Das Bruttoinlandsprodukt ist kein Maßstab für das Wohlergehen moderner Gesellschaften, sondern für ökologische Zerstörung. Unser Wohlstand beruht auf ökologischer Plünderung. Eine Rückkehr zum menschlichen Maß (ein durchschnittliches Quantum an Verbrauch ökologischer Ressourcen, der die irdische Tragekapazität dauerhaft erhält) bedeutet eine Rückkehr zur Sesshaftigkeit. Nur wenn die individuelle CO²-Menge von 2,7 Tonnen pro Jahr bei einer Weltbevölkerung von sieben Milliarden Menschen bleibt, ließe sich das Zwei-Grad-Klimaschutz-Ziel der EU erreichen.
Arbeit sparender technischer Fortschritt ist nur dann kein sozialer Wachstumstreiber, wenn die durchschnittliche Arbeitszeit reduziert wird (auf 30, langfristig 20 Stunden).
Katalysatoren, Passivhäuser oder Ökostrom können dazu verleiten, größere Autos, mehr Häuser oder mehr Stromverbrauch zu rechtfertigen (Alibiwirkung). Widersprüche wie die des Geländewagen fahrenden Stammkunden des Bio-Supermarktes oder den Ökostrom nutzenden Haushalt der über so viele Flachbildschirme, Computer und Stereoanlagen wie Zimmer verfügt, sind Beispiele für symbolische Handlungen. Per se sind nicht Technologien und Objekte nachhaltig, sondern allein Lebensstile.
Nachhaltigkeitswirkungen können ausschließlich auf Basis individueller Ökobilanz dargestellt werden. Der Ecological Footprint muss zugrundegelegt werden! Es bräuchte keine Weltregierung oder Ökodiktatur, sondern etwas mehr Ehrlichkeit. Nachhaltigkeitsbemühungen, die sich an der Subjektorientierung vorbeischummeln, sind nicht nur überflüssig, sondern schädlich.
Kulturell gesehen ist genug nie genug: Wachstum erzeugt Differenzen, deren Beseitigung neues Wachstum notwendig macht.
Die Postwachstumsökonomie muss regional wirtschaften bis hin zur Selbstversorgung. Die partielle De-Globalisierung ist nur zum Preis verringerter materieller Kaufkraft und Optionenvielfalt zu haben. Weitere Faktoren sind Gemeinschaftsnutzung, Nutzungsdauerverlängerung, Eigenproduktion.
Zur Suffizienz schreibt Paech den Ratgebersatz: Souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht.
Politik schafft die Rahmenbedingungen zum schrittweisen Ziel der Postwachstumsgesellschaft, wozu auch die Beendigung jeglicher Bankengeldschöpfung und eine Bodenreform gehört. Ein Teil der Industrieanlagen, Autobahnen, Parkplätze und Flughäfen wären in prägnantem Umfang stillzulegen, zurückzubauen und so weit wie möglich zu renaturieren. Das Bildungssystem muss Kindern und Jugendlichen das Rüstzeug liefern, ein verantwortbares Leben innerhalb ökologischer Grenzen zu gestalten.
Wer nicht über seine ökologischen Verhältnisse lebt, kann ein ehrliches plünderungsfreies Glück genießen.
Die Frage an Niko Paech: Realisierbar? Alternativlos!