut lesbar in einer deutschen Hochsprache, die trotz der beabsichtigten Modernität nicht zwanghaft (wie z.B. die "Bibel in gerechter Sprache") versucht, den Bibelcharakter sprachlich einzuebnen oder sich bei irgendwelchen Zielgruppen anzubiedern. Die Zielgruppe ist universell. Insoweit ist es eine echte "neue" christliche Einheitübersetzung mit überkirchlichem Charakter.
Die Thompson Studienbibel (ganz kurz) ist dagegen (auch didaktisch) schon in die Jahre gekommen. Es gibt sie ferner nur als Luther-Bibel 1984. Sie ist eine "echte" Studienbibel alten Schlages: inhaltlich streng strukturiert und eingebunden in das z.B. zur Referats- /Predigtvorbereitung wohl einzigartige Prinzip der nummerierten "Kettenverzeichnisse". Sie bedient eher Leser mit theologischen Hintergrund und kann gar nicht als Kommentar-Bibel verstanden werden. Das will sie auch nicht. Ihre Lektüre bietet Lernstoff zum Bibelwissen und entbindet den "Bibelstudenten i.w.Sinne" nicht , sich mit anderen auslegenden und kommentierenden Bibel-Texten einzudecken. Sie ist ein Studienwerk neben vielen anderen.
Begegnungen fürs Leben ist dagegen ein in sich geschlossenes solitäres modernes Werk, das für die tägliche Bibellektüre und gleichzeitige Umsetzung im christlichen Leben aus einer Hand geeignet ist und (nebenbei auch) den Charkter einer Studienbibel erfüllen kann.
Einen Punkt Abzug gibt es für die schon durch die Anlieferung leicht ramponierte Einbanddecke, die wenig liebevolle Aufmachung, das sehr dünne Papier und das sehr kompakte Layout der Texte, was natürlich dem einbändigen Aufbau des Buches und seinem niedrigen Preis geschuldet ist. Ich befürchte, daß ein regelmäßiger Gebrauch das wertvolle Bibel-Buch und den kartonierten Einband schnell verschleissen wird. Ein Mehr-Preis für Mehr-Ausstattung wäre evtl. sinnvoll gewesen. Warten wir auf die nächsten Auflagen.